Wie digitale Technologien die Lebensqualität von Menschen mit Demenz verbessern können, stand im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe ‚Smart Talks‘ des Programms Smart City Bamberg.
Expertinnen und Experten gaben dabei Einblicke in neue Wege der Unterstützung für Erkrankte, Angehörige und Pflegekräfte.
Tausende Betroffene in Stadt und Landkreis
Offiziell sind in der Stadt und im Landkreis Bamberg rund 4.000 Menschen an Demenz erkrankt, weitere 9.000 Personen gelten als von einer Vorstufe betroffen. Die Erkrankung wirkt sich dabei nicht nur auf die Betroffenen selbst aus, sondern stellt auch Angehörige und Pflegepersonal vor große Herausforderungen. Darauf machte Prof. Dr. Peter Kolominsky-Rabas von der FAU Erlangen-Nürnberg aufmerksam. Der Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen erfordere viel Einfühlungsvermögen, da sich diese häufig in vergangenen Lebensphasen wähnten und ihr Verhalten entsprechend ausrichteten. Besonders für pflegende Angehörige bedeute dies eine enorme körperliche und emotionale Belastung.
Bewegungsdrang als unterschätzte Gefahr
Ein zentrales Problem der Erkrankung ist laut den Fachleuten der ausgeprägte Bewegungsdrang, der zu jeder Tages- und Nachtzeit auftreten kann. Oft bewegen sich die Betroffenen ohne konkretes Ziel oder vergessen dieses nach kurzer Zeit. Die Folge ist ein Verlust der Orientierung, der im öffentlichen Raum schnell gefährlich werden kann. Pflegeeinrichtungen können hier zwar Sicherheit bieten, stoßen jedoch ebenfalls an Grenzen. Ziel müsse es sein, den Menschen trotz Erkrankung so lange wie möglich eine selbstbestimmte Teilhabe am Leben in Bamberg zu ermöglichen, betonte Jutta Weigand von der Sozialstiftung Bamberg.
Digitales Armband schafft neue Möglichkeiten
Genau an diesem Punkt setzt ein gemeinsames Projekt von Smart City Bamberg und der Sozialstiftung Bamberg an. Zum Einsatz kommt ein digitales Armband, ähnlich einer Armbanduhr, das Ortungsdaten der erkrankten Person übermittelt. Vorab werden individuelle, virtuelle Sicherheitszonen festgelegt, die sich am Gesundheitszustand und den Gewohnheiten der Betroffenen orientieren. Wird diese Zone verlassen, erhält eine Anwendung automatisch eine Benachrichtigung mit den entsprechenden Standortdaten. „Das System bietet einen klaren Mehrwert für unsere Bewohnerinnen und Bewohner“, erklärt Projektleiterin Jutta Weigand. Es ermögliche Bewegungsfreiheit innerhalb eines sicheren Rahmens und schaffe gleichzeitig Schutz.
Ehrenamtliche als entscheidender Baustein
Als besonders innovativ gilt die Einbindung von Ehrenamtlichen in das Projekt. Diese können im Ernstfall bei der Suche nach vermissten Personen unterstützen. Pflegekräfte allein könnten diese Aufgabe personell nicht bewältigen, auch die Ressourcen der Polizei seien begrenzt. Durch die Kombination aus digitaler Technik und ehrenamtlichem Engagement entsteht ein Unterstützungsnetzwerk, das Sicherheit und Menschlichkeit miteinander verbindet.
Positive Bilanz nach dreimonatigem Testlauf
Ein dreimonatiger Testlauf in einer Einrichtung am Michelsberg verlief erfolgreich. In einem konkreten Fall konnte eine vermisste Person dank eines ausgelösten Alarms innerhalb kurzer Zeit an einer Bushaltestelle gefunden werden. Begleitend fanden zahlreiche Gespräche mit Erkrankten, Angehörigen und Pflegekräften statt. Während Betroffene und Familien durchweg begeistert reagierten, äußerten einige Pflegekräfte zunächst Bedenken wegen eines möglichen Mehraufwands. Durch gezielte Schulungen konnten diese Sorgen jedoch weitgehend ausgeräumt werden.
Ehrenamt braucht Schulung und Absicherung
Bereits im Sommer 2025 wurden zudem Interviews mit potenziellen Ehrenamtlichen geführt. Diese erkannten den Nutzen des Projekts, betonten jedoch die Notwendigkeit verpflichtender Schulungen, einer engen Anbindung an Pflegeeinrichtungen sowie einer klaren rechtlichen Absicherung. Kritische Stimmen kamen unter anderem vom Seniorenbeirat der Stadt Bamberg, der vor allem den Datenschutz in den Fokus rückte.
Zwischen Freiheitsrecht und Datenschutz
„Die Frage nach dem Datenschutz ist gerechtfertigt und wird von uns sehr ernst genommen“, betonte Jutta Weigand. Das Projekt werde in enger Abstimmung mit einem Betreuungsrichter und unter Berücksichtigung des Betreuungsgesetzes entwickelt. Die Teilnahme sei zudem freiwillig. Letztlich gehe es um eine sorgfältige Abwägung: „Um zu verhindern, dass die Standortdaten einer fiktiven Frau Meier an Ehrenamtliche weitergegeben werden, verwehren wir der Dame, dass sie sich frei bewegen kann – was ist wichtiger?“ Diese Frage stehe im Zentrum der weiteren Projektentwicklung. Der aufgezeichnete Smart Talk ist für Interessierte auf dem YouTube-Kanal von Smart City Bamberg abrufbar.
















