Bamberg soll sein charakteristisches Stadtbild bewahren und zugleich behutsam weiterentwickeln.
Dafür hat der Bau- und Werksenat des Bamberger Stadtrats den Startschuss für die ‚Gestaltungsoffensive Bamberg‘ gegeben. Im Mittelpunkt steht die Erarbeitung eines Gestaltungshandbuchs für den öffentlichen Raum. Es soll künftig klare Qualitätsmaßstäbe und Orientierung für Straßen, Plätze und weitere öffentliche Bereiche liefern. Das Angebot richtet sich nicht nur an die Stadtverwaltung. Auch Gewerbetreibende, Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Planerinnen und Planer sollen davon profitieren. Oberbürgermeister Sebastian M. Niedermaier betont, dass Bamberg mit seinem historischen Stadtbild über ein besonderes Erbe verfügt. Gleichzeitig müsse dieses Erbe Raum für eine zeitgemäße Entwicklung lassen.
Mehr Qualität statt neuer Bürokratie
Mit der Gestaltungsoffensive sollen unterschiedliche Anforderungen künftig stärker zusammengeführt werden. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, möglichst viele neue Vorschriften zu schaffen. Vielmehr sollen bereits bestehende Regelungen überprüft, aktualisiert und sinnvoll miteinander verbunden werden. Der Grundsatz lautet dabei: „So viel Regelung wie erforderlich – so viel Gestaltungsspielraum wie möglich.“ Das geplante Gestaltungshandbuch soll deshalb vor allem Orientierung bieten. Anschauliche Positiv- und Negativbeispiele sollen zeigen, welche Lösungen für Bamberg geeignet sind. Dabei soll klar erkennbar sein, welche Vorgaben rechtlich verbindlich sind und welche lediglich als gestalterische Empfehlungen dienen. Dadurch sollen Anforderungen verständlicher und Genehmigungsprozesse transparenter werden.
Welterbe trifft auf neue Anforderungen
Bamberg ist seit 1993 UNESCO-Welterbe und zählt zu den bedeutenden historischen Stadtlandschaften Deutschlands. Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen an den öffentlichen Raum. Handel und Gastronomie benötigen attraktive Rahmenbedingungen. Bürgerinnen und Bürger wünschen sich Orte zum Verweilen und für Begegnungen. Neue Mobilitätsformen brauchen zusätzlichen Raum. Auch die Folgen des Klimawandels spielen eine zunehmend wichtige Rolle. Mehr Begrünung, Verschattung und Entsiegelung sowie ein angepasstes Wassermanagement sollen künftig stärker berücksichtigt werden. Hinzu kommen die Themen Barrierefreiheit und sichere Mobilität. Das Gestaltungshandbuch soll helfen, diese verschiedenen Interessen zusammenzudenken.
Diese Bereiche sollen betrachtet werden
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Qualität des öffentlichen Raums in Bamberg langfristig gesichert und weiterentwickelt werden kann.
Vorgesehen sind unter anderem folgende Gestaltungsprinzipien:
- behutsamer Erhalt und Weiterentwicklung des Welterbes
- hohe Aufenthaltsqualität
- möglichst einheitliche Gestaltung des öffentlichen Raumes
- mehr Begrünung und Verschattung
- Entsiegelung
- passende Lösungen für Mobilität und Barrierefreiheit
- Gestaltung von Stadtmobiliar und Beleuchtung
- Beschilderung und technische Infrastruktur
Dabei soll das Handbuch konkrete Orientierung geben, ohne die Entwicklung der Stadt unnötig einzuschränken.
Auch die Stadt selbst steht in der Verantwortung
Die Gestaltungsoffensive richtet sich nicht ausschließlich an private Eigentümer oder Unternehmen. Auch die Stadtverwaltung will ihre eigenen Projekte stärker an gemeinsamen Gestaltungsprinzipien ausrichten. Baureferentin Annegret Michler sieht darin einen wichtigen Bestandteil des Projekts. Wenn von privaten Eigentümern und Gewerbetreibenden ein gutes Gespür für das Bamberger Stadtbild erwartet werde, müsse die Stadt selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Das betrifft unter anderem Straßen, Plätze, Stadtmobiliar, Beleuchtung und Beschilderung. Die Qualität kommunaler Maßnahmen soll damit ebenfalls stärker in den Blick genommen werden.
