Kurven, wenig Verkehr und reizvolle Landschaften: Landstraßen vermitteln oft ein Gefühl von Freiheit. Gleichzeitig gehören sie zu den gefährlichsten Straßen im Verkehrsnetz.
Die Verkehrsunfallstatistik 2025 der oberfränkischen Polizei zeigt das deutlich. Von insgesamt 37 Verkehrstoten in Oberfranken kamen 25 auf Landstraßen ums Leben. Bayernweit starben 313 von 507 Menschen bei Verkehrsunfällen auf Landstraßen. Die Polizei Oberfranken richtet deshalb im Jahr 2026 den Blick auf typische Unfallursachen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Alkohol, Drogen und Medikamenten am Steuer.
Mehr als 500 Unfälle unter Einfluss berauschender Mittel
Wie groß die Gefahr ist, zeigen die Zahlen aus dem vergangenen Jahr. 2025 ereigneten sich in Oberfranken mehr als 500 Verkehrsunfälle, bei denen Fahrerinnen oder Fahrer unter dem Einfluss von Alkohol, Drogen oder Medikamenten standen. Bei diesen Unfällen kamen drei Menschen ums Leben. Weitere 281 Personen wurden verletzt. Die Polizei betont deshalb, wie wichtig es ist, die eigene Fahrtüchtigkeit realistisch einzuschätzen. Wer berauscht oder durch Medikamente beeinträchtigt fährt, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch alle anderen Verkehrsteilnehmer.
Nicht nur Alkohol wird kontrolliert
Verkehrskontrollen beschränken sich längst nicht mehr auf den klassischen Atemalkoholtest. Gerade seit der Teillegalisierung von Cannabis überprüfen die Einsatzkräfte auch den Einfluss anderer berauschender Substanzen. Im Jahr 2025 stellte die Polizei Oberfranken 722 Führerscheine sicher. Hintergrund waren unter anderem Straftaten im Zusammenhang mit Alkohol-, Drogen- oder Medikamenteneinfluss im Straßenverkehr. Hinter jeder Sicherstellung steht eine konkrete Situation, in der die Verkehrssicherheit erheblich gefährdet war.
Schon geringe Mengen können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen
Alkohol kann bereits in geringen Mengen Konzentration, Wahrnehmung und Reaktionsvermögen beeinträchtigen. Auch Medikamente, Cannabis und andere Drogen können die Fähigkeit zum sicheren Fahren deutlich verändern. Besonders riskant ist der Mischkonsum. Werden Alkohol, Medikamente oder Drogen miteinander kombiniert, können sich die jeweiligen Wirkungen verstärken. Die Folgen werden von Betroffenen häufig unterschätzt. Auf einer Landstraße kann jedoch bereits ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit schwerwiegende Konsequenzen haben.
Auch 2026 gab es bereits tödliche Unfälle
Die Gefahr ist nicht auf die Unfallzahlen des vergangenen Jahres beschränkt. Auch 2026 ereigneten sich in Oberfranken bereits zahlreiche Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss. Bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wurden 174 Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss registriert. Zwei Menschen kamen bei Verkehrsunfällen auf oberfränkischen Landstraßen ums Leben. Nach bisherigen Erkenntnissen standen beide Fälle im Zusammenhang mit Alkohol.
Tödlicher Unfall bei Bamberg
Ende Mai kam eine 52-jährige Radfahrerin bei Bamberg vom Radweg ab. Sie stürzte einen Abhang hinunter und fiel in einen Bach. Für die Frau kam jede Hilfe zu spät. Nach den bisherigen Ermittlungen hatte sie zum Unfallzeitpunkt 1,6 Promille Alkohol im Blut. Der Fall zeigt, dass Alkohol nicht nur für Autofahrer ein erhebliches Risiko darstellt. Auch Radfahrer können durch eingeschränktes Reaktionsvermögen und eine beeinträchtigte Wahrnehmung gefährliche Situationen nicht mehr rechtzeitig erkennen.
Schwerer Unfall bei Marktrodach
Ein weiterer tödlicher Unfall ereignete sich im April bei Marktrodach im Landkreis Kronach. Ein 27-jähriger BMW-Fahrer war mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs. In einer Kurve verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug. Der BMW kam von der Fahrbahn ab und prallte gegen die Wand eines Wohnhauses. Der Fahrer hatte nach bisherigen Erkenntnissen mehr als 1,2 Promille Alkohol im Blut. Er starb bei dem Unfall. Seine 20 und 24 Jahre alten Mitfahrer erlitten schwere Verletzungen.
Auf Landstraßen können Sekunden entscheidend sein
Die Polizei Oberfranken will mit ihrer Kampagne für die Gefahren auf Landstraßen sensibilisieren. Gerade dort können hohe Geschwindigkeiten, Kurven und fehlende Ausweichmöglichkeiten die Folgen eines Fehlers verschärfen. Wer Alkohol, Drogen oder Medikamente konsumiert hat, sollte deshalb nicht selbst fahren. Auch vermeintlich geringe Mengen können die Fahrtüchtigkeit beeinflussen. Der Appell der Polizei lautet entsprechend: Klarer Kopf – volle Verantwortung. Denn gerade auf der Landstraße können wenige Sekunden über Leben und Tod entscheiden.











