Wer künftig an der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt vorbeikommt, dürfte den neuen Schriftzug kaum übersehen: In großen Buchstaben steht dort „Demokratie“ an der Fassade.
Entstanden ist das farbenfrohe Graffiti im Rahmen eines gemeinsamen Projekts von Schülerinnen und Schülern der Graf-Stauffenberg-Schule, der Polizei und dem Graffitikünstler Norman Pfitzner alias AnpyArt.
Aus einer leeren Wand wird ein Kunstwerk
An zwei Projekttagen verwandelten die Jugendlichen eine zunächst schlichte Fassade in ein sichtbares Statement. Ausgestattet mit weißen Maleranzügen und FFP2-Masken konnten sie sich zunächst an ersten Zeichnungen und Namenszügen ausprobieren. Mit der Zeit wurden die Teilnehmenden im Umgang mit den Spraydosen immer sicherer. Nach einer Grundskizze füllten sie zunächst größere Flächen aus und widmeten sich anschließend den Details. Graffitikünstler Norman Pfitzner stand dem Kunstkurs dabei mit seinem Fachwissen zur Seite und gab Tipps für die Gestaltung. Zum Abschluss legte auch er selbst noch Hand an.

Jugendliche entwickeln das Motiv mit
Das Motiv entstand nicht einfach am Reißbrett. Die Schülerinnen und Schüler entwickelten es gemeinsam mit den Jugendkontaktbeamten der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt und dem Graffitikünstler. Im Mittelpunkt standen dabei die Themen Demokratie, Respekt und Menschenwürde. Gleichzeitig beschäftigten sich die Jugendlichen mit der Frage, wie wichtig ein gutes soziales Miteinander für eine funktionierende Gesellschaft ist. Die Botschaft wurde dabei bewusst groß gewählt. Das Wort „Demokratie“ prägt nun weithin sichtbar die Fassade der Polizeiinspektion.
Demokratie soll sichtbar sein
Zweiter Bürgermeister und Sozialreferent Jonas Glüsenkamp betont die Bedeutung des Projekts. Demokratie sei keine Selbstverständlichkeit, sondern lebe davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen, andere respektieren und sich für das gemeinsame Zusammenleben einsetzen. Dass der Begriff nun in großen Buchstaben an der Polizeiinspektion zu sehen ist, versteht er als bewusst gesetztes Zeichen: Demokratie soll sichtbar sein und jeden Tag gelebt werden. Das Graffiti soll damit nicht nur ein dekoratives Kunstwerk sein. Es steht zugleich für die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit gesellschaftlichen Werten und für den gemeinsamen Prozess, durch den das Kunstwerk überhaupt entstehen konnte.
Polizei und Jugendliche im direkten Austausch
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts war auch der persönliche Austausch zwischen den Schülerinnen und Schülern und der Polizei. Durch die gemeinsame Arbeit konnten Berührungsängste abgebaut und neue Perspektiven eröffnet werden. Die Jugendlichen erlebten dabei, dass sie selbst etwas gestalten und im öffentlichen Raum sichtbar machen können. Diese Selbstwirksamkeit war ein wesentlicher Bestandteil des Projekts. Gleichzeitig lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Streetart als legale Form der Kunst kennen. Statt unerlaubter Graffiti wurde gemeinsam ein dauerhaftes Kunstwerk geschaffen, das von der gesamten Stadtgesellschaft wahrgenommen werden kann.
Ein Zeichen, das dauerhaft bleibt
Viele Projekte dieser Art enden nach einem oder wenigen Tagen. Beim Graffiti an der Polizeiinspektion ist das anders: Das Kunstwerk bleibt dauerhaft an der Fassade erhalten. Die Lage an einer stark befahrenen Verkehrsachse sorgt dafür, dass täglich zahlreiche Menschen an dem Schriftzug vorbeikommen. Damit bleibt auch die Botschaft des Projekts langfristig im Stadtbild präsent. Für die beteiligten Jugendlichen ist das Ergebnis ebenfalls etwas Besonderes. Sie können sehen, dass ihre gemeinsame Arbeit einen festen Platz im öffentlichen Raum bekommen hat.
Gemeinsames Projekt mehrerer Partner
Organisiert und umgesetzt wurde das Projekt in Kooperation mehrerer Einrichtungen. Beteiligt waren die Graf-Stauffenberg-Schule, die Polizeiinspektion Bamberg-Stadt, das Stadtjugendamt sowie das Amt für Inklusion der Stadt Bamberg. Finanziell unterstützt wurde das Projekt durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie in der Stadt Bamberg. Damit verbindet das Graffiti gleich mehrere Ziele: Jugendliche setzen sich kreativ mit demokratischen Werten auseinander, kommen mit der Polizei ins Gespräch und gestalten gleichzeitig aktiv ihr eigenes Stadtbild mit.
Ein Schriftzug mit klarer Botschaft
Das neue Graffiti macht Demokratie im wahrsten Sinne des Wortes groß. Die Gestaltung an der Polizeiinspektion verbindet dabei Kunst, Jugendbeteiligung und gesellschaftliche Werte. Vor allem aber bleibt ein Gedanke dauerhaft sichtbar: Demokratie funktioniert nicht von selbst. Sie lebt davon, dass Menschen respektvoll miteinander umgehen, Verantwortung übernehmen und sich für ein gemeinsames Miteinander einsetzen. Mit dem neuen Kunstwerk wird diese Botschaft nun jeden Tag mitten im Bamberger Stadtbild sichtbar.















