Mit dem Digitalpakt 2.0 investieren Bund und Länder bis 2030 rund fünf Milliarden Euro in die Digitalisierung deutscher Schulen.
Neue Geräte, bessere Infrastruktur und moderne Software stehen dabei im Fokus. Doch Fachleute sind sich einig: Digitale Bildung bedeutet weit mehr als technische Ausstattung. Forschende der Universität Bamberg zeigen, dass nachhaltige Digitalisierung im Bildungsbereich nur dann gelingt, wenn Lehrkräfte gezielt unterstützt und weitergebildet werden. Genau hier setzt der Kompetenzverbund ‚lernen:digital‘ an, der innovative Konzepte für modernes Lehren und Lernen entwickelt hat.
Fortbildungen, die im Unterricht ankommen
Im Rahmen von ‚lernen:digital‘ wurden praxisnahe Fortbildungsangebote entwickelt, die Lehrkräfte direkt im Schulalltag unterstützen. Ziel ist es, digitale Medien fachspezifisch und sinnvoll einzusetzen – nicht nur als Ergänzung, sondern als integralen Bestandteil des Unterrichts. Die Angebote decken zahlreiche Fächer und Schulformen ab. Themen reichen von ‚KI im Literaturunterricht‘ über digitale Medien im sprachsensiblen Unterricht bis hin zu sozialen Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube im Kontext von Grundschulen. Ein entscheidender Vorteil: Die Fortbildungen bleiben auch nach Projektende kostenfrei verfügbar – sowohl online als auch in Präsenzformaten.
Unterschiedliche Projekte, gemeinsames Ziel
Die Universität Bamberg war an insgesamt fünf Projektverbünden beteiligt, die verschiedene Aspekte der digitalen Transformation beleuchteten. Trotz unterschiedlicher Schwerpunkte verfolgten alle ein gemeinsames Ziel: Lehrkräfte zu befähigen, digitale Kompetenzen effektiv in ihren Unterricht zu integrieren. Ein Projekt konzentrierte sich auf sprachliche, gesellschaftliche und wirtschaftswissenschaftliche Fächer. Hier entstanden konkrete Unterrichtsmodule, die direkt eingesetzt werden können. Ein weiteres Projekt richtete sich an Schulleitungen und entwickelte Konzepte für digitale Kommunikation und Zusammenarbeit. Dazu gehören etwa Trainings für Beratungsgespräche im virtuellen Raum oder Selbstlernkurse für digitale Elterngespräche. Auch die berufliche Bildung profitierte von neuen Ansätzen: Ein innovatives Konzept kombiniert die Analyse individueller Kompetenzen mit maßgeschneiderten Mikro-Fortbildungen. Lehrkräfte können so gezielt ihre Fähigkeiten ausbauen – etwa im Bereich Künstliche Intelligenz.
Digitale Bildung in Kunst, Kultur und Sport
Digitale Transformation betrifft nicht nur klassische Unterrichtsfächer. Auch in Bereichen wie Kunst, Musik oder Sport entstehen neue Möglichkeiten. Die entwickelten Fortbildungen zeigen, wie multimediale Inhalte sinnvoll eingesetzt werden können und wie Lehrkräfte ihren eigenen Umgang mit digitalen Medien reflektieren. Dadurch wird deutlich: Digitale Bildung ist ein ganzheitlicher Prozess, der alle Fachbereiche einbezieht.
Demokratiebildung im digitalen Raum
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Förderung demokratischer Kompetenzen in einer digital vernetzten Welt. Im Rahmen eines Projektverbunds wurden Materialien und Konzepte entwickelt, die internationale Zusammenarbeit zwischen Schulen ermöglichen. Lehrkräfte erhalten Werkzeuge, um digitale Schulpartnerschaften aufzubauen und globale Perspektiven in den Unterricht zu integrieren. Eine Online-Veranstaltungsreihe mit Teilnehmenden aus 19 Ländern zeigt, welches Potenzial in der digitalen Vernetzung von Bildungseinrichtungen steckt.
Mehr als Technik: Der Blick auf die Fächer
Ein zentraler Punkt der Forschung: Die Digitalisierung darf nicht nur technisch gedacht werden. Vielmehr verändert sie die Inhalte, Methoden und Perspektiven einzelner Schulfächer. Ein moderner Unterricht muss diese Veränderungen berücksichtigen. Lehrkräfte spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie müssen in der Lage sein, digitale Entwicklungen aus der Perspektive ihres Fachs heraus zu gestalten und sinnvoll in den Unterricht zu integrieren. Nur so entsteht ein nachhaltiger Mehrwert für Schülerinnen und Schüler.
Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg
Ein entscheidender Erfolgsfaktor des Projekts war die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis. Lehrkräfte, Schulen, Bildungsinstitutionen und Forschungseinrichtungen arbeiteten gemeinsam an der Entwicklung der Fortbildungen. Diese Kooperation stellte sicher, dass die Angebote nicht nur theoretisch fundiert, sondern auch praxisnah und direkt anwendbar sind. Die Einbindung regionaler Partner wie der Regierung von Oberfranken und der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen spielte dabei eine wichtige Rolle.
Nachhaltige Wirkung über das Projekt hinaus
Obwohl die Projektarbeit im März 2026 abgeschlossen wurde, wirken die Ergebnisse weiterhin nach. Die entwickelten Materialien, Fortbildungen und Netzwerke stehen Schulen langfristig zur Verfügung. Damit schafft das Projekt eine solide Grundlage für zukünftige Entwicklungen im Bereich der digitalen Bildung. Lehrkräfte können auch künftig auf die erarbeiteten Inhalte zugreifen und ihre Kompetenzen kontinuierlich erweitern.
Universität Bamberg stärkt ihre Rolle in der Lehrkräftebildung
Durch die Beteiligung am Kompetenzverbund konnte die Universität Bamberg ihre Expertise im Bereich der Lehrkräftebildung weiter ausbauen. Über 200 Projektverbünde waren bundesweit beteiligt, mehr als vier Millionen Euro an Drittmitteln flossen nach Bamberg. Zudem wurden zahlreiche neue Stellen für wissenschaftliche Mitarbeitende geschaffen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit – von Bildungswissenschaft über Fachdidaktik bis hin zur Informatik – zeigt, wie vielfältig digitale Bildung gedacht werden kann.
Bildung neu denken – für eine digitale Zukunft
Die Ergebnisse aus Bamberg machen deutlich: Digitale Bildung ist kein Selbstläufer. Sie erfordert durchdachte Konzepte, qualifizierte Lehrkräfte und eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis. Technik allein reicht nicht aus. Erst durch die richtige Anwendung im Unterricht entfaltet sie ihr volles Potenzial. Die entwickelten Fortbildungen zeigen, wie dieser Weg gelingen kann – und bieten Lehrkräften konkrete Unterstützung für den Schulalltag in einer zunehmend digitalen Welt.















