Mit dem neuen Ladenschlussgesetz, das am 10. Juli 2025 verabschiedet wurde, dürfen Einzelhändler in Bayern künftig bis zu acht Mal im Jahr besondere Einkaufsnächte veranstalten.
Neuerungen im bayerischen Ladenschlussgesetz ab 1. August 2025 im Detail
- Werktagsöffnung bleibt wie bisher
Läden dürfen weiterhin von 6 bis 20 Uhr geöffnet sein. - Lange Einkaufsnächte erlaubt
Gemeinden dürfen bis zu 8-mal pro Jahr längere Öffnungszeiten bis 24 Uhr erlauben – auch ohne besonderen Anlass. - Zusätzliche Ausnahmen für Händler
Einzelhändler dürfen an 4 weiteren Werktagen pro Jahr individuell länger öffnen – z. B. für Events, Jubiläen oder Lesungen. - Unbemannte Mini-Supermärkte
Kleine, automatisierte Läden (bis max. 150 m²) dürfen rund um die Uhr geöffnet sein – auch an Sonn- und Feiertagen.
→ Gemeinden können die Öffnung an Sonntagen auf mindestens 8 Stunden begrenzen. - Verkaufsoffene Sonntage bleiben unverändert
Weiterhin 4 Sonntage pro Jahr, aber nur mit Anlass (z. B. Markt, Messe). - Sonderregelungen für Kur- und Tourismusorte
In ca. 500 Gemeinden dürfen an bis zu 40 Sonn- und Feiertagen bestimmte Waren verkauft werden.
Neu: Die Waren müssen nun regional, nicht mehr ortsbezogen sein.
Das klingt zunächst vielversprechend – gerade für Städte wie Bamberg, die von ihrer historischen Altstadt, der hohen Besucherfrequenz und einem lebendigen Innenstadtbild profitieren. Doch die große Frage lautet: Reicht das aus, um dem lokalen Handel wirklich Auftrieb zu geben?
Einkaufsnächte – eine nette Ergänzung, aber kein Umsatz-Booster
Die neuen Regelungen erlauben es Kommunen wie Bamberg, diese langen Einkaufsnächte unabhängig von einem konkreten Anlass zu planen.
Das eröffnet zwar Potenzial für Events, Kundenerlebnis und Innenstadtbelebung – doch im Hinblick auf das veränderte Kaufverhalten braucht es deutlich mehr als punktuelle Aktionen, um den stationären Handel nachhaltig zu stärken.
Denn der Onlinehandel ist längst zur ersten Anlaufstelle geworden. Wer sich heute über Produkte, Preise oder Angebote informiert, tut das fast immer zuerst digital.
Die bittere Realität: Viele Händler sind online kaum sichtbar
Gerade in einer touristisch geprägten Stadt wie Bamberg, die jedes Jahr tausende Besucher aus dem In- und Ausland anzieht, ist die digitale Sichtbarkeit entscheidend. Wer neu in der Stadt ist, verlässt sich fast ausschließlich auf Google & Co. – sei es für ein gutes Restaurant, ein besonderes Geschäft oder einen schnellen Einkauf in der Nähe. Wenn lokale Anbieter in diesen Momenten nicht in der Suche auftauchen, bleiben sie für viele potenzielle Kunden schlicht unsichtbar.
Doch genau hier zeigt sich ein gravierendes Defizit: Viele Einzelhändler und Gastronomen in Bamberg verfügen weder über eine mobil-optimierte Website noch über ein gepflegtes Google Business Profile – und verpassen damit entscheidende Kontaktpunkte mit potenziellen Kunden.
Dabei ist längst belegt, dass digitale Sichtbarkeit über den Erfolg im stationären Handel mitentscheidet. Laut einer umfassenden Konsumstudie von Score Media aus dem Jahr 2024 informieren sich über 80 % der Käufer vor einem stationären Einkauf online – sei es über Suchmaschinen, Google Maps oder Bewertungen. Wer in dieser Phase nicht auftaucht, existiert für viele Kunden schlichtweg nicht.
Dieses Verhalten ist nicht neu: Der sogenannte ROPO-Effekt („Research Online, Purchase Offline“) ist seit Jahren gut dokumentiert. Bereits Google prägte dafür 2011 den Begriff „Zero Moment of Truth“ (ZMOT) – der Moment, in dem die Kaufentscheidung fällt, passiert längst nicht mehr im Laden, sondern online – oft Stunden oder Tage vor dem eigentlichen Kauf. Der stationäre Handel wird dabei zur reinen Ausgabestelle für eine Entscheidung, die zuvor im digitalen Raum getroffen wurde.
Kurz gesagt: Wer online nicht sichtbar ist, verliert Kunden, bevor sie überhaupt durch die Innenstadt gehen – egal, wie schön das Schaufenster oder wie stimmungsvoll die Einkaufsnacht ist. Und: Fehlende oder schlecht gepflegte Webpräsenzen führen längst nicht mehr nur bei Google zur Unsichtbarkeit. Auch KI-Systeme wie ChatGPT oder Perplexity greifen auf öffentlich verfügbare Inhalte zurück. Wer keine strukturierten Daten oder Inhalte bereitstellt, wird von diesen Systemen schlicht ignoriert – und verliert damit den Anschluss an die nächste Generation digitaler Kundensuche.
Dabei wäre eine stärkere Online-Präsenz eine Win-Win-Situation: Touristen finden schneller, was sie suchen, und auch Einheimische profitieren von aktuellen Öffnungszeiten, klaren Infos und einer besseren Orientierung im Alltag. Sichtbarkeit bei Google & Co. bedeutet schlicht: besser gefunden werden – von allen, die gerade etwas brauchen.
Lokale Sichtbarkeit beginnt mit der Basis: Google Business & Co.
