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News Bamberg

Bamberger Erzbischof ruft zu Aufbruch und neuer Beweglichkeit auf

Hirtenbrief zur Fastenzeit: Christsein als Weg – und Auftrag zur Mitgestaltung

Leah Von Leah
04.März.2026 | 12:45 Uhr
in Bamberg, Gesellschaft, Kultur
Erzbischof Herwig Gössl bei der Predigt
© Pressestelle Erzbistum Bamberg / Dominik Schreiner

Erzbischof Herwig Gössl bei der Predigt © Pressestelle Erzbistum Bamberg / Dominik Schreiner

Mit deutlichen Worten hat der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl die Gläubigen im Erzbistum zur geistlichen Erneuerung und strukturellen Beweglichkeit aufgerufen.

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In seinem aktuellen Hirtenbrief zur Fastenzeit beschreibt er das Christsein als einen dynamischen Weg – nicht als bequemen Zustand. Gerade angesichts tiefgreifender Veränderungen in Kirche und Gesellschaft brauche es Mut, Vertrauen und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Der Brief wird an diesem Sonntag sowie bereits am Vorabend in allen Gottesdiensten im Erzbistum Bamberg verlesen.

Christsein heißt Unterwegs-Sein

Im Zentrum der Botschaft steht ein prägnanter Gedanke: „Christsein heißt Unterwegs-Sein.“ Für Gössl bedeutet Glaube Bewegung – innerlich wie äußerlich. Wer Christ ist, dürfe sich nicht dauerhaft niederlassen, nicht geistlich sesshaft werden. Als biblischen Bezug wählt der Erzbischof die Szene der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor. Dort wird der göttliche Glanz Jesu für einen Moment sichtbar. Doch Jesus bleibt nicht auf dem Berg. Er geht weiter – hinab in den Alltag der Menschen und schließlich ans Kreuz. Diese Bewegung sei programmatisch für das Christsein. Es gehe nicht darum, spirituelle Höhepunkte festzuhalten oder sich in vertrauten Strukturen einzurichten. Vielmehr folge der Glaube dem Weg Jesu – auch dorthin, wo es dunkel, schmerzhaft oder herausfordernd wird.

Die Fastenzeit als Einladung zur neuen Freiheit

Die österliche Bußzeit versteht Gössl als Chance zur Neuorientierung. Fasten bedeute nicht bloß Verzicht um des Verzichts willen. Vielmehr könne bewusste Einschränkung helfen, innere Freiheit zurückzugewinnen. Er betont, dass nicht die Anhäufung von Besitz glücklich mache, sondern das Teilen von Zeit, Geld und Möglichkeiten. Gerade im Loslassen könne der Mensch erfahren, was wirklich trägt. Ziel sei es, das eigene Leben wieder auf eine tragfähige Grundlage zu stellen – auf Vertrauen. Dieses Vertrauen wachse durch:

  • Gebet

  • Empfang der Sakramente

  • Versöhnung

  • bewusste Hinwendung zu Gott

Die Fastenzeit wird so zu einer Schule der Beweglichkeit – nicht nur äußerlich, sondern im Herzen.

Kirche im Wandel: Schmerz und Chance zugleich

Mit Blick auf die aktuelle Situation in Kirche und Gesellschaft spricht Gössl offen über tiefgreifende Umbrüche. Viel Vertrautes könne nicht mehr weitergeführt werden. Die Veränderungen seien schmerzhaft. Im Januar 2026 hatte der Erzbischof pastorale Orientierungen veröffentlicht, die notwendige strukturelle Anpassungen benennen. Dazu gehören Einschnitte bei:

  • kirchlichen Gebäuden

  • hauptamtlichen Stellen

  • gewohnten Gottesdienstzeiten und -orten

Solche Entscheidungen seien nicht leicht. Gebäude stifteten Identität und vermittelten Geborgenheit. Doch zugleich warnt Gössl vor einer einseitigen Fixierung auf Besitz und Strukturen.

Die Gefahr der Erstarrung

Besitz sei nicht grundsätzlich schlecht, betont der Erzbischof. Problematisch werde er dann, wenn er träge mache. Wenn Angst vor Verlust wachse, könnten Misstrauen, Neid und Geiz entstehen. Kirchliches Leben dürfe sich nicht ausschließlich an Gebäuden oder organisatorischen Strukturen festhalten. Das eigentliche Fundament sei etwas anderes: die persönliche Beziehung zu Christus. Nicht die „Hütten, die wir bauen“, seien entscheidend, sondern die lebendige Glaubensgemeinschaft. Diese Perspektive eröffne neue Beweglichkeit – gerade in einer Zeit des Wandels.

„Du bewegst die Welt“ – Verantwortung übernehmen

Unter dem Jahresmotto „Du bewegst die Welt“ ruft Gössl dazu auf, Verantwortung zu übernehmen. Jeder Einzelne sei wichtig. Niemand könne sagen: „Auf mich kommt es nicht an.“ Der christliche Glaube schenke Mut, weil er zusage: Gott geht mit. Veränderungen seien deshalb nicht nur Bedrohung, sondern auch Gestaltungschance. Mit Gottes Segen könnten neue Wege und Zugänge zu den Menschen entdeckt werden. Statt in das „große Jammern“ einzustimmen, lädt der Erzbischof dazu ein, Hoffnung zu verbreiten. Die Perspektive des Glaubens richte den Blick nach vorne – auf eine gute Zukunft, die Gott führen wolle.

Pfarrgemeinderäte als Motor der Bewegung

Ein besonderer Abschnitt des Hirtenbriefs gilt den neu zu wählenden Pfarrgemeinderäten. Sie seien wichtige Gremien für die Gestaltung der Pastoral in der Zukunft. Ihre Aufgabe bestehe darin, das kirchliche Leben vor Ort aktiv mitzugestalten und dafür zu sorgen, dass die Kirche nicht erstarre. Engagement, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein seien hier gefragt. Gössl dankt ausdrücklich allen, die sich zur Kandidatur bereit erklärt haben. Ihr Einsatz zeige, dass Kirche dort lebendig bleibe, wo Menschen Verantwortung übernehmen.

Hoffnung als Leitmotiv

Der Hirtenbrief zeichnet kein idyllisches Bild der Gegenwart. Er verschweigt weder schmerzhafte Einschnitte noch strukturelle Herausforderungen. Und doch dominiert ein Grundton der Zuversicht. Christlicher Glaube bedeute Bewegung – hin zu den Menschen, hin zu neuen Formen des Miteinanders, hin zu einer vertieften Beziehung zu Gott. Wer sich auf diesen Weg einlasse, müsse Veränderungen nicht fürchten. So versteht sich die Botschaft des Erzbischofs als Einladung: nicht festzuhalten am Vergangenen, sondern im Vertrauen aufzubrechen. Die Kirche bleibt unterwegs – getragen von der Hoffnung, dass Gott mitgeht und Zukunft eröffnet.

Quelle: Erzbistum Bamberg
Leah


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