Ein Semesterauftakt, der Maßstäbe setzt: Zur Eröffnung des neuen Programms der Volkshochschule Bamberg Stadt strömten rund 500 Interessierte ins Alte E-Werk in Bamberg.
Der Andrang war so groß, dass neben dem restlos gefüllten Großen Saal auch sämtliche Seminarräume ‚besetzt‘ waren – dank moderner Smartboards konnten die Gäste die Live-Übertragung des Festvortrags verfolgen. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Thema, das die Stadt seit Jahren bewegt: die Generalsanierung der Kirche St. Michael.
Ein Mammutprojekt im Schutz des Engels
Der Festvortrag trug den Titel ‚Im Schutz des Engels: Die Gesamtinstandsetzung der Kirche St. Michael (2012–2026)‘. Referiert wurde er von Finanz- und Stiftungsreferent Bertram Felix sowie Bauleiterin Dipl.-Ing. (FH) Karin Hamper aus dem Immobilienmanagement. Zwei Stunden dauerte der Vortrag – und blieb dennoch kurzweilig. Die beiden zeichneten 13 Jahre Sicherung, Forschung und Baugeschehen nach. Sie erklärten anschaulich, was auf einer Baustelle passiert, wenn scheinbar nichts geschieht: Gutachten, statische Berechnungen, Materialanalysen und akribische Dokumentationen. Auslöser für das Großprojekt war ein dramatisches Ereignis am 6. November 2012: Ein zwei Kilogramm schwerer Putzbrocken löste sich aus dem Gewölbe und schlug in eine Kirchenbank ein. Die Sicherheit war nicht mehr gewährleistet – die Kirche musste geschlossen werden.

Ein Kronjuwel des Welterbes
Die 1015 gegründete ehemalige Benediktinerabtei St. Michael zählt laut Bertram Felix zu den ‚Kronjuwelen‘ des UNESCO-Welterbes in Bamberg. Eigentümerin ist die Bürgerspitalstiftung Bamberg, die treuhänderisch von der Stadt verwaltet wird. Nach dem Schadensereignis begannen umfassende Voruntersuchungen. Karin Hamper verglich diesen Prozess mit einer medizinischen Diagnose: Erst eine genaue Analyse offenbart das ganze Ausmaß der Schäden. Das Ergebnis war alarmierend: komplexe statische Probleme und akute Einsturzgefahr. 2015 stabilisierten Spannanker das Bauwerk wie ein Korsett – eine Grundvoraussetzung für alle weiteren Maßnahmen.
Stein für Stein zurück zur Stabilität
Es folgten umfangreiche statische Instandsetzungen an Dach, Mauerwerk und Fundament. Fassaden und Innenraum – darunter der berühmte Himmelsgarten – wurden eingehend untersucht. Ab 2020 konnten dank großzügiger Fördermittel die Restaurierungsarbeiten intensiv fortgesetzt werden.
Die Dimension des Projekts beeindruckt:
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über 2.600 Beteiligte
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34 Gewerke
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74 Fachfirmen
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4,5 Kilometer Fugen allein am Westwerk
Felix verglich die Sanierung mit einem riesigen Legoprojekt: Tausende Einzelteile mussten fotografiert, dokumentiert, gereinigt, instandgesetzt, eingelagert und schließlich wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückgebracht werden. Und das Ende ist noch nicht erreicht: Bis 2031 werden weitere Teilbereiche der Klosteranlage instandgesetzt.
„Stein auf Stein, Kurs auf Kurs“
In seinem Grußwort zog Bürgermeister Wolfgang Metzner, in Vertretung von Oberbürgermeister Andreas Starke, eine Parallele zwischen der Generalsanierung von St. Michael und der Bildungsarbeit der VHS. Die Instandsetzung der Kirche stehe für Verantwortung, Ausdauer und den sorgsamen Umgang mit kulturellem Erbe. Ein stabiles Fundament sei notwendig, um Bewährtes zu erhalten und zugleich zukunftsfähig zu machen. Dieses Bild übertrug Metzner auf die Bildungsarbeit: An der VHS werde „Stein auf Stein, Kurs auf Kurs“ gebaut. Das Fundament bestehe aus Neugier, Wissensdurst und Engagement. Die Volkshochschule sei eine „Baustelle der besonderen Art“, offen für alle Bürgerinnen und Bürger – zu sozialverträglichen Preisen.
Forum der Stadtgesellschaft
VHS-Leiterin Dr. Anna Scherbaum dankte für die langjährige Unterstützung und unterstrich die Rolle der VHS als verlässliche Bildungspartnerin und lebendiges Forum der Stadtgesellschaft. Aktuelle kommunale Themen würden hier aufgegriffen, eingeordnet und diskutiert. Die Wiedereröffnung der Kirche St. Michael sei das zentrale Thema des Bamberger Frühjahrs. Passend dazu bietet die VHS im März und April fünf weitere Vorträge an, die einzelne Gewerke der Generalsanierung vertiefend beleuchten.
350 Dozentinnen und Dozenten gestalten das Semester
Das neue Semesterprogramm zeigt die ganze Bandbreite moderner Erwachsenenbildung:
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Kulturelle Akzente zum 250. Geburtstag von E. T. A. Hoffmann
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Zeitgeschichtliche Reihen in Kooperation mit Stadtarchiv und Historischem Verein
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Ausstellungen und digitale Bildungsangebote
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Vielfältige Gesundheitskurse
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15 verschiedene Sprachen
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Führungen und Angebote der Jungen VHS
Rund 350 Dozentinnen und Dozenten bringen ihre Expertise ein. Scherbaum dankte ihnen ebenso wie den Kooperationspartnern, dem VHS-Team und den Teilnehmenden. Ein besonderer Dank galt dem Förderverein: Erst durch die Anschaffung der Smartboards wurde die Live-Übertragung in die Kursräume möglich – und damit ein Semesterauftakt in dieser Größenordnung.
Musikalische Reise ins 11. Jahrhundert
Für einen besonderen kulturellen Akzent sorgte das Jugendensemble für Alte Musik ‚Doloctemble‘ der Städtischen Musikschule Bamberg unter der Leitung von Dorothea Lieb. Das preisgekrönte Ensemble entführte die Gäste musikalisch in die Entstehungszeit von St. Michael. Der lang anhaltende Applaus würdigte nicht nur die musikalische Leistung, sondern auch den symbolischen Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Bildung und Baukunst als gemeinsame Vision
Der Abend machte deutlich: Ob bei der Restaurierung eines Jahrtausendbaus oder beim Start eines neuen Semesters – es geht immer um ein starkes Fundament. Während an St. Michael Stein für Stein gesichert wird, baut die Volkshochschule an Wissen, Austausch und persönlicher Entwicklung. Beide Projekte stehen für Ausdauer, Gemeinschaft und die Überzeugung, dass Zukunft nur entsteht, wenn man sie aktiv gestaltet.
Leah
Leah unterstützt die Redaktion von Bamberg – meine Stadt® als Expertin für digitale Recherche und lokales Datenmanagement. Sie ist darauf spezialisiert, historische Archive und aktuelle Stadtinfos präzise aufzubereiten, damit kein wichtiger Insider-Tipp aus dem bamberglieben®-Netzwerk verloren geht.
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