Die Künstlerin Silja Beck ist mit dem Volker-Hinniger-Preis 2026 der Stadt Bamberg ausgezeichnet worden.
Die Preisverleihung fand im feierlichen Rahmen im Historischen Museum Bamberg statt. Mit der mit 3.000 Euro dotierten Auszeichnung fördert die Stadt junge Talente der Bildenden Kunst. Beck überzeugte die Jury mit Installationen, die gesellschaftliche Fragestellungen aufgreifen und das Publikum aktiv in den künstlerischen Prozess einbeziehen. Die Entscheidung des Bamberger Stadtrats fiel bereits am 25. März 2026 einstimmig. Grundlage war die Empfehlung einer fachkundigen Jury unter dem Vorsitz von Kulturreferentin Ulrike Siebenhaar. Der Volker-Hinniger-Preis wird alle drei Jahre vergeben und zählt zu den Instrumenten der städtischen Kulturförderung.
Interaktive Kunst, die Menschen einbezieht
Silja Beck eröffnet mit ihren Arbeiten neue Perspektiven auf zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum. Ihre Installationen verbinden aktuelle gesellschaftliche Themen mit technischen und interaktiven Elementen. Dabei geht es nicht allein darum, Kunst zu betrachten. Vielmehr werden die Besucherinnen und Besucher selbst Teil des Werks. Sie können mit den Installationen interagieren und deren Entwicklung teilweise beeinflussen. Dieser Ansatz macht Kunst zu einem unmittelbaren Erlebnis und schafft neue Möglichkeiten der Begegnung. Zugleich regt Beck dazu an, gewohnte Sichtweisen zu hinterfragen und sich mit gesellschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Die Jury würdigte insbesondere diesen performativen Charakter ihrer Arbeiten. Beck lotet damit die Möglichkeiten künstlerischer Ausdrucksformen immer wieder neu aus. Ihre Werke zeigen, wie eng Kunst und Publikum miteinander verbunden sein können, wenn die Betrachtenden nicht nur beobachten, sondern selbst aktiv werden.
Das Werk ‚Hörapparat‘ macht Wahrnehmung erlebbar
Wie vielfältig Becks künstlerische Arbeit ist, wurde bei einem anschließenden Gespräch mit Professor Michael Munding von der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg deutlich. Munding gehört auch der Jury des Volker-Hinniger-Preises an. Anhand von Abbildungen ihrer Installationen und Kunstwerke erhielten die Gäste Einblicke in Becks Arbeitsweise. Besonders anschaulich wurde ihr Ansatz bei der Vorstellung des Werks ‚Hörapparat‘. Das Objekt ist als Leporello gestaltet. Aufgefaltet wird es über den Kopf gestülpt, sodass die Ohrmuscheln vergrößert werden. Durch diese ungewöhnliche Konstruktion entstehen neue Hörerlebnisse. Das Werk lenkt die Aufmerksamkeit darauf, wie Menschen Klänge wahrnehmen und welche Rolle dabei der Körper und der umgebende Raum spielen. Beck macht erfahrbar, dass Hören nicht ausschließlich über die Ohren verstanden werden kann, sondern Teil einer umfassenderen körperlichen Wahrnehmung ist. Damit verdeutlicht die Künstlerin ein zentrales Merkmal ihrer Arbeit: Sie schafft Situationen, in denen das Publikum Kunst nicht nur betrachtet, sondern selbst erlebt. Für den musikalischen Rahmen der Preisverleihung sorgte Anna Butter.
Auszeichnung fördert junge Talente der Bildenden Kunst
Der Volker-Hinniger-Preis wurde 1990 von Gretel Hinniger ins Leben gerufen. Sie stiftete die Auszeichnung zum Gedenken an ihren Sohn Volker Hinniger, der 1988 bei einem Unfall ums Leben kam. Ziel des Preises ist es, junge bildende Künstlerinnen und Künstler zu fördern und ihnen Aufmerksamkeit für ihre Arbeit zu verschaffen. Die Stadt Bamberg sieht darin einen wichtigen Beitrag zur zeitgenössischen Kulturförderung. Die Dritte Bürgermeisterin Eva Jutzler betonte bei der Würdigung die Bedeutung des Preises für die regionale Kulturlandschaft. Er schließe eine besondere Lücke, indem er junge Talente in der Bildenden Kunst unterstütze. Gerade zeitgenössische, avantgardistische und unkonventionelle Kunst brauche Möglichkeiten, sich einem breiteren Publikum zu präsentieren. Der Preis trage dazu bei, solchen künstlerischen Positionen die Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu geben, die sie verdienen.
Silja Beck: Ausbildung in Nürnberg und Stockholm
Silja Beck wurde 1996 in Wasserburg am Inn geboren. Ihre künstlerische Ausbildung führte sie an die Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Dort studierte sie Kunstpädagogik sowie Interaktive Medien und Dynamische Forschung. Im Jahr 2025 schloss sie ihr Masterstudium der Freien Kunst am Royal Institute of Arts in Stockholm ab. Neben ihrer eigenen künstlerischen Arbeit ist Beck seit 2019 auch als Workshop-Leiterin tätig. Ihre Workshops führten sie unter anderem nach Berlin, an die Folkwang Universität der Künste in Essen und an die Bergen Architecture School in Norwegen. Heute lebt und arbeitet Beck in Nürnberg. Ihre Werke sind sowohl in Deutschland als auch international präsent. Mit ihren interaktiven Installationen verbindet sie unterschiedliche künstlerische und technische Ansätze und eröffnet dem Publikum neue Zugänge zur Kunst.
Ausstellung in der Villa Dessauer geplant
Auch nach der Preisverleihung soll Silja Becks Kunst in Bamberg sichtbar bleiben. Für das Jahr 2027 ist voraussichtlich eine Ausstellung ihrer Werke in der Villa Dessauer geplant. Sie soll in Zusammenarbeit mit den Museen der Stadt Bamberg entstehen. Damit erhalten Kunstinteressierte die Möglichkeit, Becks Arbeiten näher kennenzulernen und ihren besonderen Umgang mit Interaktion und Wahrnehmung zu erleben. Die geplante Ausstellung knüpft zugleich an das Anliegen des Volker-Hinniger-Preises an: junge künstlerische Positionen zu fördern und einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Mit der Auszeichnung für Silja Beck setzt Bamberg die Förderung zeitgenössischer Bildender Kunst fort. Ihre Installationen zeigen, wie Kunst Menschen aktiv einbinden, neue Erfahrungen ermöglichen und gesellschaftliche Fragen auf ungewöhnliche Weise erfahrbar machen kann.
















