Was als vermeintliche Tierschutzaktion begann, entwickelte sich zu einem kleinen Familiendrama mit glücklichem Ausgang.
In einem Waldgebiet bei Priegendorf entdeckten zwei Frauen drei junge Kätzchen und hielten sie für ausgesetzte Hauskatzen. Tatsächlich handelte es sich jedoch um den Nachwuchs einer Wildkatze. Die Hunde der Frauen hatten die Jungtiere aufgespürt. In der Annahme, den Tieren helfen zu müssen, nahmen die Finderinnen die Kätzchen mit. Dass Wildkatzen mittlerweile wieder mehrere Waldgebiete in der Region besiedeln, war ihnen nicht bewusst.
Wildkatzen landen im Tierheim
Über verschiedene Stationen gelangten die Jungtiere schließlich ins Tierheim Bamberg. Für Wildkatzen bedeutet eine solche Umgebung jedoch erheblichen Stress. Menschen, Hundegebell, fremde Gerüche und die ungewohnte Umgebung können die Tiere stark belasten. Zudem besteht die Gefahr, dass die Wildkatzen mit Krankheitserregern in Kontakt kommen, denen sie in ihrem natürlichen Lebensraum nicht begegnen würden. Glücklicherweise wurden die Tiere vorsorglich in der Quarantänestation untergebracht.
Experten erkennen die wahre Identität der Tiere
Nachdem die untere Naturschutzbehörde über die Kätzchen informiert worden war, begann die Suche nach einer geeigneten Lösung. Die Fundumstände wurden geprüft, die Finder kontaktiert und Fachleute des BUND Naturschutz hinzugezogen. Schon bald stand fest, dass es sich tatsächlich um junge Wildkatzen handelte. Damit rückte eine Rückführung in die Natur in den Fokus. Bevor die Tiere in eine Wildtierauffangstation gebracht werden sollten, entschieden sich die Experten für einen letzten Versuch, die Kätzchen wieder mit ihrer Mutter zusammenzuführen.
Wettlauf gegen die Zeit
Die Ausgangslage war schwierig. Durch das verlängerte Wochenende vergingen mehrere Tage, bis alle Informationen zusammengetragen und die Rückführung organisiert werden konnten. Die Fachleute stellten sich die entscheidende Frage: Würde die Wildkatzenmutter ihre Jungen nach sechs Tagen Abwesenheit und trotz fremder Gerüche überhaupt noch annehmen? Die Chancen wurden eher skeptisch eingeschätzt. Dennoch erschien ein Rückführungsversuch als die beste Möglichkeit für die Tiere.
Kameras dokumentieren die Rückkehr
Am Dienstagabend wurden die drei Jungtiere zurück in das Waldgebiet gebracht. In einer getarnten Transportbox mit Laubstreu aus der Umgebung des Fundortes wurden sie nur wenige Meter von dem Baumstumpf entfernt platziert, in dem sie ursprünglich entdeckt worden waren. Wildkameras überwachten die Box und übertrugen die Bilder direkt an die Helfer. Bereits kurz nach der Rückkehr in den Wald zeigte sich, dass sich die Kätzchen in ihrer natürlichen Umgebung deutlich wohler fühlten.
Die Mutter kehrt zurück
Stundenlang warteten die Beteiligten auf ein Zeichen. Erst kurz vor drei Uhr morgens erschien schließlich eine adulte Wildkatze auf den Kamerabildern. Das Tier näherte sich der Transportbox, zeigte großes Interesse an den Jungtieren und ließ sich offenbar nicht von den fremden Gerüchen abschrecken. Um 3.20 Uhr öffneten die Helfer die Box. Als sie am nächsten Morgen erneut nach den Tieren sahen, war die Transportbox leer. Die Kätzchen waren verschwunden.
Glückliches Ende für die Wildkatzenfamilie
Für die Experten war schnell klar, was passiert war: Die Wildkatzenmutter hatte ihre Jungen abgeholt und zurück in die Natur gebracht. „Wir sind uns sicher, dass es sich bei dem adulten Tier um die Mutter der drei Kätzchen handelt und die Kleinen nun in der Natur aufwachsen können“, erklärte Bernhard Struck von der unteren Naturschutzbehörde. Auch für die Finderin war die Erleichterung groß. Schließlich hatte sie die Trennung von Mutter und Nachwuchs unbeabsichtigt ausgelöst.
Naturschützer appellieren an Waldbesucher
Der Vorfall zeigt, wie wichtig ein vorsichtiger Umgang mit Wildtieren ist. Besonders junge Wildkatzen werden häufig mit Hauskatzen verwechselt. Wer graugetigerte Kätzchen im Wald entdeckt, sollte diese deshalb nicht vorschnell mitnehmen. Stattdessen empfehlen die Naturschutzbehörden, zunächst Kontakt mit Experten oder dem BUND Naturschutz aufzunehmen. Außerdem sollten Hunde im Wald möglichst nicht frei stöbern, um Wildtiere und deren Nachwuchs nicht zu stören. Dank des besonnenen Handelns aller Beteiligten konnte dieses tierische Familiendrama schließlich doch noch ein glückliches Ende nehmen.














