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News Bamberg

Mutterschaft als finanzielles Risiko: Bamberger Studie zeigt deutliche Lücken

Warum Mütter in Westdeutschland bis heute massive Nachteile bei Rente und Vermögen haben

Leah Von Leah
26.November.2025 | 08:37 Uhr
in Bamberg, Campus
Foto: shutterstock @FamVeld

Foto: shutterstock @FamVeld

Während bundesweit über ein neues Rentenpaket und die Zukunft der Mütterrente gestritten wird, liefert eine Studie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg wichtige neue Erkenntnisse: Mutterschaft führt in Deutschland weiterhin zu erheblichen finanziellen Nachteilen – besonders deutlich fällt dieser sogenannte ‚Motherhood Penalty‘ in Westdeutschland aus.

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Die Untersuchung wurde von Prof. Dr. Katja Möhring und Clara Overweg (Lehrstuhl für Soziologie, insbesondere Familie und Arbeit, Universität Bamberg) sowie Dr. Andreas P. Weiland (TU Dortmund) durchgeführt und in den Jahrbüchern für Nationalökonomie und Statistik veröffentlicht. Sie vergleicht erstmals Rentenansprüche und Vermögen gemeinsam über den gesamten Lebensverlauf – und berücksichtigt Unterschiede zwischen Ost und West sowie nach Kinderzahl.

Reformen müssen Lebensrealitäten berücksichtigen

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Reformen nicht an den Lebensrealitäten vorbeigehen dürfen – besonders nicht an den strukturellen Benachteiligungen von Müttern“, betont Katja Möhring. Besonders in Westdeutschland zeigt sich seit Jahrzehnten eine anhaltende Renten- und Vermögenslücke, die weder Kindererziehungszeiten noch private Vorsorgeangebote schließen. Auch traditionelle Erwerbsmuster spielen eine große Rolle.

Rentenvermögen: 150.000 Euro Rückstand für westdeutsche Mütter

Die Studie basiert auf dem kombinierten Datensatz SOEP-RV, der Haushaltsbefragungen mit Daten der Deutschen Rentenversicherung verbindet. Ausgewertet wurden Frauen der Geburtsjahrgänge 1937 bis 1989.

Die Ergebnisse sind eindeutig:

  • In Westdeutschland entsteht durch Mutterschaft ein durchschnittlicher Rückstand von über 150.000 Euro beim Rentenvermögen – trotz Mütterrente.

  • In Ostdeutschland fallen die Unterschiede deutlich geringer aus, weil dort Frauen traditionell kontinuierlicher erwerbstätig sind.

Bis zum Rentenalter nähern sich ostdeutsche Mütter und kinderlose Frauen fast an. „Die ostdeutschen Erwerbsverläufe zeigen, dass kontinuierliche Erwerbsbeteiligung langfristig mit geringeren Unterschieden bei den Rentenansprüchen einhergeht“, erklärt Andreas P. Weiland.

Vermögenslücke: Kinderlose Frauen im Westen deutlich im Vorteil

Beim privaten Vermögen zeigen sich ebenfalls starke regionale Unterschiede:

  • In Westdeutschland erreichen kinderlose Frauen im Alter fast das Zehnfache des individuellen Vermögens von Müttern.

  • In Ostdeutschland ist die Lücke kleiner – betrifft aber vor allem Frauen mit zwei oder mehr Kindern.

Diese Vermögensunterschiede entstehen durch längere oder häufigere Erwerbsunterbrechungen, geringere Einkommen und weniger Möglichkeiten zum Sparen oder Investieren.

Mehr Kinder, größere Nachteile

Unabhängig von der Region zeigt die Studie:

  • Besonders Mütter mit zwei oder mehr Kindern fallen sowohl beim Vermögen als auch bei Rentenansprüchen am stärksten zurück.

  • Grund sind unter anderem reduzierte Arbeitszeiten, Teilzeitphasen oder längere Erwerbspausen.

„Unsere Analysen zeigen, dass Unterschiede in den Erwerbsverläufen entscheidend dafür sind, wie sich Renten- und Vermögenswerte entwickeln. Besonders bei Frauen mit mehreren Kindern wirken sich längere oder häufigere Erwerbsunterbrechungen deutlich aus“, sagt Clara Overweg.

Welche politischen Maßnahmen echte Veränderung bringen können

Die Forschenden sind sich einig: Nachhaltige und geschlechtergerechte Rentenpolitik gelingt nicht allein über die Rente – entscheidend sind Arbeitsmarkt- und Familienpolitik.

Zu den zentralen Hebeln gehören:

  • bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf

  • gleiche Beteiligung von Müttern und Vätern an Erwerbs- und Sorgearbeit

  • flexible Arbeitszeitmodelle in Betrieben

  • Anpassungen in der Elternzeit, um Väter stärker einzubinden

  • eine Reform des Ehegattensplittings, das aktuell Teilzeitmodelle verstärkt

Solche Maßnahmen könnten sowohl Mütter stärken als auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken – ohne das Rentensystem zusätzlich zu belasten.

Forschungsprojekt liefert dringend benötigte Datenbasis

Die Studie ist Teil des Projekts ‚Lebenslauf, Vermögen und Alterseinkommen in Ost- und Westdeutschland‘, gefördert vom Forschungsnetzwerk Alterssicherung (FNA). Ziel ist es, Erwerbsbiografien, Vermögensentwicklung und Altersabsicherung systematisch über Geburtsjahrgänge hinweg zu analysieren. „Gerade im Licht von Rentendebatten brauchen wir belastbare Daten dazu, welche Lebensverläufe besonders häufig mit finanziellen Risiken im Alter verbunden sind – und was sozialpolitische Maßnahmen langfristig bewirken. Genau das liefert unser Projekt“, betont Möhring. Die Kombination aus Befragungs- und Rentendaten ermögliche neue Einblicke in langfristige Entwicklungen und politische Wirkungen.

Warum die Ergebnisse jetzt besonders wichtig sind

Die Studie zeigt deutlich, dass Mutterschaft auch Jahrzehnte später spürbare finanzielle Folgen hat. Während ostdeutsche Frauen durch historisch gewachsene Erwerbsstrukturen besser gestellt sind, wirkt die westdeutsche Aufgabenteilung zwischen Familie und Beruf bis heute nach. Für künftige Reformen bleibt entscheidend: Nur durch strukturelle Änderungen am Arbeitsmarkt können Renten- und Vermögenslücken langfristig geschlossen werden.

Quelle: Universität Bamberg
Leah


Leah

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