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News Bamberg

Zwischen Tretboot und Tingeltangel: ‚Mein lieber Schwan‘ begeistert in Bamberg

TiG bringt Jan Demuths musikalische Komödie aus den 20/er Jahren auf die Bühne

Leah Von Leah
07.Juni.2025 | 14:17 Uhr
in Bamberg, Kultur, Meinung
Ursula Gumbsch und Martin Habermeyer in 'Mein lieber Schwan'. Quelle: TiG Bamberg, Werner Lorenz

Ursula Gumbsch und Martin Habermeyer in 'Mein lieber Schwan'. Quelle: TiG Bamberg, Werner Lorenz

Ein lauer Sommerabend, das Wasser der Regnitz glitzert im Abendlicht, und plötzlich: ein Tretboot.

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So beginnt der urkomische und zugleich hintergründige Theaterabend ‚Mein lieber Schwan‘ auf dem Gelände des WSV Neptun Bamberg, der sein 100-jähriges Bestehen feiert. Die Schauspieler reisen stilecht über den Fluss an – und setzen damit den Ton für einen Abend voller Komik. Das Theater im Gärtnerviertel (TiG) zeigt Jan Demuths musikalische Komödie erstmals in Bamberg. Mit im Gepäck: Schlager der 20er und 30er Jahre, eine Weide mit wallendem ‚Haar‘, ein ausladender Papier-Schwan und zwei herausragende Darsteller, die Wagners ‚Ring des Nibelungen‘ nicht aufführen – aber herrlich danebenliegen.

Tingeltangel trifft Bayreuth

In der Hauptrolle brillieren Ursula Gumbsch als Adele Würmeling und Martin Habermeyer als Herwarth Moksch – ein Duo, das auf eine katastrophale Fehlbuchung reagiert, wie es nur gestandene Bühnenkünstler tun: mit Improvisation, Glamour und einem Koffer voller komischer Requisiten. Anstelle eines prominenten Wagner-Duos erwartet die Zuschauer des fiktiven ‚Musikvereins Walhalla Wippelsdorf‘ ein verschrobenes, aber charmantes Paar aus der zweiten Reihe der Unterhaltungsindustrie. Doch die Maskerade gelingt – zumindest fast. Gumbsch als überdrehte Diva mit Glitzerkleid und Hang zur Übertreibung überzeugt mit pointierter Komik und großer Bühnenpräsenz. Zur Seite steht ihr Habermeyer, der den selbstverliebten Herwarth mit wohldosiertem Pathos und viel Gespür für Timing spielt. Seine Wagner-Parodien (u.a. Siegfried und Wotan) sorgen für wahre Lachsalven – doch gerade in den ernsteren Momenten, etwa bei den kurzen Anspielungen auf Wagners Antisemitismus oder die drohende politische Realität der 30er Jahre, gewinnen beide Figur an Tiefe.

Musik zwischen Parodie und Poesie

Musikalisch wird der Abend von Franz Tröger und Hermann Kübler begleitet – ein charmantes Mini-Orchester, das mit Akkordeon, gestimmten Glocken, Blechbläsern und Melodica alles herausholt, was die Schlagermelodien der 30er hergeben. Das Repertoire reicht von schräg-intoniertem Walkürenritt bis zu augenzwinkernd veränderten Chansons – stets mit der Balance zwischen humorvoller Parodie und liebevoller Hommage.

Bühnenbild: Wagner auf der Weide

Das Bühnenbild von Nikola Voit ist ein echter Hingucker: Eine mächtige Weide bildet das Zentrum der Szene – geheimnisvoll, poetisch, fast märchenhaft. Um sie herum Podeste, ein Baldachin für die Musik, ein papierner Schwan und eine hölzerne Leiter, die als Requisiten dienen. Diese Szenerie gibt dem Spiel einen fast traumhaften Charakter – zwischen Provinzposse und Opernphantasie. Besonders eindrucksvoll ist, wie mit einfachsten Mitteln große Wirkung erzielt wird: Der ‚Ring des Nibelungen‘ wird nicht inszeniert, sondern dekonstruiert – und das mit so viel Witz und Charme, dass selbst Wagner-Liebhaber auf ihre Kosten kommen.

Komik mit Kante: Zwischen Lachen und Nachdenken

‚Mein lieber Schwan‘ ist weit mehr als nur eine Revue mit alten Schlagern. Regisseurin Heidi Lehnert gelingt es, das Stück-im-Stück-Konzept konsequent durchzuhalten, ohne sich in Albernheiten zu verlieren. Der Slapstick sitzt, aber es bleibt Raum für Zwischentöne und kritische Reflexionen: NS-Anspielungen, das Spiel mit falschen Identitäten, die Frage nach Authentizität und Selbsttäuschung – all das schwingt mit, ohne schwerfällig zu wirken. Dass der Abend auch gesellschaftlich-historische Dimensionen berührt, ist kein Zufall. Die Inszenierung lässt sich nicht auf plumpen Klamauk reduzieren, sondern erzählt auf kluge Weise vom Theater selbst – und von der Notwendigkeit, sich selbst immer wieder neu zu erfinden.

Fazit: Ein großer Wurf auf kleiner Bühne

Mit ‚Mein lieber Schwan‘ ist dem Theater im Gärtnerviertel ein wunderbar komisches, detailverliebtes und kluges Sommertheater gelungen. Gumbsch und Habermeyer liefern ein pointiertes, leidenschaftliches Spiel, die Musik passt wie angegossen, und das Bühnenbild schafft eine fast magische Atmosphäre. Ein Abend, der unterhält, überrascht und berührt – und der zeigt, wie viel Kraft in engagierter Theaterkunst stecken kann.

Weitere Aufführungen:

07.06. | 18.06. | 21.06. | 08.07. | 09.07. | 15.07. | 16.07. | 17.07. | 19.07. | 22.07. | 23.07.
Beginn jeweils um 20 Uhr, Spielort: WSV Neptun Bamberg, Bughof 30

Leah


Leah

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