Seit 80 Jahren ist die Volkshochschule Bamberg Stadt ein Ort für Bildung, Begegnung und gesellschaftlichen Austausch.
Am Donnerstag, 17. September 2026, hat die vhs ihr Jubiläumssemester eröffnet. Unter dem Leitgedanken ‚Wir.bilden.Bamberg.‘ ging es dabei nicht nur um die Geschichte der Einrichtung. Im Mittelpunkt stand auch die Frage, welche Rolle die Volkshochschule künftig in der Stadtgesellschaft übernehmen kann. VHS-Leiterin Dr. Anna Scherbaum, Baureferentin Annegret Michler und Oberbürgermeister Sebastian M. Niedermaier stellten dabei unterschiedliche Perspektiven auf die Entwicklung und Zukunft der Einrichtung vor.
Von der demokratischen Neugründung bis heute
Die Bamberger Volkshochschule wurde 1946 nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet. Sie sollte einen Beitrag zum demokratischen und gesellschaftlichen Neubeginn leisten. Schon im ersten Trimester war das Interesse groß: Mehr als 900 Menschen meldeten sich für die angebotenen Kurse an. Auf dem Programm standen damals unter anderem Sprachen, Kunst und Musik. Einen besonderen Stellenwert hatten außerdem Themen wie Demokratie, Politik, Gesellschaft und Geschichte. 1951 übernahm schließlich die Stadt Bamberg die Trägerschaft der Volkshochschule.
Vom Abendkurs zur modernen Bildungseinrichtung
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die vhs kontinuierlich weiter. Aus der ursprünglichen Abendvolkshochschule wurde eine Einrichtung mit Angeboten über den gesamten Tag. Eine wichtige Etappe war der Umzug in das Alte E-Werk im Jahr 1988. Damit entstand ein zentraler Standort für Bildung, Kultur und Begegnung. Gleichzeitig öffnete sich die Volkshochschule für weitere Zielgruppen und verstärkte ihre Zusammenarbeit mit Einrichtungen aus Wissenschaft, Kultur und Stadtgesellschaft. Heute gehören unter anderem Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Inklusion, Integration und Demokratiebildung zu den wichtigen Themenfeldern der vhs.
Digitale Angebote und persönliche Begegnungen
Auch wenn digitale und hybride Lernangebote inzwischen selbstverständlich zum Programm gehören, bleibt die persönliche Begegnung ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. „Gerade in einer zunehmend digitalen Welt brauchen wir solche realen Orte des Verstehens und des Miteinanders“, betonte VHS-Leiterin Dr. Anna Scherbaum bei der Jubiläumsveranstaltung. Damit versteht sich die vhs nicht ausschließlich als Ort der Wissensvermittlung. Sie möchte Menschen zusammenbringen und Raum für Austausch schaffen.
Drei Sterne für die vhs
Im Jubiläumsjahr konnte die vhs Bamberg Stadt zudem einen besonderen Erfolg verbuchen. Im Excellence Framework Europe (EFE) erreichte sie die dritte Stufe und damit den dritten Stern. Das Verfahren soll Organisationen dabei unterstützen, ihren Entwicklungsstand zu bestimmen sowie Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten sichtbar zu machen. Im Assessment wurden unter anderem die Bildungsqualität, Innovationskraft, digitale Entwicklung, gesellschaftliches Engagement und Teamarbeit hervorgehoben. Für die vhs ist das Ergebnis zugleich ein Ansporn, die eigene Entwicklung weiter voranzutreiben.
‚Wir.bilden.Bamberg.‘
Den Blick nach vorne verbindet Dr. Anna Scherbaum mit dem Leitgedanken ‚Wir.bilden.Bamberg.‘ Die Volkshochschule wolle weiterhin Bildung vermitteln, Menschen miteinander ins Gespräch bringen und gemeinsam mit ihnen die Stadtgesellschaft gestalten. Damit knüpft das heutige Selbstverständnis unmittelbar an die Geschichte der vhs an. Bereits bei ihrer Gründung standen demokratische Bildung und gesellschaftliche Themen neben klassischen Bildungsangeboten auf dem Programm. Heute kommen neue Herausforderungen hinzu, denen die vhs mit einem entsprechenden Bildungsangebot begegnen möchte.
Die vhs als „Dritter Ort“
Einen besonderen Schwerpunkt setzte Baureferentin Annegret Michler in ihrem Festvortrag. Sie stellte die Bedeutung sogenannter ‚Dritter Orte‘ für die Stadtgesellschaft in den Mittelpunkt. Gemeint sind Orte neben dem eigenen Zuhause und dem Arbeitsplatz, an denen Menschen zusammenkommen, sich austauschen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Die Volkshochschule sei ein Beispiel für einen solchen Ort. Menschen besuchen dort Sprachkurse, Vorträge sowie Kultur- oder Gesundheitsangebote und treffen dabei auf Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen. Damit gehe die Bedeutung der vhs weit über die reine Wissensvermittlung hinaus.
