Ein bedeutendes Stück fränkischer Musikgeschichte ist jetzt umfassend dokumentiert: Der Orgelforscher Harald Nehr hat sein neues Buch ‚Die Bamberger Orgelbauer des 19. Jahrhunderts‘ offiziell an Erzbischof Herwig Gössl und den Direktor des Diözesanarchivs, Andreas Hölscher, übergeben.
Das Werk gilt als die erste systematische Gesamtdarstellung des Bamberger Orgelbaus im 19. Jahrhundert und schließt damit eine bisher bestehende Forschungslücke.
Die Geschichte der Bamberger Orgelbauer
Das Buch dokumentiert möglichst vollständig die nachweisbaren Orgeln, die zwischen etwa 1800 und 1900 von Bamberger Orgelbauern geschaffen wurden. Neben der Geschichte der Werkstätten beschreibt Harald Nehr auch die architektonischen, technischen und klanglichen Besonderheiten der Instrumente. Zahlreiche historische Fotografien, bislang unveröffentlichte Entwurfszeichnungen sowie aktuelle Farbaufnahmen machen die Entwicklung des Orgelbaus anschaulich und geben spannende Einblicke in ein bedeutendes Kapitel der regionalen Handwerksgeschichte.
Beeindruckende Archivfunde
Für seine Recherchen war Harald Nehr über 15 Jahre lang in staatlichen, kirchlichen und kommunalen Archiven sowie in zahlreichen Pfarreien unterwegs. Dabei stieß er auf bislang unbekannte Dokumente, darunter das original erhaltene Wanderbuch des Orgelbauers Josef Wiedemann sowie ein Werkstattinventar des ehemaligen Bamberger Hoforgelbauers Justus Karl Hansen aus dem Jahr 1819. Auch die Digitalisierung historischer Zeitungen brachte neue Erkenntnisse. So konnte die Zahl der nachgewiesenen Orgeln der Werkstatt Wiedemann von ursprünglich rund 40 auf inzwischen 82 Instrumente erweitert werden.
Orgelbauer wirkten weit über Bamberg hinaus
Die Forschung zeigt außerdem, dass die Bamberger Orgelbauer weit über die Region hinaus tätig waren. Ihre Instrumente entstanden nicht nur in Stadt und Landkreis Bamberg, sondern auch im Frankenwald, in der Oberpfalz und bis nach Aschaffenburg. Viele dieser historischen Orgeln sind bis heute erhalten und gelten als bedeutende Zeugnisse fränkischer Handwerkskunst. Andere existieren nur noch auf historischen Fotografien, Zeichnungen oder in Archivunterlagen, die nun erstmals systematisch ausgewertet wurden.
Erzbischof Gössl würdigt die Arbeit
Bei der Buchübergabe zeigte sich Erzbischof Herwig Gössl beeindruckt von der Forschungsarbeit. Er bezeichnete das Buch als „beeindruckendes Werk über ein faszinierendes Instrument“. Für ihn seien Orgeln weit mehr als reine Musikinstrumente. Sie prägten das Glaubensleben vieler Generationen und spiegelten zugleich die jeweilige Zeit wider. Dabei stünden sie nicht nur für ihre gewaltigen Klänge, sondern ebenso für die leisen und feinen Töne. Auch Archivdirektor Andreas Hölscher würdigte den langjährigen Einsatz des Autors. Die Veröffentlichung sei ein wertvoller Beitrag zur Bewahrung der regionalen Kulturgeschichte.
Beitrag zum Erhalt eines bedeutenden Kulturerbes
Mit dem neuen Band der Reihe ‚Studien zur Bamberger Bistumsgeschichte‘ soll das Bewusstsein für die historische, musikalische und kulturelle Bedeutung der fränkischen Orgeln gestärkt werden. Das Buch richtet sich sowohl an Fachleute als auch an kulturgeschichtlich interessierte Leserinnen und Leser und ist über den Verlag Michael Imhof, den Buchhandel sowie künftig auch im Shop des Diözesanmuseums erhältlich.
Leah
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