Mit eindringlichen Worten hat der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl an Pfingsten zu mehr Zusammenhalt und gegenseitigem Verständnis aufgerufen.
In seiner Predigt im Bamberger Dom warnte er vor zunehmender gesellschaftlicher Abgrenzung und sogenannten ‚Me-first-Bewegungen‘. Der Heilige Geist sei eine Kraft der Einheit und des Friedens, betonte Gössl vor den Gläubigen. „Gottes Geist bewegt die Welt zur Einheit, nicht zum Separatismus“, sagte der Erzbischof mit Blick auf das diesjährige Bistumsmotto „Du bewegst die Welt“.
Vielfalt soll Menschen verbinden
In seiner Predigt griff Gössl die biblische Pfingstgeschichte auf, in der Menschen unterschiedlicher Herkunft und Sprache die Botschaft der Apostel verstehen konnten. Gerade darin zeige sich die verbindende Kraft des Heiligen Geistes. Unterschiedliche Kulturen, Meinungen und Lebensweisen würden dabei nicht aufgehoben, sondern bewusst mit einbezogen. Der Geist Gottes arbeite „auf die Einheit hin“ und schaffe Gemeinschaft trotz aller Unterschiede.
Kritik an gesellschaftlicher Abschottung
Deutliche Worte fand der Erzbischof für gesellschaftliche Entwicklungen, bei denen Menschen sich zunehmend voneinander entfernten oder aus Gemeinschaften zurückzögen. Viele heutige Bewegungen seien davon geprägt, den eigenen Willen kompromisslos durchsetzen zu wollen. Gelinge das nicht, folgten oft Rückzug, Abgrenzung oder Ablehnung. Gössl warnte davor, solche Entwicklungen als Zeichen von Stärke zu verstehen. Dahinter steckten häufig Unsicherheit und Angst. Besonders kritisch sieht der Erzbischof sogenannte ‚Me-first-Bewegungen‘ auf gesellschaftlicher, nationaler und internationaler Ebene.
Gottes Geist stehe für Frieden und Versöhnung
Nach den Worten Gössls widersprechen Hass, gegenseitige Vorwürfe und Ausgrenzung dem Geist der christlichen Botschaft. Gottes Geist bewegt die Menschen vielmehr „zu Vergebung, Versöhnung und Frieden“, erklärte der Erzbischof. Die Kirche verstehe sich deshalb als Gegenbewegung zu gesellschaftlichen Tendenzen der Abschottung und Ausgrenzung.
Auch die Kirche kennt Spannungen und Spaltungen
Gleichzeitig räumte Gössl ein, dass auch innerhalb der Kirche Konflikte und Spaltungen sichtbar seien. Die Kirche sei nicht frei von menschlichen Schwächen, weil sie aus Menschen bestehe. Die bestehenden Spannungen innerhalb der Glaubensgemeinschaft bezeichnete er als „sichtbaren Ausdruck, der schmerzt“. Dennoch erlebe man in der Kirche immer wieder, wie Menschen unterschiedlichster Herkunft und sozialer Gruppen zusammenfinden und sich gegenseitig unterstützen.
Offen bleiben für die Zukunft
Besonders hob der Erzbischof die zahlreichen Hilfsangebote, Gruppen und Initiativen innerhalb der Kirche hervor. Diese müssten sich jedoch immer wieder neu öffnen und weiterentwickeln. „Sie müssen offen bleiben, nicht in der Erinnerung an vergangene Zeiten erstarren, sondern in Bewegung bleiben auf Zukunft hin“, betonte Gössl. Damit verband er den Appell, gesellschaftliche Veränderungen nicht mit Angst, sondern mit Offenheit und Dialogbereitschaft zu begegnen.
Aufruf zu mehr Menschlichkeit
Zum Abschluss seiner Predigt rief Herwig Gössl die Gläubigen dazu auf, sich bewusst für Frieden, Versöhnung und Zusammenhalt einzusetzen. Die Welt brauche Menschen, die Brücken bauen statt Mauern errichten. „Unsere zerrissene Welt wartet darauf“, sagte der Erzbischof zum Ende seiner Predigt im Bamberger Dom.














