Die Otto-Friedrich-Universität Bamberg erhält eine umfangreiche Förderung für die Forschung zur Zukunft der Arbeitswelt.
Die Hans-Böckler-Stiftung unterstützt ein neues Promotionskolleg mit dem Titel ‚Arbeit: Qualität und Machtressourcen‘. Für die erste Förderphase stellt die Stiftung rund eine Million Euro bereit. Damit soll die Forschung zu Arbeit und sozialer Ungleichheit weiter gestärkt und gleichzeitig der wissenschaftliche Nachwuchs gefördert werden. Das Kolleg umfasst künftig acht Promotionsstipendien mit einer Laufzeit von jeweils drei Jahren. Zusätzlich wird eine Postdoktorandenstelle eingerichtet, die für viereinhalb Jahre gefördert wird. Die Stipendien sollen voraussichtlich ab dem Wintersemester 2026/27 ausgeschrieben werden.
Forschung zur Zukunft der Arbeitswelt
Im Mittelpunkt des neuen Promotionskollegs steht die Frage, unter welchen Bedingungen Menschen gute Arbeit leisten können und welche Möglichkeiten Beschäftigte haben, ihre Interessen zu vertreten. Untersucht werden dabei unterschiedliche Aspekte der Arbeitsqualität. Dazu gehören unter anderem:
- Arbeitsplatz- und Beschäftigungssicherheit
- Entlohnung
- Qualifizierungsmöglichkeiten
- Arbeitszeitautonomie
- Gesundheitsschutz
- Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben
Darüber hinaus geht es um die sogenannten Machtressourcen von Beschäftigten. Dazu zählen beispielsweise Qualifikationen, Gewerkschaften, Betriebs- und Personalräte sowie gesetzlich verankerte Mitbestimmungsrechte.
Digitalisierung und Wandel verändern die Arbeit
Das Promotionskolleg beschäftigt sich mit Entwicklungen, die die Arbeitswelt zunehmend verändern. Dazu gehören die Digitalisierung, der demografische Wandel und ökologische Transformationen. Auch geopolitische Veränderungen wirken sich auf Arbeitsmärkte und betriebliche Strukturen aus. Die Forschenden wollen deshalb untersuchen, welche Folgen diese Entwicklungen für die Qualität von Arbeit haben. Eine weitere zentrale Frage lautet, welche Faktoren die Mitbestimmung und Teilhabe von Beschäftigten stärken oder schwächen. Damit verbindet das Kolleg verschiedene Perspektiven auf Arbeit, Beschäftigung und soziale Ungleichheit.
Gesellschaftlicher Zusammenhalt im Blick
Prof. Dr. Katja Möhring, Professorin für Soziologie mit Schwerpunkt Familie und Arbeit sowie Sprecherin des Promotionskollegs, verweist auf die gesellschaftliche Bedeutung des Forschungsvorhabens. Die aktuellen Veränderungen würden nicht nur Arbeitsplätze und Arbeitsabläufe betreffen. Sie könnten auch Auswirkungen darauf haben, wie Beschäftigte ihre Arbeit erleben und welche Möglichkeiten sie haben, ihre Interessen einzubringen. Prof. Dr. Olaf Struck, Professor für Arbeitswissenschaft und ebenfalls Sprecher des Promotionskollegs, betont die Bedeutung guter Arbeitsbedingungen und wirksamer Mitbestimmung. Das Kolleg soll deshalb genauer untersuchen, welche individuellen, betrieblichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen dazu beitragen, Arbeitsqualität und Handlungsmöglichkeiten von Beschäftigten nachhaltig zu verbessern.
