Trotz Fachkräftemangel bleibt Langzeitarbeitslosigkeit ein ernstes Problem – auch für die psychische Gesundheit der Betroffenen.
Über ein Drittel der Arbeitslosen in Deutschland ist länger als ein Jahr ohne Beschäftigung. Die psychosozialen Folgen reichen von Depressionen bis hin zu Isolation und Motivationsverlust. Hier setzt das seit 2020 laufende Projekt INGE (Initiative für nachhaltige Gesundheit im Erwerbsleben) der Gemeinnützigen Gesellschaft für soziale Dienste (GGSD) an.
Struktur und Begleitung gegen Perspektivlosigkeit
Das INGE-Programm bietet arbeitslosen Menschen eine Kombination aus Einzelcoachings, Gesundheitsseminaren und kreativ-handwerklicher Projektarbeit – freiwillig an zwei bis fünf Tagen pro Woche. Ziel ist eine Stabilisierung des psychischen Zustands sowie eine Perspektive zurück ins Berufsleben.
Universität Bamberg begleitet Studie
Wissenschaftlich betreut wird INGE durch ein Forschungsteam der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, unter Leitung von Prof. Dr. Astrid Schütz, Melissa Schütz und Dr. Iris Gauglitz. Die Forschung wird von der DAA-Stiftung Bildung und Beruf gefördert. Der nun veröffentlichte Forschungsbericht liefert fundierte Erkenntnisse zu den positiven Effekten auf das psychische Wohlbefinden der Teilnehmenden.
Weniger depressive Symptome – mehr Selbstfürsorge
Die Studienergebnisse zeigen: Teilnehmende von INGE leiden deutlich seltener unter schweren depressiven Symptomen als vergleichbare Personen in der Kontrollgruppe. Auch die Selbstfürsorgekompetenz steigt messbar. „Viele berichteten von einer verbesserten Alltagsstruktur, einem gestärkten Selbstwert und einer stabilisierten psychischen Verfassung“, sagt Astrid Schütz.
Nur moderate Effekte bei Stressverarbeitung – aber mit Wirkung
In Bereichen wie beruflicher Selbstwirksamkeit oder Stressbewältigung blieben statistisch signifikante Veränderungen zwar aus – was laut Forschenden jedoch an der Stichprobengröße liegen könnte. Frühere Studien zu ähnlichen Programmen weisen ebenfalls auf moderate Effekte hin. Dennoch: „Selbst kleine Fortschritte bedeuten für die Betroffenen oftmals einen erheblichen Zugewinn an Lebensqualität und Motivation“, betont Lena Wolf, Projektleitung INGE und GUNDA der GGSD.
GUNDA: Zusatzprogramm für Kurzzeitarbeitslose
Seit 2023 ergänzt das Projekt GUNDA das Angebot. Es richtet sich an Menschen im ALG-I-Bezug. Neben psychischer Stabilisierung liegt hier der Fokus auf einem vierwöchigen Praktikum, das nach drei Monaten im Programm stattfindet. Erste Ergebnisse sind ebenfalls vielversprechend, auch wenn Verbesserungspotenziale bei Kommunikation und individueller Betreuung bestehen.
Finanzielle Förderung durch AVGS
Sowohl INGE als auch GUNDA werden über Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheine (AVGS) nach dem Sozialgesetzbuch finanziert. Damit sind sie für die Teilnehmenden kostenlos – und gleichzeitig ein niedrigschwelliger Zugang zu langfristiger Hilfe.
Forschung empfiehlt Ausweitung der Programme
Die Forscherinnen der Universität Bamberg sehen in den Programmen einen großen Mehrwert für Gesundheit und Teilhabe. Sie fordern eine dauerhafte Absicherung und Weiterentwicklung der Projekte. Auch Dr. Till Werkmeister von der DAA-Stiftung betont: „Wer arbeitslosen Menschen eine realistische Chance auf berufliche Teilhabe geben will, muss auch ihre psychosozialen Belastungen in den Blick nehmen.“
Gesundheit stärken, Teilhabe ermöglichen
Der Forschungsbericht belegt: Programme wie INGE und GUNDA können psychisch stabilisieren, Lebensqualität steigern und Teilhabe fördern – mit positiven Auswirkungen nicht nur für die Einzelnen, sondern auch für das Sozial- und Gesundheitssystem insgesamt. Zum vollständigen Bericht: https://ggsd.de/inge-forschungsbericht.














