Der Bahnausbau in Bamberg nimmt weiter konkrete Formen an. In der jüngsten Vollsitzung hat der Stadtrat mehrere Beschlüsse gefasst, mit denen die Entwicklung des Bahnknotens vorangetrieben werden soll.
Im Mittelpunkt standen unter anderem der geplante S-Bahn-Halt Bamberg-Süd sowie die anstehenden Kreuzungsvereinbarungen entlang der Ausbaustrecke. Gleichzeitig formulierte die Stadt das Ziel, den Hauptbahnhof insgesamt deutlich aufzuwerten. Oberbürgermeister Sebastian M. Niedermaier betont, Bamberg wolle den Bahnausbau nicht einfach hinnehmen, sondern die damit verbundenen Chancen aktiv nutzen und gestalten.
Bahnknoten wird grundlegend ausgebaut
Der Ausbau des Bahnknotens Bamberg ist der noch ausstehende Lückenschluss der Aus- und Neubaustrecke Nürnberg–Berlin. Geplant ist eine umfassende Erneuerung des Knotens. Unter anderem soll die bestehende Strecke von zwei auf vier Gleise erweitert werden. Auch Bahnsteige und Brücken müssen angepasst werden. Hinzu kommen ein elektronisches Stellwerk sowie der neue Haltepunkt Bamberg-Süd. Die Inbetriebnahme des ausgebauten Bahnknotens wird derzeit für die Mitte der 2030er-Jahre angestrebt. Für Bamberg geht es dabei auch um die langfristige Bedeutung des Bahnhofs. „Wir haben heute wichtige Weichen gestellt, damit Bamberg seine zentrale Bedeutung in Nordbayern für die Bahn behält und ICE-Systemhalt bleibt“, erklärt Niedermaier.
Hauptbahnhof soll zur Mobilitätsdrehscheibe werden
Die Stadt möchte den Infrastrukturausbau gleichzeitig für eine städtebauliche Weiterentwicklung des Hauptbahnhofs nutzen. Deshalb soll bei der Deutschen Bahn Interesse bekundet werden, Bamberg in deren Modernisierungsinitiative ‚Zukunftsbahnhof‘ aufzunehmen. Ziel ist es, Bahnhof, Bahnsteige, Vorplätze und die verschiedenen Angebote der Anschlussmobilität zu einer leistungsfähigen und hochwertigen Mobilitätsdrehscheibe zusammenzuführen.
Dabei sollen verschiedene Aspekte berücksichtigt werden:
- Barrierefreiheit
- zeitgemäße Informationen für Reisende
- besserer Wetterschutz
- moderne Beleuchtung
- mehr Komfort
- ein regionaler Gestaltungsbezug
- eine verbesserte Anschlussmobilität
Auch die geplante Lärmschutzwand an Gleis 1 soll nach Möglichkeit nicht als isoliertes technisches Bauwerk umgesetzt werden. Stattdessen soll sie in eine architektonische Gesamtlösung für den Bahnhof integriert werden.
Bahnhof als Eingangstor zur Stadt
Für Oberbürgermeister Niedermaier ist der Hauptbahnhof mehr als ein Verkehrsbauwerk. Für viele Menschen sei er das Eingangstor nach Bamberg. Deshalb müsse der Bahnausbau über Gleise und technische Anlagen hinaus gedacht werden. Auch Baureferentin Annegret Michler sieht in der aktuellen Planungsphase eine Chance. Gestaltung, Barrierefreiheit, Mobilität und Aufenthaltsqualität sollten möglichst von Beginn an gemeinsam betrachtet werden. Der Bahnhof soll künftig einen Ort bieten, an dem Ankommen, Umsteigen und Weiterfahren möglichst unkompliziert funktionieren und der gleichzeitig zum Stadtbild Bambergs passt.
S-Bahn-Halt Bamberg-Süd wird genauer untersucht
Neben dem Hauptbahnhof beschäftigt sich die Stadt intensiv mit dem geplanten S-Bahn-Halt Bamberg-Süd. Dieser soll künftig nicht nur eine zusätzliche Haltestelle sein, sondern eine wichtige Verbindung zwischen Stadt, Landkreis, Brose-Arena und dem Schienenverkehr schaffen. Eine Machbarkeitsstudie soll deshalb verschiedene Möglichkeiten für die Anbindung untersuchen. Dabei geht es unter anderem um Treppen, Aufzüge und Rampen, die Barrierefreiheit sowie die Verbindung mit Bus, Fahrrad- und Fußverkehr. Die dafür notwendigen Städtebaufördermittel sind bereits zugesagt. „Mit dem Halt Bamberg-Süd entsteht eine zusätzliche Chance für unsere Stadt und die Region“, erklärt Niedermaier. Deshalb müsse auch die Frage betrachtet werden, wie die Menschen den neuen Bahnsteig erreichen, wie sie umsteigen und wie der Halt mit seinem Umfeld und der Arena verbunden wird.
Rund 13 Kreuzungspunkte stehen im Fokus
Parallel zum Ausbau des Bahnknotens arbeitet die Stadt die zahlreichen Kreuzungspunkte entlang der Strecke auf. Bei rund 13 Kreuzungen stehen beziehungsweise standen unterschiedliche Vereinbarungen und technische Festlegungen an. Durch das am 29. Juli 2026 in Kraft getretene Infrastruktur-Zukunftsgesetz haben sich die Regelungen zur Kostenteilung bei Maßnahmen an Eisenbahn- und Straßenüberführungen verändert. Die Stadt lässt deshalb nun extern prüfen, welche bestehenden Beschlüsse, Kosten, Fördermöglichkeiten und weiteren Verpflichtungen bei den einzelnen Kreuzungen bestehen. Erst auf Grundlage dieser Prüfung sollen die jeweiligen Vereinbarungen zur politischen Entscheidung vorgelegt werden.
Stadt will Interessen aktiv vertreten
Der Bahnausbau ist für Bamberg ein langfristiges Projekt. Entsprechend wichtig sei eine enge Abstimmung mit den beteiligten Partnern. Die Stadt will deshalb eng mit DB InfraGO, dem Freistaat Bayern und weiteren Beteiligten zusammenarbeiten. Gleichzeitig soll darauf geachtet werden, dass die geplanten Lösungen den Anforderungen der Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger gerecht werden. Für Niedermaier braucht ein Projekt dieser Größenordnung einen langen Atem und eine klare Interessenvertretung für Bamberg.
So geht es beim Bahnausbau weiter
Als nächste Schritte steht die weitere Abstimmung mit DB InfraGO und den beteiligten Stellen zur Machbarkeitsstudie für den S-Bahn-Halt Bamberg-Süd an. Parallel dazu werden die Kreuzungsvereinbarungen weiter aufbereitet und anschließend zur Unterzeichnung vorbereitet. Die verschiedenen Planungsstränge sollen möglichst frühzeitig miteinander verzahnt werden. Damit will die Stadt sicherstellen, dass der Bahnausbau nicht nur technisch funktioniert, sondern zugleich Chancen für die Mobilität, Stadtentwicklung und Aufenthaltsqualität in Bamberg eröffnet.
Bamberg will die Chancen des Bahnausbaus nutzen
Mit der Bewerbung als ‚Zukunftsbahnhof‘ möchte Bamberg die anstehenden Veränderungen aktiv mitgestalten. Hauptbahnhof, S-Bahn-Halt und die weiteren Infrastrukturmaßnahmen sollen dabei nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Ziel ist ein moderner Bahnknoten, der die Bedeutung Bambergs im regionalen und überregionalen Bahnverkehr langfristig stärkt.















