Es gibt Theaterstücke, die unterhalten. Und es gibt Theaterstücke, die noch lange nach dem letzten Applaus im Kopf bleiben.
‚Merlin, Artus und das Schwert im Stein‘ gehört ohne Zweifel zur zweiten Kategorie. Die Uraufführung der Bühnenfassung von Julia Sylvester und Heidi Lehnert des Chapeau Claque auf der Freilichtbühne im Burggraben der Altenburg ist ein mitreißendes Abenteuer, das Kinder zum Staunen bringt und Erwachsene daran erinnert, wie viel Kraft in Hoffnung, Zusammenhalt und Fantasie steckt.
Schon die Ausgangsidee ist wunderbar originell: Die geheimnisvolle „Grohofflokeit“ – die große Hoffnungslosigkeit – hat die Welt wieder fest im Griff. Vier Zauberinnen und Zauberer machen sich deshalb auf eine turbulente Reise in die Vergangenheit, um gemeinsam mit Merlin und Artus den Menschen neuen Mut zu schenken. Was folgt, ist eine ebenso witzige wie kluge Geschichte, die nie belehrend wirkt und ihre Botschaft dennoch glasklar vermittelt.
Vier Schauspieler, unzählige Rollen und grenzenlose Spielfreude
Was dieses Stück besonders auszeichnet, ist die beeindruckende Leistung des vierköpfigen Ensembles. Maria Adriana Albu/Susanna Bauernfeind, Hans-Günter Brünker, Valentin Kärner und Marilena Lippmann wechseln in atemberaubendem Tempo zwischen unterschiedlichsten Figuren. Kaum hat man sich an eine Rolle gewöhnt, taucht derselbe Darsteller bereits in einer völlig neuen Gestalt wieder auf. Gerade bei hochsommerlichen Temperaturen verlangt diese körperliche Leistung höchsten Respekt. Die zahlreichen Kostümwechsel erfolgen in Rekordzeit, ohne dass auch nur eine Sekunde der Spielfluss ins Stocken gerät. Stattdessen sprüht jede Szene vor Energie, Spielfreude und sichtbarer Leidenschaft.
Eine Botschaft, die Kinder stark macht
So leicht und humorvoll das Stück daherkommt, so wertvoll ist seine Botschaft. Man kann mehr erreichen, als man sich selbst zutraut – wenn man an sich glaubt und zusammenhält. Diese Aussage zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Inszenierung. Dabei wird sie nie mit erhobenem Zeigefinger vermittelt, sondern wächst ganz natürlich aus der Geschichte heraus. Kinder erleben spielerisch, dass Mut, Freundschaft und gegenseitige Unterstützung stärker sind als Angst und Hoffnungslosigkeit. Gerade diese Mischung aus Unterhaltung und pädagogischem Mehrwert macht das Stück so besonders.
Fantasievolle Bühne mit vielen Überraschungen
Auch optisch entfaltet die Inszenierung ihren ganz eigenen Zauber. Die Kulissen wirken auf den ersten Blick schlicht, entpuppen sich jedoch als wahre Verwandlungskünstler. Mit kreativen Ideen entstehen immer neue Schauplätze, sodass die Fantasie des Publikums ständig angeregt wird. Ebenso gelungen sind die detailreichen Kostüme. Sie unterstreichen jede Figur, verleihen den Charakteren Persönlichkeit und tragen maßgeblich dazu bei, dass die magische Welt von Merlin lebendig wird.
Musik, Humor und jede Menge Mitmachspaß
Still sitzen? Kaum möglich. Immer wieder lockern schwungvolle Gesangseinlagen das Geschehen auf und laden unweigerlich zum Mitwippen ein. Ergänzt wird das Ganze durch herrlich platzierte Soundeffekte und kreative Wortneuschöpfungen wie „Babybesen“, die für zahlreiche Lacher im Publikum sorgen.
Besonders gelungen ist außerdem die direkte Einbindung der Kinder. Sie dürfen miträtseln, mitfiebern und den Figuren helfen. Dadurch bleibt die Aufmerksamkeit von Anfang bis Ende erhalten. Das begeisterte Publikum zeigte eindrucksvoll, wie gut dieses Konzept funktioniert – überall wurde gelacht, gestaunt und mitgefiebert.
Ein Theatererlebnis weit über das Kinderprogramm hinaus
Wer glaubt, dieses Stück richte sich ausschließlich an Kinder, irrt gewaltig. Zwar ist die Geschichte bereits für Zuschauer ab vier Jahren bestens verständlich, doch auch Erwachsene kommen voll auf ihre Kosten. Zwischen humorvollen Dialogen, liebevollen Anspielungen und der starken Botschaft entwickelt sich ein Theatererlebnis, das Generationen verbindet. Genau das macht gutes Familientheater aus: Niemand fühlt sich ausgeschlossen – jeder nimmt etwas Eigenes mit nach Hause.
Weitere Vorstellungen
Wer die Premiere verpasst hat oder sich das Stück noch einmal ansehen möchte, hat dazu reichlich Gelegenheit. Gespielt wird auf der überdachten Zuschauertribüne der Freilichtbühne im Burggraben der Altenburg an folgenden Terminen:
- 05. Juli: 11:00 und 15:00 Uhr
- 12. Juli: 11:00 und 15:00 Uhr
- 19. Juli: 11:00 und 15:00 Uhr
- 26. Juli: 11:00 und 15:00 Uhr
- 13. August: 17:00 Uhr
- 16. August: 11:00 und 15:00 Uhr
- 20. August: 17:00 Uhr
- 23. August: 11:00 und 15:00 Uhr
- 27. August: 17:00 Uhr
- 30. August: 11:00 und 15:00 Uhr
- 03. September: 17:00 Uhr
- 06. September: 11:00 und 15:00 Uhr
Tickets gibt es unter www.kindertheater-bamberg.de.
Ein Abend voller Magie, der lange nachwirkt
Selten gelingt es einem Familienstück so mühelos, Witz, Spannung, Musik und eine starke Botschaft miteinander zu verbinden. ‚Merlin, Artus und das Schwert im Stein‘ ist fantasievoll, liebevoll inszeniert und voller kleiner Überraschungen. Das Ensemble überzeugt mit enormer Spielfreude, beeindruckender Wandlungsfähigkeit und spürbarer Leidenschaft. Vor allem aber zeigt das Stück, dass Hoffnung ansteckend sein kann. Und manchmal reicht genau das, um selbst die größte Hoffnungslosigkeit zu vertreiben.
Eine uneingeschränkte Empfehlung – nicht nur für Kinder, sondern für alle, die sich gerne verzaubern lassen.















