Mit neuen pastoralen Orientierungen stellt das Erzbistum Bamberg wichtige Weichen für die Zukunft.
Erzbischof Herwig Gössl setzte die sogenannten ‚Entwicklungslinien‘ mit Wirkung zum Sonntag, dem Fest der Taufe des Herrn, in Kraft. Sie bilden die Grundlage für ein kirchliches Handeln, das sich stärker an Dialog, Synodalität und den Lebensrealitäten der Menschen orientiert.
Kirche im Wandel der Gesellschaft
Ausgangspunkt der neuen pastoralen Orientierungen sind die tiefgreifenden Veränderungen in Gesellschaft und Kirche. Unterschiedliche Lebensentwürfe, Erwartungen und Bedürfnisse machten es notwendig, kirchliche Strukturen und Angebote neu auszurichten, betonte Gössl. Maßstab allen Handelns bleibe dabei Jesus Christus. An seinem Leben, seinem Wort sowie an Tod und Auferstehung müssten sich alle Formen kirchlichen Lebens ausrichten. Pastorales Handeln solle sich künftig stärker gemeinsam mit den Menschen entwickeln – ausgehend von ihren Lebenswelten, sozialen Bezügen, Hoffnungen, Sorgen und Fragen. Die Kirche verstehe sich dabei als Gemeinschaft, die offen ist für alle Menschen in ihrer Einzigartigkeit und Lebenswirklichkeit. Unterschiedlichkeit werde ausdrücklich als Bereicherung verstanden.
Synodalität und Dialog als Leitprinzipien
Zentrale Leitlinien der neuen Orientierung sind Synodalität und Dialog. Kirche soll nicht von oben herab agieren, sondern gemeinsam beraten, entscheiden und handeln. Glauben werde dort lebendig, wo Menschen Verantwortung übernehmen, sich einbringen und ihren Glauben teilen – in Familien, im Alltag, im Beruf und zunehmend auch in der digitalen Welt. Dabei werde deutlich: Gemeinschaftlich gelebter Glaube sei dynamisch und nicht zwangsläufig an bestehende Orte oder Gebäude gebunden. Neue Formen und neue Orte des Glaubens sollen daher gezielt gefördert werden.
Abschiednehmen und Loslassen als notwendiger Schritt
Erzbischof Gössl machte zugleich deutlich, dass die aktuellen Entwicklungen auch Grenzen aufzeigen. Sinkende personelle und finanzielle Ressourcen führten dazu, dass nicht alle bisherigen Angebote flächendeckend aufrechterhalten werden könnten. Nötig sei deshalb ein wertschätzendes Abschiednehmen. Dies bedeute, sich von Liebgewonnenem zu lösen und Strukturen aufzugeben, die lange sinnvoll waren, heute aber nicht mehr dauerhaft getragen werden können. Dieser Prozess solle bewusst, transparent und respektvoll gestaltet werden.
Neue Orte des Glaubens und innovative Ansätze
Parallel zum Abschied von Gewohntem will das Erzbistum neue Orte der Hoffnung und des gelebten Glaubens stärken. Neben bestehenden Kirchorten sollen auch experimentell-innovative Initiativen gefördert und systematisch begleitet werden. Die Feier der sonntäglichen Eucharistie bleibt dabei an ausgewählten Orten Höhepunkt und Mitte des kirchlichen Lebens. Darüber hinaus sollen vielfältige liturgische und spirituelle Formen Raum bekommen, damit Menschen auf unterschiedliche Weise Gottes Nähe erfahren können.
Kirche als Partnerin im Sozialraum
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit im Sozialraum. Die Kirche versteht sich als verlässliche Partnerin in der Gesellschaft und sucht bewusst die Kooperation mit anderen kirchlichen und gesellschaftlichen Akteuren. Dazu zählen ökumenische Partnerschaften ebenso wie die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Initiativen, Vereinen, Verbänden und sozialen Einrichtungen. Kirchliches Leben soll nicht als reine Versorgung verstanden werden. Verwaltung und Organisation werden künftig effizient und zentral in den Seelsorgebereichen gebündelt, um Freiräume für pastorales Handeln zu schaffen.
Auftakt für einen langfristigen Bistumsprozess
Die neuen pastoralen Orientierungen schreiben den Pastoralplan ‚Den Aufbruch wagen – heute!‘ aus dem Jahr 2005 fort, der weiterhin Gültigkeit besitzt. Gleichzeitig markieren sie den Start des Bistumsprozesses ‚Entscheiden und Handeln: Für eine Kirche mit Zukunft‘. Auf dieser Grundlage sollen die Seelsorgebereiche eigene pastorale Strategien und innovative Idee
