Schon einfache Maßnahmen können eine große Wirkung entfalten:
- Google Business Profile aktuell halten (Öffnungszeiten, Fotos, Beiträge)
- Mobilfreundliche Website mit klarer Struktur und schnellen Ladezeiten
- Lokale SEO-Maßnahmen (z. B. Brancheneinträge, Kundenbewertungen, regionale Keywords)
Diese Grundlagen sind in vielen Läden – auch in Bamberg – noch nicht ausreichend umgesetzt. Dabei entscheiden genau diese Punkte oft darüber, ob ein Kunde den Weg in den Laden findet oder nicht.
Viele Händler glauben, sie müssten gleich einen vollständigen Onlineshop betreiben, um digital mitzuhalten. Doch das ist ein Irrtum. Es reicht oft schon, überhaupt gefunden zu werden, wenn jemand in Google nach einem Geschäft, einem bestimmten Produkt oder einem Ort in Bamberg sucht. Dafür braucht es keinen Shop, sondern eine mobilfreundliche Website mit klaren Infos, ein gepflegtes Google Business Profil und idealerweise ein paar echte Kundenbewertungen. Wer online sichtbar ist, wird auch offline besucht. Wer nicht sichtbar ist, wird übersehen – egal, wie gut das Schaufenster aussieht.
Wer in Bamberg bestehen will, braucht mehr als verlängerte Öffnungszeiten
Die neuen Einkaufsnächte sind eine willkommene Möglichkeit für Eventmarketing – sie ersetzen aber nicht die tägliche digitale Sichtbarkeit, die heute entscheidend für den stationären Erfolg ist. Händler in Bamberg sollten die neuen Freiheiten nutzen – aber auch ihre Hausaufgaben im Netz machen. Denn dort beginnt in den meisten Fällen die Kaufentscheidung.
Zwischen Einkaufsnacht und Realität: Warum Euphorie allein nicht reicht
Die Einschätzung vom Bamberger Stadtmarketing-Chef Klaus Stieringer, die erweiterte Freiheit für Einkaufsnächte seien ein „Quantensprung für unsere Innenstadt“, äußerte er am 11. Juli in einer Pressemitteilung (Bamberger Stadtmarketing begrüßt neues Ladenschlussgesetz). Diese Formulierung klingt ambitioniert – greift aber deutlich zu kurz. So wirkungsvoll Eventformate wie die Bamberger Einkaufsnacht für ein paar Stunden auch sein mögen: Sie ersetzen keine dauerhaft funktionierende Sichtbarkeit im Alltag. Kaufentscheidungen werden längst nicht mehr auf dem Maxplatz getroffen, sondern auf dem Smartphone – bei Google, Facebook, Instagram, Tiktok, Chatgpt. Wer dort nicht präsent ist, verliert nicht nur gegen den Onlinehandel, sondern auch gegen besser positionierte Mitbewerber in der Nachbarschaft.
Was nützen acht starke Abende im Jahr, wenn ich an 357 Tagen im Jahr in digitalen Suchsystemen nicht gefunden werde? Genau hier liegt das eigentliche Problem – nicht im Anlasszwang, sondern in der fehlenden digitalen Basis vieler Geschäfte.
Besonders befremdlich wirkt in diesem Zusammenhang Stieringers Aussage, Einkaufsnächte seien „unsere schärfsten Schwerter gegen die digitale Konkurrenz“ – eine Metapher, die wie aus der Zeit gefallen wirkt.
Dass er ausgerechnet den Erlebnischarakter als Hauptargument gegen den Onlinehandel anführt, zeigt, wie stark die digitale Realität in seiner Argumentation ausgeblendet wird. Wer Sichtbarkeit nur als Veranstaltung auf dem Maxplatz versteht, aber digitale Auffindbarkeit ignoriert, sorgt vielleicht für Andrang an acht Abenden – aber nicht für Kundschaft an den restlichen 357 Tagen im Jahr.
Ein Marketingprofi wie Stieringer sollte die Händler nicht durch das Schüren eines vermeintlichen Konflikts beider Kanäle verunsichern, sondern sie aktiv dabei unterstützen, ihre Sichtbarkeit auf wichtigen Online-Kanälen auszubauen. Zukunftssicherung gelingt nur dann, wenn man stationären Handel und Online-Präsenz zusammendenkt – nicht gegeneinander ausspielt.
Über den Autor dieses Beitrags
Christoph Arend ist Inhaber der Digitalagentur jacor digital in Bamberg. Seit über 20 Jahren unterstützt er Unternehmen im Bereich Suchmaschinenoptimierung (SEO), Local SEO und Webentwicklung, ist zudem zertifizierter Google Ads Partner. Der Fokus seiner Arbeit liegt auf der digitalen Sichtbarkeit von Unternehmen.
„Events bringen Besucher – aber keine Sichtbarkeit. Und ohne Sichtbarkeit gibt’s keinen Umsatz. Wer heute nicht online gefunden wird, verliert Kunden, bevor die überhaupt in der Stadt ankommen.“ – Christoph Arend
Hinweis in eigener Sache: Dieser Beitrag ist kein Werbetext, sondern eine fachliche Einordnung aus Sicht eines Digitalexperten, der seit Jahren beobachtet, wie viel Potenzial im lokalen Handel ungenutzt bleibt – nicht wegen mangelnden Engagements vor Ort, sondern weil die digitale Sichtbarkeit oft unzureichend ist. Die Kritik richtet sich nicht gegen Events oder Innenstadtinitiativen, sondern gegen die Vorstellung, dass diese allein ausreichen, um strukturelle Herausforderungen im stationären Handel zu lösen. Beides muss zusammengedacht werden – analog und digital.