Universität sieht Anerkennung ihrer Forschung
Für die Universität Bamberg ist die Bewilligung des Promotionskollegs zugleich eine Anerkennung ihrer bisherigen Forschung. Prof. Dr. Thomas Saalfeld, Vizepräsident für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs, bezeichnete die Förderung als großen Erfolg. Sie zeige die langjährig aufgebaute Expertise eines aktiven Forschungsclusters im Bereich Arbeit und soziale Ungleichheit. Besonders wichtig sei dabei die Förderung von Forschenden am Anfang ihrer wissenschaftlichen Laufbahn. Mit acht Promotionsstipendien und der Einbindung in die Bamberg Graduate School of Social Sciences sollen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Möglichkeit erhalten, sich in einem interdisziplinären Forschungsumfeld weiterzuentwickeln.
Nachwuchsförderung mit acht Promotionsstipendien
Die geplanten Stipendien bieten Nachwuchsforschenden die Möglichkeit, sich über einen Zeitraum von drei Jahren intensiv mit Fragen rund um Arbeit, Arbeitsqualität und Machtressourcen zu beschäftigen. Ergänzt wird das Angebot durch die Postdoktorandenstelle mit einer Laufzeit von viereinhalb Jahren. Insgesamt entsteht damit ein strukturiertes Umfeld für die wissenschaftliche Weiterqualifikation. Die Promovierenden werden zugleich Mitglieder der Bamberg Graduate School of Social Sciences (BAGSS). Dadurch erhalten sie Zugang zu einem interdisziplinären Forschungsumfeld und einem umfangreichen Qualifizierungsangebot.
Breites Netzwerk an Forschungspartnern
Das neue Promotionskolleg kann auf eine breite Expertise innerhalb der Universität Bamberg zurückgreifen. Beteiligt sind Forschende aus verschiedenen Bereichen. Dazu gehören unter anderem die Arbeitsmarkt-, Arbeits- und Ungleichheitsforschung, die Bildungs- und Lebensverlaufsforschung sowie die Sozialpolitik. Darüber hinaus arbeitet das Kolleg mit mehreren Partnerinstitutionen zusammen. Dazu zählen die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe. Auch eine Zusammenarbeit mit dem DGB-Index ‚Gute Arbeit‘ ist vereinbart.
Zugang zu Forschungsdaten und Praxiswissen
Die Kooperationen eröffnen den Forschenden Zugang zu umfangreichen Forschungsdaten. Gleichzeitig soll der Austausch mit unterschiedlichen Akteurinnen und Akteuren gefördert werden. Dazu gehören Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Die Zusammenarbeit ermöglicht es den Promovierenden, ihre Forschung in ein breites fachliches Umfeld einzubetten. Damit verbindet das Promotionskolleg wissenschaftliche Arbeit mit Fragestellungen, die für die Entwicklung von Arbeitsmärkten und betrieblichen Strukturen relevant sind.
Bamberg Graduate School bietet strukturiertes Umfeld
Durch die Einbindung in die BAGSS erhalten die Promovierenden zusätzliche Möglichkeiten für ihre wissenschaftliche Qualifizierung. Neben dem interdisziplinären Austausch steht ein breites Angebot zur Weiterentwicklung wissenschaftlicher Kompetenzen zur Verfügung. Gleichzeitig können die Nachwuchsforschenden mit anderen Promovierenden aus den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften zusammenarbeiten. Die Universität schafft damit einen Rahmen, in dem die einzelnen Forschungsvorhaben miteinander verbunden und aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven betrachtet werden können.
Bamberger Forschungsschwerpunkt wird gestärkt
Mit dem neuen Promotionskolleg baut die Universität Bamberg ihren Forschungsschwerpunkt ‚Empirische Sozialforschung zu Bildung und Arbeit‘ weiter aus. Gleichzeitig werden bestehende Kooperationen mit langjährigen Partnerinstitutionen vertieft. Die Förderung der Hans-Böckler-Stiftung stärkt damit sowohl die Forschung als auch die Nachwuchsförderung. Im Zentrum bleibt die Frage, wie sich die Arbeitswelt verändert und welche Auswirkungen diese Veränderungen auf Beschäftigte haben.
















