Beim Neujahrsempfang am Samstagabend in der Bamberger Konzerthalle kamen rund 850 Gäste aus Kirche, Politik, Kultur und Gesellschaft zusammen. Das neue Jahresmotto knüpft an das von Papst Franziskus ausgerufene Heilige Jahr 2025 unter dem Leitwort ‚Pilger der Hoffnun‘ an.
Erzbischof Gössl: Hoffnung trägt auch in Krisenzeiten
Erzbischof Herwig Gössl blickte in seiner Ansprache auf ein herausforderndes, zugleich aber hoffnungsstarkes Jahr zurück. Trotz zahlreicher Krisen und Belastungen habe 2025 gezeigt, wie kraftvoll Hoffnung sein könne. Viele Menschen hätten Orte der Hoffnung sichtbar gemacht – dort, wo Verantwortung übernommen und füreinander eingestanden werde. „Die Kraft der Hoffnung ist gewaltig, das war spürbar“, betonte Gössl.
‚Du bewegst die Welt‘ – Verantwortung jedes Einzelnen
Das neue Jahresmotto solle verdeutlichen, dass es auf jede und jeden Einzelnen ankomme. Schon kleine Gesten könnten das Leben eines Menschen verändern. Zugleich sei das Leitwort ein Appell zur Verantwortung, so Gössl: Wer die Welt bewege, hinterlasse Spuren. Aus christlicher Perspektive bedeute dies Verantwortung vor Gott und für das gemeinsame Wohl aller Menschen. Zugleich könne das Motto auch als Ansprache an Gott verstanden werden – als Ausdruck des Glaubens, dass Gott selbst der eigentliche Beweger sei, der auch dort Veränderung ermögliche, wo alles erstarrt erscheine.
Gedenken an Pater Rudolf Lunkenbein
Einen besonderen Akzent setzte der Erzbischof mit dem Blick auf Pater Rudolf Lunkenbein, dessen Todestag sich am 15. Juli zum 50. Mal jährt. Der aus Döringstadt bei Ebensfeld stammende Salesianerpater war 1976 in Brasilien von weißen Großgrundbesitzern erschossen worden, weil er sich für die Rechte der Bororo-Indigenen einsetzte. Lunkenbein habe in nur wenigen Jahren Außergewöhnliches bewirkt, sagte Gössl. Er habe neue Perspektiven eröffnet, für Landrechte gekämpft, den Dialog mit Politik und Behörden gesucht und konkrete Verbesserungen in Landwirtschaft und Infrastruktur angestoßen. Auch Angehörige Lunkenbeins nahmen am Neujahrsempfang teil.
Hoffnung auf baldige Seligsprechung
Bereits 2018 wurde in Brasilien der diözesane Seligsprechungsprozess für Pater Lunkenbein eröffnet. Im November 2025 äußerte sich das zuständige vatikanische Dikasterium positiv. Damit bestehe Hoffnung auf eine baldige Seligsprechung, auch wenn die Dauer des Verfahrens nicht absehbar sei. Domkapitular und Kirchenhistoriker Norbert Jung verwies darauf, dass Lunkenbein sich schon früh für Klimaschutz und die Bewahrung der Schöpfung eingesetzt habe – lange bevor diese Themen breite gesellschaftliche Aufmerksamkeit erhielten.
Podiumsgespräch zu Mission, Verantwortung und Hoffnung
In einem von Joffrey Streit moderierten Podiumsgespräch diskutierten Pfarrer Dirk Bingener (missio Aachen und Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘), Martina Edenhofer vom Salesianum München und Norbert Jung über Lunkenbeins Wirken. Edenhofer kündigte an, dass beim diesjährigen Katholikentag ein Dokumentarfilm über den Salesianerpater gezeigt werden soll. Pfarrer Bingener appellierte an Politiker, sich weltweit stärker gegen Kinderarbeit einzusetzen. Hoffnung schöpfe er aus der weltweiten Präsenz der Kirche – auch dort, wo staatliche Strukturen versagten.
Grußwort von Oberbürgermeister Andreas Starke
Zuvor hatte der scheidende Bamberger Oberbürgermeister Andreas Starke das Engagement der katholischen Kirche gewürdigt. Mit ihren zahlreichen Initiativen trage sie maßgeblich zum sozialen Zusammenhalt in Städten und Gemeinden bei. Kirchen übernähmen herausragende Aufgaben im Krankenhauswesen, in Bildung und Erziehung sowie in vielen sozialen Bereichen. Sie müssten auch künftig „Motoren für bestimmte Aufgaben“ bleiben und verbindliche moralische Werte in die Gesellschaft einbringen. „Das können nur die Kirchen“, betonte Starke.
Hoffnung, die weiterträgt
Der Neujahrsempfang des Erzbistums Bamberg machte deutlich, dass Hoffnung kein abstrakter Begriff ist, sondern aus konkretem Handeln entsteht. Mit dem Jahresmotto ‚Du bewegst die Welt‘ richtet sich der Blick nach vorn – auf Menschen, die Verantwortung übernehmen, Haltung zeigen und so im Kleinen wie im Großen Veränderungen anstoßen.
















