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News Bamberg

Erzbischof Gössl: Weihnachten ist keine weltfremde Idylle

Predigt im Bamberger Dom verbindet Friedensbotschaft mit Blick auf die Realität

Leah Von Leah
27.Dezember.2025 | 12:26 Uhr
in Bamberg, Kultur
Das Christkind liegt in der Krippe im Dom. Quelle: Matthias Hoch

Das Christkind liegt in der Krippe im Dom. Quelle: Matthias Hoch

Mit eindringlichen Worten hat der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl in seiner Predigt am Heiligabend im Dom zu Bamberg die Bedeutung von Weihnachten neu eingeordnet.

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Die Geburt Christi sei kein romantischer Rückzugsort aus den Problemen der Welt, sondern ein kraftvolles Zeichen dafür, dass Gott der Menschheit trotz Krieg, Gewalt und Spaltung nicht den Rücken kehre.

Gottes Ja zur Welt – trotz aller Widersprüche

Weihnachten, so Gössl, sei Ausdruck eines klaren göttlichen Bekenntnisses zur Welt. „Gott hat diese Menschheit nicht aufgegeben“, betonte der Erzbischof – auch nicht angesichts von Unvernunft, Gewalt und den vielen Widersprüchen menschlichen Handelns. Gerade die Geburt Jesu zeige, dass Gott mitten in eine unvollkommene, oft von Konflikten geprägte Welt hineinkomme und sich ihr zuwende. Diese Botschaft sei aktueller denn je. Sie widerspreche der Haltung, angesichts globaler Krisen und gesellschaftlicher Spannungen zu resignieren oder sich in Zynismus zu flüchten. Weihnachten sei kein Zeichen blinder Hoffnung, sondern ein realistischer Blick auf die Welt – verbunden mit einer tieferen Hoffnung, die über das Sichtbare hinausreiche.

Warum Gewalt so oft den Ton angibt

In seiner Predigt stellte Gössl eine grundsätzliche Frage: Warum fällt es der Menschheit so schwer, Meinungsverschiedenheiten friedlich zu lösen? Seiner Einschätzung nach schlummere im Menschen eine Neigung zur Eskalation, die besonders dann erwache, wenn man sich bedroht, missverstanden oder ungerecht behandelt fühle. Diese Dynamiken zeigten sich nicht nur in bewaffneten Konflikten oder politischen Auseinandersetzungen. Auch im Alltag und vor allem in den sozialen Netzwerken seien ähnliche Muster zu beobachten. Empörung, Feindbilder und gegenseitige Schuldzuweisungen prägten dort viele Debatten – oft begleitet von einer Sprache, die verletze und Fronten verhärte.

Die Bibel verschweigt Leid und Trümmer nicht

Der Erzbischof machte deutlich, dass die christliche Friedensbotschaft nicht aus einer idealisierten Welt heraus entstanden sei. Bereits der Prophet Jesaja spreche von einer tiefen Sehnsucht nach Frieden, verschweige jedoch nicht die Zerstörung und das Leid, das der Stadt Jerusalem vorausging. Auch das Evangelium, so Gössl, rede „sehr klar von der Finsternis in dieser Welt“. Weihnachten sei deshalb keine sentimentale Idylle, sondern die Zusage, dass selbst in Dunkelheit ein Licht leuchte. Dieses Licht spende Orientierung, eröffne neue Perspektiven und mache Hoffnung möglich – gerade dort, wo sie auf den ersten Blick kaum noch greifbar sei.

Hoffnung und Auftrag zugleich

Die Weihnachtsbotschaft verstand Gössl nicht nur als Trost, sondern auch als klaren Auftrag. Sie zeige, wie die Welt nach Gottes Willen sein könne, und ermutige dazu, Gewalt aktiv zu deeskalieren. Frieden beginne nicht erst in der großen Politik, sondern im alltäglichen Umgang miteinander. Weil Gott die Menschheit trotz Krieg, Hass und Konflikten nicht aufgebe, dürften auch Menschen einander nicht aufgeben. Das gelte für Kriegs- und Krisengebiete ebenso wie für digitale Auseinandersetzungen oder Konflikte im privaten Umfeld. Weihnachten erinnere daran, dass Versöhnung möglich sei – auch wenn sie oft mühsam und unspektakulär erscheine.

Ein schwaches Licht mit großer Wirkung

Friedensarbeit wirke in einer von Konflikten geprägten Welt manchmal wie ein schwaches Licht, räumte der Erzbischof ein. Doch gerade dieses Licht habe Bestand. Es sei nicht laut, nicht auf schnelle Erfolge ausgerichtet, aber nachhaltig. Kleine Schritte der Verständigung, der Geduld und des Zuhörens könnten langfristig mehr bewirken als Eskalation und Abschottung. Die Geburt Christi sei deshalb mehr als ein historisches Ereignis. Sie stehe für Gottes uneingeschränktes ‚Ja‘ zur Welt – und zugleich für die Ermutigung an jeden Einzelnen, dieses Ja im eigenen Handeln weiterzugeben. „Es ermutigt uns, auch selbst zu den Mitmenschen Ja zu sagen“, so Gössl abschließend. Mit seiner Predigt setzte der Erzbischof ein deutliches Zeichen: Weihnachten fordert heraus, die Realität nicht zu verdrängen – und dennoch an der Hoffnung festzuhalten, dass Frieden möglich ist, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Quelle: Erzbistum Bamberg
Leah


Leah

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