Beispiel Michelsberg zeigt Handlungsbedarf
Als Beispiel nennt die Baureferentin die Diskussion um die Kastanien am Michelsberg. Sie habe gezeigt, wie wichtig es sei, gestalterische Fragen frühzeitig zu klären und nachvollziehbar zu machen. Gemeinsame Gestaltungsprinzipien und konkrete Leitdetails könnten dabei Orientierung schaffen. Das gelte beispielsweise für den Straßenbau oder die Gestaltung von Baumscheiben im denkmalgeschützten Umfeld. Für die Bürgerinnen und Bürger soll dadurch früher erkennbar werden, welche Lösungen möglich sind und an welchen Kriterien sich die Stadt orientiert. Gleichzeitig könnten gemeinsame Vorgaben Abstimmungen innerhalb der Verwaltung erleichtern und Planungen effizienter machen.
Gestaltungshandbuch soll Orientierung schaffen
Das geplante Handbuch soll somit mehr sein als eine Sammlung von Vorschriften. Es soll konkrete Beispiele liefern und unterschiedliche Anforderungen verständlich miteinander verbinden. Besonders wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen verbindlichen Vorgaben und Empfehlungen. Wer einen öffentlichen Raum gestalten oder verändern möchte, soll möglichst schnell erkennen können, welche Anforderungen tatsächlich einzuhalten sind. Das kann nach Vorstellung der Stadt auch dazu beitragen, Genehmigungsprozesse nachvollziehbarer zu gestalten. Das Projekt ist grundsätzlich im Rahmen der Städtebauförderung förderfähig. Aktuell stimmt sich die Stadt mit der Regierung von Oberfranken darüber ab, in welcher Höhe Fördermittel für die Erarbeitung des Gestaltungshandbuchs eingesetzt werden können.
Fachleute aus verschiedenen Bereichen arbeiten zusammen
Die Erarbeitung des Gestaltungshandbuchs soll fachübergreifend erfolgen. Dafür ist eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe vorgesehen. Beteiligt werden sollen unter anderem Fachbereiche aus Stadtplanung, Denkmalschutz, Welterbe, Wirtschaftsförderung, Straßenverkehr sowie Klima und Umwelt. Auch Bau- und Vergaberecht sollen berücksichtigt werden. Damit sollen die unterschiedlichen Perspektiven bereits bei der Erarbeitung der Grundlagen zusammengeführt werden.
Auch Bürger und Interessengruppen sollen beteiligt werden
Neben der internen Arbeitsgruppe ist ein Runder Tisch ‚Gestaltungsoffensive Bamberg‘ geplant. Dort sollen verschiedene Akteure ihre Sichtweisen einbringen. Vorgesehen sind unter anderem Vertreterinnen und Vertreter aus:
- Handel und Gastronomie
- Eigentümerschaft
- Architektur und Stadtgestaltung
- Welterbe und Denkmalpflege
- Interessenvertretung für Menschen mit Behinderungen
- Bürgerschaft
- weiteren relevanten Gruppen
Damit soll das Gestaltungshandbuch möglichst nah an den tatsächlichen Anforderungen des öffentlichen Lebens in Bamberg entstehen.
Historisches Erbe und Zukunft verbinden
Die Gestaltungsoffensive steht damit vor einer anspruchsvollen Aufgabe. Bamberg möchte sein historisch gewachsenes Erscheinungsbild erhalten, gleichzeitig aber auf neue Anforderungen reagieren. Klimaanpassung, Barrierefreiheit, Mobilität, wirtschaftliche Entwicklung und Aufenthaltsqualität sollen mit den Anforderungen des Welterbe- und Denkmalschutzes verbunden werden. Das geplante Gestaltungshandbuch soll dafür einen gemeinsamen Rahmen schaffen. Es soll zeigen, welche Lösungen zum besonderen Charakter Bambergs passen und wie unterschiedliche Anforderungen miteinander vereinbart werden können.
Ein gemeinsames Bild für Bamberg
Für Oberbürgermeister Niedermaier geht es bei dem Projekt letztlich um mehr als einzelne Regeln oder Gestaltungsvorgaben. Die Stadt soll gemeinsam mit ihren Bürgerinnen und Bürgern ein Verständnis dafür entwickeln, wie Bamberg künftig aussehen und sich anfühlen soll. Das Gestaltungshandbuch soll deshalb nicht lediglich einen Ordner mit Regeln im Rathaus bilden. Vielmehr soll es Orientierung für die zukünftige Entwicklung des öffentlichen Raums geben. Damit könnte die Gestaltungsoffensive zu einem Instrument werden, das historische Identität und moderne Anforderungen stärker miteinander verbindet.















