Der Garten der ehemaligen Propstei St. Getreu ist nach umfassender Sanierung und Neugestaltung offiziell wiedereröffnet worden.
Auf einer Fläche von rund 4.320 Quadratmetern wurden historische Gartenstrukturen und Mauern bewahrt und gleichzeitig neue Aufenthaltsbereiche geschaffen. Die Anlage wurde zudem klimaangepasst und barrierearm weiterentwickelt. Damit soll der lange Zeit kaum zugängliche historische Garten künftig stärker für die Stadtgesellschaft erlebbar werden. „Wir sichern hier ein Stück Bamberger Geschichte und öffnen es gleichzeitig für die Menschen“, erklärt Oberbürgermeister Sebastian M. Niedermaier. Aus dem historischen Garten sei ein neuer Treffpunkt für die Menschen in der Stadt geworden.
Historische Mauern bleiben erhalten
Besonders prägend für den Garten sind die historischen Gartenmauern. Rund 140 laufende Meter wurden denkmalgerecht saniert und statisch ertüchtigt. Die Mauern erreichen eine Höhe von bis zu 6,40 Metern. Auch die historische Grotte und der Gartenpavillon ‚Schweizerhäuschen‘ wurden gesichert und saniert. Darüber hinaus restaurierten Fachleute zwei Bildstöcke sowie eine ‚Madonna mit Kind‘. Im unteren Garten entstanden eine neue Treppenanlage, Wege und zusätzliche Aufenthaltsbereiche. Die Grotte ist wieder zugänglich und kann damit ebenfalls neu erlebt werden.
Belvedere soll Blick über Bamberg ermöglichen
Die Arbeiten an der Gartenanlage sind mit der Eröffnung noch nicht vollständig abgeschlossen. Bis Ende des Jahres soll ein sogenannter Landschaftsbalkon – das Belvedere – hinzukommen. Von dort aus soll künftig ein besonderer Blick über die Bamberger Nordstadt möglich sein. Damit erhält der historische Garten einen weiteren Aufenthaltsbereich mit einer neuen Perspektive auf die Stadt.
Denkmalschutz und Klimaanpassung zusammenbringen
Bei der Sanierung ging es nicht nur um den Erhalt historischer Strukturen. Gleichzeitig sollte die Anlage für die klimatischen Herausforderungen der Zukunft fit gemacht werden. Große Flächen wurden dafür entsiegelt. Die neuen Wege sind wasserdurchlässig und versickerungsoffen. Dadurch kann Regenwasser besser im Boden aufgenommen werden. Auch die Bepflanzung wurde entsprechend angepasst. Klimaresiliente Pflanzen, Obstgehölze und Blühbereiche sollen für mehr Biodiversität sorgen und gleichzeitig Schatten und Kühlung schaffen.

Quellwasser bekommt wieder eine sichtbare Rolle
Eine besondere Bedeutung hat das historische Quellwasser, das den Ort bereits seit Jahrhunderten prägt. Im neugestalteten Garten wird es künftig wieder sichtbar und erlebbar. Ein neuer Brunnen soll dem Wasser eine zentrale Rolle geben und gleichzeitig einen weiteren Aufenthaltsort im Garten schaffen. Für Oberbürgermeister Niedermaier zeigt das Projekt, wie Denkmalschutz und Klimaanpassung miteinander verbunden werden können. Gerade in einer historischen Stadt wie Bamberg müsse es darum gehen, die Bau- und Gartengeschichte zu bewahren und gleichzeitig auf die Folgen des Klimawandels zu reagieren.
„Aus einem gärtnerischen Aschenputtel wurde eine Oase“
Auch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege würdigte die Sanierung. Dr. Martin Brandl, Referatsleiter beim Landesamt, bezeichnete die Wiedereröffnung als ermutigendes Zeichen. Die fachlich gelungene Instandsetzung zeige, wie aus einem lange vernachlässigten Garten eine ansprechende Oase entstehen könne. Dabei seien die über Jahrzehnte und Jahrhunderte gewachsenen Strukturen respektiert und zum Ausgangspunkt der Planung gemacht worden. Nach Einschätzung Brandls konnten im Zuge der Arbeiten zudem frühere Fehlentwicklungen behutsam korrigiert werden.
