Mit den ersten Hitzetagen des Jahres und Temperaturen von über 30 Grad rückt die Bedeutung öffentlicher Trinkwasserangebote zunehmend in den Fokus.
Trinkbrunnen gelten als wichtige Maßnahme, um Menschen im öffentlichen Raum unkompliziert mit Wasser zu versorgen und gesundheitliche Risiken durch Hitze zu reduzieren. Doch obwohl vielerorts in den Ausbau der Infrastruktur investiert wird, bleiben zahlreiche Trinkbrunnen weitgehend ungenutzt.
Angst vor Verunreinigungen hält viele Menschen zurück
Forschende der Universität Bamberg haben untersucht, warum öffentliche Trinkbrunnen trotz ihres Nutzens häufig gemieden werden. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift Nature Water veröffentlicht. Eine repräsentative Befragung von 1.095 Personen ergab, dass rund 60 Prozent der Teilnehmenden in Deutschland noch nie einen öffentlichen Trinkbrunnen genutzt haben. Ein wesentlicher Grund dafür sind Bedenken hinsichtlich möglicher Verunreinigungen oder mangelnder Hygiene. Nach Ansicht der Forschenden spielt dabei ein natürlicher Schutzmechanismus des Menschen eine wichtige Rolle. Dieser hilft dabei, potenzielle Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Allerdings führt er auch dazu, dass sichere Wasserquellen gemieden werden können, wenn ihre Sicherheit nicht eindeutig erkennbar ist.
Feldversuch in Bamberg liefert klare Ergebnisse
Um herauszufinden, wie sich die Nutzung steigern lässt, führten die Wissenschaftler ein Feldexperiment an vier Trinkbrunnen in Bamberg durch. In insgesamt 14.128 beobachteten Nutzungssituationen wurden die Brunnen jeweils mit und ohne Hinweisschilder untersucht. Die Schilder informierten über die Sauberkeit des Wassers und kennzeichneten die Anlagen deutlich als sichere Trinkwasserquelle. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Wurde ein entsprechendes Schild angebracht, stieg die Wahrscheinlichkeit, direkt aus dem Brunnen zu trinken, um 82 Prozent. Auch die Nutzung zur Abkühlung nahm um 37 Prozent zu.
Sichtbare Sicherheit schafft Vertrauen
Die Forschenden stellten zudem fest, dass Menschen Trinkbrunnen mit klaren Hinweisen selbstständiger nutzen. Ohne entsprechende Kennzeichnung orientieren sich viele Nutzer zunächst daran, ob andere Personen den Brunnen bereits verwenden. Klare Informationen über Hygiene und Wartung schaffen dagegen Vertrauen und reduzieren Unsicherheiten. „Trinkbrunnen können technisch einwandfrei sein und trotzdem ungenutzt bleiben, wenn man ihnen die Sicherheit nicht ansieht“, erklärt Studienautor Prof. Dr. Philipp Sprengholz von der Universität Bamberg.
Bedeutung für Städte und Kommunen
Die Ergebnisse haben auch praktische Konsequenzen für Stadtplaner und Kommunen. Öffentliche Trinkwasserangebote gelten als wichtiger Bestandteil der Anpassung an zunehmende Hitzebelastungen und werden durch die EU-Trinkwasserrichtlinie ausdrücklich gefördert. Die Studie macht jedoch deutlich, dass der bloße Bau neuer Trinkbrunnen nicht ausreicht. Entscheidend ist ebenso, dass die Menschen diese Angebote als sicher wahrnehmen und leicht erkennen können.
Empfehlungen für die Zukunft
Die Forschenden empfehlen daher, psychologische Aspekte künftig stärker in die Planung öffentlicher Trinkwasserangebote einzubeziehen. Dazu gehören unter anderem:
- gut sichtbare Kennzeichnungen als Trinkwasserquelle
- Hinweise auf regelmäßige Wartung und Hygiene
- kontaktlose Nutzungsmöglichkeiten
- eine leicht verständliche Informationsgestaltung
Gerade vor dem Hintergrund steigender Temperaturen könnten solche Maßnahmen dazu beitragen, die Nutzung öffentlicher Trinkbrunnen deutlich zu erhöhen und die Bevölkerung besser vor den Folgen extremer Hitze zu schützen.
Kleine Hinweise mit großer Wirkung
Die Untersuchung der Universität Bamberg zeigt, dass oft bereits einfache Maßnahmen ausreichen, um das Vertrauen in öffentliche Trinkwasserangebote zu stärken. Sichtbare Informationen über Sicherheit und Sauberkeit können entscheidend dazu beitragen, dass vorhandene Infrastruktur tatsächlich genutzt wird – und damit ihren wichtigen Beitrag zum Gesundheitsschutz leisten kann.
















