Das E.T.A. Hoffmann-Haus in Bamberg gilt als weltweit einzigartiges Museum, das sich ausschließlich dem Werk und Leben des großen Romantikers widmet.
Der Schriftsteller, Komponist, Zeichner, Karikaturist und Jurist E.T.A. Hoffmann (1776–1822) prägte mit seinen fantastischen Erzählungen die deutsche Literaturgeschichte und begeistert bis heute. Seit August 2025 hat das Museum mit Martin Habermeyer einen neuen Kurator, der die Nachfolge von PD Dr. Roman Gibhardt antritt. Während das Gebäude derzeit saniert wird, blickt die Stadt Bamberg mit Spannung auf die zukünftige Gestaltung und Neuausrichtung, die Habermeyer verantworten wird.
Verwurzelt in Bamberg – mit einem klaren Forschungsschwerpunkt
Für den neuen Kurator ist Bamberg kein unbekanntes Terrain. Geboren in Neuburg an der Donau, lebt Martin Habermeyer bereits seit 2008 in der Domstadt. Sein Studium an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg umfasste Germanistik, Kulturgutsicherung und Kunstgeschichte. Mit einer Abschlussarbeit zur Visualität in Hoffmanns ‚Die Serapionsbrüder‘ setzte er früh einen Schwerpunkt auf den berühmten Romantiker. Im anschließenden Masterstudium ‚Literatur und Medien‘ beschäftigte er sich unter anderem mit dem Thema Nostalgie in Film und Literatur. Erste museale Erfahrungen sammelte er im Rahmen eines Praktikums am Filmmuseum München.
Fachliche Expertise trifft auf künstlerische Leidenschaft
Für Dr. Fabian Ludovico, Direktor der Museen der Stadt Bamberg, ist Habermeyer eine wertvolle Bereicherung. Seine wissenschaftliche Kompetenz und sein vielseitiges kulturelles Engagement ermöglichen einen besonderen Blick auf Hoffmanns Werk. Diese Kombination hebt ihn von klassischen Kuratoren ab und eröffnet neue Ansätze für die museale Vermittlung.
Theater als zweite Heimat
Neben der Wissenschaft hat sich Habermeyer auch auf der Bühne einen Namen gemacht. Seit 2012 arbeitet er als freiberuflicher Schauspieler und ist fester Bestandteil der Bamberger Kulturszene. Besonders prägend war seine Mitwirkung beim Theater im Gärtnerviertel (TiG), dessen Gründungsmitglied er 2014 war und das er seit Juli 2025 als Erster Vorsitzender leitet. Auch bei den Bamberger Gassenspielen sowie der Theaterwerkstatt Haßfurt und der Landesbühne Oberfranken ist er regelmäßig aktiv. Die Verbindung von Theater und Hoffmann zeigt sich etwa in seiner Mitwirkung an der Produktion ‚Der goldne Topf‘ im Bamberger Marionettentheater, wo er 2024 die Stimme des Anselmus übernahm. Auch als Moderator des Eröffnungskonzerts beim 47. Musikschultag schlüpfte er in die Rolle Hoffmanns.
Pädagogisches Engagement und interkulturelle Arbeit
Ein weiterer Schwerpunkt von Habermeyers Laufbahn liegt in der pädagogischen Arbeit. Zwischen 2020 und 2025 war er an der Grund- und Mittelschule Altenburgblick in Stegaurach tätig – mit Fokus auf Deutsch als Zweitsprache und Theaterpädagogik. Bereits zuvor engagierte er sich als Dozent für Geflüchtete in Orientierungskursen der vhs Bamberg-Land sowie in universitären Projekten. Seine Erfahrung in Sprachvermittlung und Theaterarbeit ergänzt sein kulturelles Profil und unterstreicht seine Fähigkeit, komplexe Inhalte unterschiedlichen Zielgruppen näherzubringen.
Neue Impulse für das Hoffmann-Haus
Mit seiner dreifachen Perspektive als Schauspieler, Wissenschaftler und Pädagoge will Habermeyer die Arbeit im Hoffmann-Haus prägen. Sein Ziel ist es, neue Zugänge zu Hoffmanns Werk zu schaffen und die Besucherinnen und Besucher einzuladen, in die „phantastischen Zauberreiche“ des Künstlers einzutauchen. Besonders während der laufenden Sanierung und Neuausrichtung wird er die kuratorischen Entscheidungen maßgeblich mitgestalten. „E.T.A. Hoffmann verglich die Überschreitung von Realität zur Fantastik einmal mit einer Himmelsleiter, auf der man immer weiter nach oben klettert. Ich wünsche mir, dass die zukünftigen Besuchenden des E.T.A. Hoffmann-Hauses, den Alltag hinter sich lassend, beim Durchlaufen der Museumsräume Schritt für Schritt eintauchen können“, betont Habermeyer.
Ein vielversprechender Weg in die Zukunft
Mit Martin Habermeyer erhält das E.T.A. Hoffmann-Haus einen Kurator, der nicht nur über fundiertes Fachwissen verfügt, sondern auch künstlerische Leidenschaft und pädagogisches Geschick mitbringt. Seine Vision verspricht, die Bedeutung Hoffmanns in Bamberg und darüber hinaus weiter zu festigen und neue Generationen für den großen Romantiker zu begeistern.