Eine Geschichte, die weit zurückreicht
Die Geschichte des Gartens reicht weit in die Vergangenheit zurück. Bereits 1137 wird das Umfeld von St. Getreu als von Obstgärten geprägt beschrieben. Im 18. Jahrhundert wurde die Propstei schließlich im Stil des Barock gestaltet. Der Garten entwickelte sich zu einem Teil des historischen Ensembles, war für die Öffentlichkeit allerdings lange Zeit kaum zugänglich. Mit der Sanierung ändert sich das nun. Der Garten soll künftig nicht nur als Rückzugs- und Aufenthaltsort dienen, sondern auch für Veranstaltungen genutzt werden.
St. Getreu wird zum Konzertgarten
Eine wichtige neue Rolle übernimmt dabei die Musikschule. Sie soll den historischen Garten künftig als Konzertgarten nutzen und dort Veranstaltungen unter freiem Himmel anbieten. Wie gut Musik und Garten zusammenpassen, konnten die Gäste bereits bei der Einweihung erleben. Das Fagott-Trio der Musikschule mit Mila Brust, Charlotte Obando und Emilio Mangione sorgte mit schwungvollen Bläserklängen für einen musikalischen Vorgeschmack. Auch private Veranstaltungen sind künftig möglich. Die Fläche kann über die Musikschule für private Feierlichkeiten angemietet werden.
Sanierung war technisch anspruchsvoll
Die Arbeiten an der historischen Anlage waren mit erheblichen technischen Herausforderungen verbunden. Bereits erste Untersuchungen aus dem Jahr 2017 hatten deutliche Schäden und statische Probleme an den historischen Mauern festgestellt. Mit Beginn der Bauarbeiten im Mai 2025 kamen weitere Herausforderungen hinzu. Unter anderem wurden belastete Böden festgestellt. Außerdem fanden die Verantwortlichen unerwartete technische Anlagen im Untergrund. Zusätzliche statische Anforderungen mussten ebenfalls berücksichtigt werden. Trotz dieser Schwierigkeiten konnte das Projekt nach aktuellem Stand sogar unter dem ursprünglichen Budget bleiben.
Rund 2,53 Millionen Euro investiert
Die Gesamtkosten liegen derzeit bei rund 2,53 Millionen Euro. Damit bleibt die Maßnahme nach Angaben von Finanz- und Stiftungsreferent Bertram Felix rund sieben Prozent unter dem ursprünglichen Projektbudget von 2,73 Millionen Euro. „Das ist angesichts der anspruchsvollen Bedingungen ein sehr erfreuliches Ergebnis“, erklärt Felix. Ein wesentlicher Teil der Finanzierung kommt aus dem Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“. Das Projekt wurde daraus mit 2,025 Millionen Euro unterstützt. Auch die St.-Getreu-Stiftung, die Eigentümerin der Anlage ist, beteiligte sich an der Maßnahme.
Weitere Arbeiten rund um die Musikschule geplant
Mit der Fertigstellung der Freianlagen ist die Entwicklung des Ensembles allerdings noch nicht abgeschlossen. Für den Bereich rund um den Festsaal wird derzeit ein weiteres Förderpaket vorbereitet. Geplant sind unter anderem die Ertüchtigung der Toranlage und eine Neugestaltung des Vorplatzes der Musikschule. Außerdem soll eine Rampe entstehen, die einen barrierefreien Zugang ermöglicht. Damit soll das Ensemble Schritt für Schritt weiterentwickelt werden. Der neu eröffnete Garten bildet dabei einen wichtigen Baustein.
Ein historischer Garten mit neuer Zukunft
Mit der Sanierung erhält St. Getreu seine historische Bedeutung ein Stück weit zurück und öffnet sich gleichzeitig stärker für die Stadtgesellschaft. Historische Mauern, Grotte und Gartenpavillon wurden bewahrt, während neue Wege, Aufenthaltsbereiche und klimaangepasste Grünflächen entstanden sind. Künftig soll der Garten verschiedene Funktionen miteinander verbinden: historischer Erinnerungsort, grüner Rückzugsraum, Treffpunkt und Konzertgarten. Damit wird aus einem lange wenig zugänglichen Bereich ein öffentlicher Ort mit neuer Nutzung. Die Verbindung von Denkmalschutz und Klimaanpassung zeigt dabei, wie historische Anlagen weiterentwickelt werden können, ohne ihren Charakter zu verlieren.















