Im Rahmen eines europäischen Forschungsprojekts wird die Stadt 2026 zum Schauplatz eines sogenannten ‚Urban Living Labs‘. Ziel ist es, innovative Lösungen zu entwickeln, wie UNESCO-Welterbestätten besser auf die Herausforderungen des Klimawandels reagieren können.
Welterbe unter Druck: Klimawandel als Herausforderung
Historische Städte stehen zunehmend vor komplexen Problemen. Extreme Wetterereignisse, steigende Temperaturen und veränderte Umweltbedingungen gefährden nicht nur die Bausubstanz, sondern auch den außergewöhnlichen universellen Wert von Welterbestätten. Die zentrale Frage lautet daher: Wie kann Klimaschutz mit dem Erhalt historischer Identität in Einklang gebracht werden? Genau hier setzt das Projekt an, das vom Zentrum Welterbe Bamberg koordiniert wird.
‚Urban Living Labs‘ als innovativer Ansatz
Ein zentrales Instrument des Projekts sind die sogenannten ‚Urban Living Labs‘. Dabei handelt es sich um praxisorientierte Experimentierräume, in denen gemeinsam mit verschiedenen Akteuren Lösungen entwickelt und getestet werden.
Beteiligt sind unter anderem:
- Kommunen
- Fachbehörden
- Wissenschaftliche Einrichtungen
- Vertreter der Zivilgesellschaft
Insgesamt finden diese Labs in vier europäischen Städten statt – Bamberg ist eine davon.
Vier Themenfelder im Fokus
Das Forschungsprojekt deckt vier zentrale Bereiche ab, die für den Umgang mit dem Klimawandel entscheidend sind:
| Themenfeld | Inhalt |
|---|---|
| Klimarisikobewertung | Analyse lokaler Gefahren und Risiken |
| Klimaanpassung | Entwicklung konkreter Schutzmaßnahmen |
| Klimaschutz | Reduktion von Emissionen im historischen Kontext |
| Beteiligung & Kapazitätsaufbau | Einbindung der Bevölkerung und Stärkung von Kompetenzen |
Durch diesen ganzheitlichen Ansatz sollen nachhaltige und umsetzbare Strategien entstehen.
EU-Projekt GO2CHANGE stärkt Zusammenarbeit
Möglich wird das Vorhaben durch das europäische Projekt GO2CHANGE, das im Rahmen des EU-Förderprogramms COST umgesetzt wird. Ziel ist es, die Vernetzung zwischen Wissenschaft und Praxis zu fördern und den internationalen Austausch zu intensivieren. Partnerinstitutionen aus mehreren europäischen Ländern – darunter Norwegen, Großbritannien, Italien, Spanien, Polen und Deutschland – arbeiten eng zusammen. Diese breite Kooperation ermöglicht den Vergleich unterschiedlicher Ansätze und den Transfer bewährter Lösungen.
Bamberg als Vorreiter im Jahr 2026
Im Jahr 2026 übernimmt Bamberg eine besondere Rolle: Die Stadt richtet das erste ‚Urban Living Lab‘ aus. Unter Federführung des Zentrums Welterbe Bamberg werden dabei konkrete Maßnahmen für die Altstadt entwickelt. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in den Managementplan für das UNESCO-Welterbe ‚Altstadt von Bamberg‘ ein. Dabei geht es unter anderem um:
- Analyse lokaler Klimarisiken
- Entwicklung von Anpassungsstrategien
- Integration von Klimaschutzmaßnahmen
- Stärkung der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren
Veranstaltungen bringen Experten zusammen
Im Rahmen des Projekts sind in Bamberg mehrere Veranstaltungen geplant, die Fachleute aus ganz Europa zusammenbringen:
- Training School: 20.–26. April 2026
- Fachworkshop: 30. Juni – 1. Juli 2026
- Abschlussveranstaltung: 16. Oktober 2026
Diese Termine bieten Raum für Austausch, Weiterbildung und die Präsentation von Projektergebnissen.
Welterbe-Management im Wandel
Das Projekt greift aktuelle Entwicklungen im internationalen Welterbe-Management auf. Die UNESCO-Welterbekomitee betont zunehmend die Bedeutung von Resilienz, Klimaschutz und Katastrophenrisikomanagement. Diese Aspekte sind auch im Aktionsplan für das Welterbe in Europa (2024–2031) fest verankert. Bamberg orientiert sich mit seiner Teilnahme am Projekt aktiv an diesen Leitlinien und positioniert sich als zukunftsorientierte Welterbestadt.
Gemeinsam für eine nachhaltige Zukunft
Ein besonderer Fokus liegt auf der Einbindung lokaler Akteure. Stadtplanung, Umweltmanagement und Katastrophenschutz arbeiten eng zusammen, um tragfähige Lösungen zu entwickeln. Die Beteiligung der Gemeinschaft spielt dabei eine entscheidende Rolle. Denn nachhaltiger Klimaschutz kann nur gelingen, wenn er von vielen getragen wird.
Ein Modell für andere Städte
Das ‚Urban Living Lab‘ in Bamberg könnte Vorbildcharakter für viele andere Welterbestätten haben. Die Kombination aus Forschung, Praxis und internationalem Austausch bietet die Chance, neue Standards im Umgang mit dem Klimawandel zu setzen. Mit diesem Ansatz zeigt Bamberg, wie sich Tradition und Innovation sinnvoll verbinden lassen – und wie historische Städte aktiv zur Bewältigung globaler Herausforderungen beitragen können.
Wenn Geschichte und Zukunft zusammenfinden
Das Projekt macht deutlich: Der Schutz des kulturellen Erbes und der Kampf gegen den Klimawandel sind keine Gegensätze. Vielmehr können sie sich gegenseitig stärken. Bamberg nutzt diese Chance und entwickelt sich zu einem Ort, an dem Vergangenheit und Zukunft gemeinsam gedacht werden – ein Ansatz, der weit über die Stadtgrenzen hinaus Wirkung entfalten könnte.
