„Die Volkshochschule bildet Stadtgesellschaft“
„Die Volkshochschule bildet nicht nur Menschen. Sie bildet Stadtgesellschaft“, erklärte Michler. An Beispielen aus Amsterdam, Feldkirch und Aachen zeigte die Baureferentin, wie bestehende Räume durch neue Nutzungen zu Orten der Begegnung werden können. Auch in Bamberg sieht sie dafür Potenzial. Genannt wurden unter anderem die Reithalle, der Schlachthof und der Bahnhof. Entscheidend sei, vorhandene Räume weiterzudenken und ihre Entwicklung gemeinsam mit den Menschen zu gestalten.
Vision eines Netzes von Begegnungsorten
Für Bamberg formulierte Michler die Vision eines Netzes gut erreichbarer ‚Dritter Orte‘. Die vhs könnte dabei ein wichtiger Bestandteil sein. Solche Orte sollen Menschen unabhängig von Alter, Herkunft oder sozialer Situation zusammenbringen. Entscheidend sei, dass dafür keine Mitgliedschaft oder ein Kundenstatus erforderlich ist. Es geht vielmehr um Räume, die Begegnung ermöglichen und Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Zum Abschluss ihres Vortrags bezog Michler deshalb auch das Publikum direkt ein.
Bamberger können ihre Ideen einbringen
Auf Postkarten konnten die Gäste ihren persönlichen ‚Dritten Ort‘ in Bamberg nennen oder einen Ort skizzieren, der aus ihrer Sicht bislang fehlt. Die Karten wurden anschließend im Foyer auf Pinnwänden gesammelt. So wurde aus dem Festvortrag eine konkrete Einladung, über die Zukunft der Stadt nachzudenken. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wo in Bamberg Begegnung und Gemeinschaft entstehen können.
Stadt will vhs auch künftig unterstützen
Oberbürgermeister Sebastian M. Niedermaier betonte in seinem Grußwort ebenfalls die Bedeutung der Volkshochschule für Bamberg. Er verwies dabei auch auf seine persönliche Verbindung zur Einrichtung. Er sei nur einen Steinwurf vom Alten E-Werk entfernt aufgewachsen, die vhs sei deshalb bereits früh Teil seines familiären Umfelds gewesen. Gerade mit Blick auf die zunehmende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz sei es wichtig, Wissen verlässlich vermittelt zu bekommen, erklärte Niedermaier. Gleichzeitig brauche es Orte, an denen Menschen miteinander sprechen und unterschiedliche Positionen im Dialog bleiben können.
„Die VHS braucht es heute mehr denn je“
Niedermaier betonte deshalb, dass die Stadt auch künftig dafür sorgen werde, die Volkshochschule finanziell im städtischen Haushalt abzusichern. „Die VHS braucht es heute mehr denn je“, sagte der Oberbürgermeister. Zugleich gratulierte er Dr. Scherbaum und ihrem Team zum Jubiläum und zum aktuellen Semesterprogramm. Damit unterstrich die Stadt ihre Unterstützung für die Volkshochschule und deren Rolle als Bildungs- und Begegnungsort in Bamberg.
Geburtstag mit Kuchen und Musik
Natürlich durfte bei einem 80. Geburtstag auch das Feiern nicht fehlen. Im Großen Saal wurde ein Kuchen präsentiert, der nach dem Motiv des Jubiläums-Programmhefts gestaltet war und eine brennende ’80‘ trug. Anschließend schnitt Oberbürgermeister Niedermaier den Geburtstagskuchen an und verteilte ihn an die Gäste. Für die musikalische Begleitung sorgten sieben Laienmusiker der ‚Frensdorfer SessionMusik‘. Gemeinsam mit dem Publikum stimmten sie ‚Viel Glück und viel Segen‘ an.
Eine besondere Verbindung zum Alten E-Werk
Unter den Musikern befand sich auch Reinhard Sures. Er verbindet mit dem Veranstaltungsort eine besondere Geschichte. Sures gehörte einst zu den Besetzern des Alten E-Werks und setzte sich für den Erhalt des Gebäudes ein. Seit 1988 ist das Gebäude zentraler Standort der Volkshochschule. Damit wurde beim Jubiläum auch eine Verbindung zwischen der Geschichte des Hauses und der Geschichte der vhs sichtbar.
80 Jahre vhs und ein Blick nach vorn
Mit dem Jubiläumssemester blickt die vhs Bamberg Stadt auf acht Jahrzehnte Bildungsarbeit zurück. Gleichzeitig richtet sie den Blick nach vorne. Von der demokratischen Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg über den Umzug ins Alte E-Werk bis zu digitalen und hybriden Bildungsangeboten hat sich die Volkshochschule immer wieder an neue gesellschaftliche Entwicklungen angepasst. Heute möchte sie zugleich Lernort, Begegnungsstätte und Raum für gesellschaftlichen Dialog sein. Das Jubiläumsjahr steht damit nicht nur für einen Blick zurück, sondern auch für die Frage, wie Bildung und Begegnung in Bamberg künftig gestaltet werden können. Weitere Informationen zum Jubiläumssemester und zum aktuellen Programm der vhs Bamberg Stadt gibt es online unter www.vhs-bamberg.de.















