In Bamberg wurde erneut ein Zeichen für Zivilcourage gesetzt: Marlon Tröger, 39 Jahre alt und Bundespolizist, erhielt den ‚Mohamed Hédi Addala-Preis für Zivilcourage‘ 2025.
Die Auszeichnung würdigt Menschen, die nicht wegsehen, sondern handeln – selbst dann, wenn die Situation schwierig oder gefährlich ist. In der Johanniskapelle wurde Tröger von Oberbürgermeister Andreas Starke, Zweitem Bürgermeister Jonas Glüsenkamp, dem Migrantinnen- und Migrantenbeirat sowie weiteren Vertreterinnen und Vertretern der Stadt geehrt.
Eine Nacht, die alles veränderte
Der 21. Januar 2025 wird Marlon Tröger vermutlich immer in Erinnerung bleiben. Als er spät abends nach Hause kam, hörte er den Alarm eines Rauchmelders aus dem Nachbarhaus. Ohne zu zögern setzte er den Notruf ab und eilte zum Mehrparteienhaus. Niemand öffnete die Wohnungstür, aus der Rauch drang. Tröger entschied sich, die Tür einzutreten. In der verqualmten Wohnung fand er die Bewohnerin schlafend vor, weckte sie und brachte sie in Sicherheit. Doch er beließ es nicht dabei: Er kehrte noch einmal zurück in die Wohnung, fand die Ursache – ein Topf mit angebranntem Essen – und stellte den Herd ab. Anschließend öffnete er das Fenster, um den Rauch abziehen zu lassen. Sein schnelles, entschlossenes Handeln verhinderte Schlimmeres.
Dank und Respekt aus der Stadtgesellschaft
„Ich danke Ihnen herzlich im Namen des gesamten Stadtrates, des Migrantinnen- und Migrantenbeirats sowie der gesamten Stadtgesellschaft, aber auch ganz persönlich, für Ihr mutiges Handeln und Einschreiten“, sagte Oberbürgermeister Andreas Starke während der Verleihung. Es sei ein Beispiel dafür, wie wichtig Zivilcourage für ein gutes Miteinander ist. Auch Stadtbrandmeister Daniel Ochs hob hervor, wie riskant verrauchte Räume sein können. Trotzdem würdigte er Trögers kluge Einschätzung und Entschlossenheit, die letztlich das Leben der Nachbarin rettete. „Im Namen der Bamberger Feuerwehr darf ich sagen: Wir sind stolz auf Sie.“, betonte Ochs und unterstrich, wie sehr solche Taten die Menschlichkeit einer Gesellschaft stärken.
Zivilcourage als Haltung – besonders in bewegten Zeiten
Für den Migrantinnen- und Migrantenbeirat steht die Auszeichnung stellvertretend für ein gesellschaftliches Ideal: Mut zeigen, Verantwortung übernehmen, füreinander einstehen. Die Co-Vorsitzenden Mitra Sharifi Neystanak und Dr. Marco Depietri erinnerten in ihrer Ansprache daran, wie relevant Zivilcourage in einer Zeit sei, in der gesellschaftliche Spannungen zunehmen. „In diesem vorbildlichen Handeln zeigt sich der Sinn des Zivilcourage-Preises: Um Verantwortung zu übernehmen, braucht es Mut. Das ist in diesen schwierigen Zeiten mit einer zunehmend polarisierten Gesellschaft umso wichtiger“, erklärten sie. Menschen wie Marlon Tröger seien Vorbilder und zeigten, wie wichtig es sei, nicht wegzusehen, sondern zu helfen.
Eine feierliche Verleihung mit musikalischem Rahmen
Die Verleihung selbst wurde zu einem würdigen Moment: In der historischen Johanniskapelle am Stephansberg, festlich und zugleich persönlich, sorgte die Band USB-10 für die musikalische Begleitung. So entstand ein Rahmen, der die Bedeutung der Ehrung unterstrich und allen Gästen die emotionale Tragweite des Ereignisses bewusst machte.
Der Preis und seine Geschichte
Der ‚Mohamed Hédi Addala-Preis für Zivilcourage‘ wird alle zwei Jahre von der Stadt Bamberg und dem Migrantinnen- und Migrantenbeirat verliehen. Seit 2021 trägt er den Namen des langjährigen Beiratsvorsitzenden Mohamed Hédi Addala, der sich über Jahrzehnte für Integration, Dialog und ein friedliches Miteinander eingesetzt hatte. Der mit 300 Euro dotierte Preis wird an Menschen vergeben, die sich besonders gegen Gewalt, Rassismus, Diskriminierung und Willkür engagieren oder durch mutiges Handeln in Konfliktsituationen ein Zeichen für Menschlichkeit und Zivilcourage setzen.
Eine Tradition gelebter Courage
Der Preis blickt bereits auf eine beeindruckende Historie zurück. Unter den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern finden sich:
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der Verein ‚FANS respect FANS e.V.‘,
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Busfahrer Uwe Karl Smola,
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Pfarrerin Mirjam Elsel,
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Bürger Patrick Nitzsche,
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und die iranische Initiativgruppe ‚Frauen-Leben-Freiheit‘.
Sie alle stehen – wie in diesem Jahr auch Marlon Tröger – für eine Gesellschaft, die sich aktiv gegen Ungerechtigkeit stellt und mutige Entscheidungen honoriert.
Was Trögers Tat über die Bedeutung von Zivilcourage zeigt
Trögers Handeln zeigt: Zivilcourage ist kein abstrakter Begriff, sondern entsteht im Moment – manchmal ohne Vorwarnung. Es ist die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, schnell zu handeln und dennoch bewusst abzuwägen. Solche Menschen machen den Unterschied in Situationen, in denen es auf Sekunden ankommt. Und sie erinnern uns daran, dass Engagement oft im Kleinen beginnt und eine große Wirkung entfalten kann.
Mut verbindet – eine Auszeichnung mit Signalwirkung
Mit der Verleihung des Preises setzt Bamberg ein starkes Zeichen für ein respektvolles und solidarisches Zusammenleben. Menschen wie Marlon Tröger zeigen, dass Mut nicht laut sein muss – aber lebenswichtig sein kann. Seine Geschichte ermutigt dazu, nicht wegzusehen, sondern miteinander Verantwortung zu übernehmen.
















