Dieser Frage gingen Oberbürgermeister Sebastian M. Niedermaier und Tourismusdirektor Michael Heger bei einem gemeinsamen Stadtspaziergang nach. An verschiedenen Stationen tauschten sie sich mit Vertreterinnen und Vertretern aus Handel, Gastronomie, Hotellerie und Kultur über Chancen und Herausforderungen des Tourismus aus.
Millionenumsätze durch Gäste
Die Zahlen sprechen für sich: Im Jahr 2025 wurden in Bamberg rund 830.000 Übernachtungen registriert. Damit gehört die UNESCO-Welterbestadt hinter Nürnberg und Würzburg zu den beliebtesten Reisezielen Frankens. Hinzu kommen rund 7,4 Millionen Tagestouristen, die jährlich die Stadt besuchen. Gemeinsam sorgen sie laut Tourismusdirektor Michael Heger für einen Bruttoumsatz von rund 390 Millionen Euro. Rechnerisch könnten etwa 6.000 Menschen ihr Einkommen direkt oder indirekt durch den Tourismus erzielen. „Wäre der Tourismus ein Arbeitgeber, wäre er der größte der Stadt“, betonte Oberbürgermeister Niedermaier.
Handel profitiert besonders im Sommer
Beim Besuch des Schuhhauses Zeller wurde deutlich, wie wichtig Touristinnen und Touristen für den Einzelhandel sind. Inhaber Andreas Zeller erklärte, dass der Umsatz in den Sommermonaten deutlich höher ausfällt als im Winter. Teilweise stammen bis zu 80 Prozent des Umsatzes von Gästen der Stadt. Besonders Flusskreuzfahrtgäste, Camper und Tagesbesucher zählen zu den wichtigsten Kundengruppen.
Auch Gastronomie und Hotellerie profitieren
Für Matthias Trum, Inhaber der traditionsreichen Brauerei Schlenkerla, ist der Tourismus ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Geschäfts. Zwar würde das Schlenkerla auch ohne Besucherinnen und Besucher bestehen, allerdings mit deutlich weniger Arbeitsplätzen und einem kleineren gastronomischen Angebot. Auch Tobias Hermann, Direktor der Villa Geyerswörth, setzt auf ein Miteinander von Gästen und Einheimischen. Das Restaurant des Hotels richte sich bewusst an beide Zielgruppen und unterstütze damit die touristische Strategie der Stadt.
Authentizität soll erhalten bleiben
Einigkeit herrschte bei allen Gesprächspartnern darüber, dass der Tourismus weiterentwickelt werden soll, ohne den Charakter Bambergs zu verändern. „Der Tourismus ist in Bamberg eine Branche, deren Umsatz sich noch steigern lässt. Wichtig ist aber, die Authentizität der Stadt dabei nicht zu gefährden“, erklärte Oberbürgermeister Niedermaier. Michael Heger sieht Einrichtungen wie das Schlenkerla als Paradebeispiel dafür, wie Angebote gleichermaßen für Einheimische und Gäste attraktiv sein können.
Auch regionale Betriebe profitieren
Nicht nur Hotels, Restaurants oder Geschäfte profitieren vom Tourismus. Auch viele regionale Betriebe gehören zur touristischen Wertschöpfungskette. Bäcker Alfred Seel beliefert beispielsweise Hotels mit Backwaren. Darüber hinaus profitieren Floristen, Handwerksbetriebe und zahlreiche Dienstleister indirekt von den Gästen der Stadt. Für Seel steht fest: Tourismus sei wichtig für Bamberg – gleichzeitig müsse die Innenstadt aber auch für die Bürgerinnen und Bürger attraktiv bleiben.
Kultur als verbindendes Element
Auch kulturelle Einrichtungen spielen eine wichtige Rolle. Aline Joers vom Theater im Gärtnerviertel (TiG) betonte, dass sowohl Einheimische als auch Touristinnen und Touristen zum Publikum gehören. Durch die Vermarktung kultureller Angebote und die Arbeit der Gästeführerinnen und Gästeführer sollen Besucher zudem verstärkt auch weniger bekannte Stadtviertel entdecken. So könnten Besucherströme besser verteilt und neue kulturelle Angebote stärker in den Fokus gerückt werden.
Tourismus als Gemeinschaftsaufgabe
Zum Abschluss des Rundgangs zog Tourismusdirektor Michael Heger ein positives Fazit. Tourismus funktioniere nur durch die enge Zusammenarbeit von Stadt, Wirtschaft, Kultur und den Menschen vor Ort. Das gemeinsame Ziel sei es, Bamberg als attraktives Reiseziel weiterzuentwickeln, dabei die hohe Lebensqualität für die Einheimischen zu bewahren und die regionale Wertschöpfung nachhaltig zu stärken.
















