Bei Bauarbeiten am Maximiliansplatz in Bamberg sind überraschende archäologische Funde ans Licht gekommen.
Im Zuge der Verlegung von Fernwärmeleitungen entdeckten Fachleute mehrere Skelette sowie Überreste spätmittelalterlicher Bebauung – Relikte aus einer Zeit, in der die Kirche Alt-St. Martin das Stadtbild prägte. Die Entdeckungen eröffnen spannende Einblicke in die Vergangenheit der Stadt und zeigen, was unter dem heutigen Rathausumfeld jahrhundertelang verborgen lag.
Bauarbeiten bringen Geschichte ans Licht
Die Grabungen fanden im direkten Umfeld des Rathauses am Maxplatz statt. Bereits im Vorfeld bestand der Verdacht, dass sich in diesem Bereich historische Spuren finden lassen könnten. Der Grund: Hier befand sich einst ein großer Friedhof rund um die ehemalige Pfarrkirche Alt-St. Martin. Entsprechend aufmerksam begleiteten Archäologinnen und Archäologen die Bauarbeiten. Schon nach kurzer Zeit bestätigte sich die Vermutung – und die Baustelle wurde zu einem bedeutenden Fundort.
Mehrere Skelette entdeckt
Im Bereich südlich des Haupteingangs des Rathauses wurden insgesamt fünf bis zehn Skelette freigelegt.
Die Funde zeigen ein typisches Bild eines über lange Zeit genutzten Friedhofs:
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Einige Bestattungen lagen ordentlich in Ost-West-Ausrichtung
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Andere Knochen waren durcheinander gelagert
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Hinweise auf mehrfach belegte Grabstellen wurden sichtbar
Diese Strukturen deuten darauf hin, dass der Friedhof über Jahrhunderte hinweg intensiv genutzt wurde. Nach der Bergung wurden die sterblichen Überreste zunächst gesichert und werden nun wissenschaftlich weiter untersucht.
Spurensuche im Mittelalter
Die genaue Datierung der Skelette ist derzeit noch nicht abgeschlossen. Klar ist jedoch: Der Friedhof gehörte zur Pfarrei Alt-St. Martin, die vom 13. Jahrhundert bis 1802 bestand. Im Zuge der Säkularisation wurde die Kirche schließlich abgerissen. Danach veränderte sich die Bebauung des Maximiliansplatzes grundlegend.
An die Stelle der kirchlichen Anlage traten unter anderem:
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das Katharinenspital
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ein Priesterseminar
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der Vorläufer des heutigen Rathauses
Trotz dieser Veränderungen blieben viele Spuren der Vergangenheit im Boden erhalten – bis heute.
Versäumte Chancen in der Vergangenheit
Ein Blick zurück zeigt, dass nicht immer so sorgfältig mit historischen Funden umgegangen wurde. Beim Bau der Tiefgarage unter dem Maxplatz im Jahr 1969 wurde auf umfassende archäologische Untersuchungen verzichtet. Zahlreiche Überreste und Strukturen gingen dadurch verloren oder wurden nur unzureichend dokumentiert. Gerade deshalb ist die aktuelle Grabung von besonderer Bedeutung: Sie liefert wertvolle Erkenntnisse, die damals nicht gesichert werden konnten.
Reste mittelalterlicher Bürgerhäuser
Neben den menschlichen Überresten entdeckten die Archäologen auch bauliche Strukturen. Im Bereich gegenüber der Fundstelle der Skelette wurden Reste mittelalterlicher Gebäude freigelegt. Dabei handelt es sich vermutlich um frühere Bürgerhäuser, die einst am Rand des Friedhofs standen.
Zu den Funden gehören:
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Sandsteinmauern
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Überreste von Kelleranlagen
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ein gut erkennbarer Gewölbeansatz
Diese Strukturen lassen sich mit historischen Darstellungen in Verbindung bringen, insbesondere mit einem frühen Stadtplan aus dem Jahr 1602.
Historische Karten bestätigen die Funde
Der sogenannte Zweidler-Plan aus dem frühen 17. Jahrhundert zeigt Bamberg in einer Zeit, in der Alt-St. Martin noch das Zentrum des Platzes bildete. Auf dieser Darstellung sind neben der Kirche auch umliegende Gebäude erkennbar – darunter genau jene Bürgerhäuser, deren Überreste nun wieder ans Tageslicht gekommen sind. Die aktuellen Funde bestätigen somit historische Quellen und helfen dabei, das damalige Stadtbild besser zu rekonstruieren.
Wissenschaftliche Auswertung folgt
Die geborgenen Funde werden nun umfassend wissenschaftlich untersucht. Die Skelette werden zunächst eingelagert und anschließend anthropologisch analysiert.
Dabei könnten unter anderem folgende Fragen geklärt werden:
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Alter und Geschlecht der Bestatteten
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mögliche Krankheiten oder Lebensumstände
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genauere zeitliche Einordnung
Auch die baulichen Überreste werden dokumentiert und ausgewertet, um ein möglichst vollständiges Bild der früheren Bebauung zu erhalten.
Ein weiteres Kapitel Bamberger Stadtgeschichte
Die Ergebnisse der Grabungen werden in einem wissenschaftlichen Bericht zusammengefasst und veröffentlicht. Damit tragen sie dazu bei, ein weiteres Puzzlestück der Bamberger Geschichte sichtbar zu machen. Die aktuellen Funde zeigen eindrucksvoll, wie viele Spuren vergangener Jahrhunderte noch immer unter der Stadt verborgen liegen. Jede Baumaßnahme kann so zur Entdeckungsreise werden – und neue Erkenntnisse über das Leben, die Menschen und die Entwicklung Bambergs liefern.
Leah
Leah unterstützt die Redaktion von Bamberg – meine Stadt® als Expertin für digitale Recherche und lokales Datenmanagement. Sie ist darauf spezialisiert, historische Archive und aktuelle Stadtinfos präzise aufzubereiten, damit kein wichtiger Insider-Tipp aus dem bamberglieben®-Netzwerk verloren geht.
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