Mit stehenden Ovationen ist Johann Kalb nach 36 Jahren in der Kommunalpolitik verabschiedet worden.
Mehr als 300 Gäste waren in den Cleantech Innovation Park in Hallstadt gekommen, um dem scheidenden Landrat ihren Respekt zu erweisen und Danke zu sagen.
Würdigung eines politischen Lebenswerks
In seiner Festrede bezeichnete Martin Schöffel Kalb als „politisches Urgestein“ und hob dessen prägende Rolle für den Landkreis Bamberg und ganz Oberfranken hervor. In Vertretung von Markus Söder würdigte er insbesondere Kalbs Fähigkeit, Herausforderungen in Chancen zu verwandeln. Ein Beispiel dafür sei die Entwicklung des ehemaligen Michelin-Geländes, das heute als Innovationsstandort neue Perspektiven für Forschung und Technologietransfer biete.
Ein Politiker nah bei den Menschen
In seiner Abschiedsrede zeigte sich Kalb sichtlich bewegt. „Man muss Menschen mögen“, betonte er – ein Satz, der seinen politischen Stil über Jahrzehnte hinweg geprägt hat. Der direkte Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern sei für ihn stets im Mittelpunkt gestanden. Gleichzeitig unterstrich er die Bedeutung eines starken Umfelds: Ohne die Unterstützung seiner Familie und die Zusammenarbeit mit einer engagierten Verwaltung wären viele Erfolge nicht möglich gewesen.
Krisen gemeinsam gemeistert
Besonders hob Kalb die gemeinschaftliche Bewältigung großer Herausforderungen hervor. Ob während der Corona-Pandemie oder bei der Unterbringung von Geflüchteten – stets habe man im Landkreis gemeinsam Lösungen gefunden. Diese Zusammenarbeit sei ein entscheidender Faktor für die positive Entwicklung der Region gewesen.
Engagement über die Region hinaus
Kalbs Wirken reichte weit über die Grenzen des Landkreises hinaus. Als Vorsitzender der Europäischen Metropolregion Nürnberg setzte er sich für internationale Zusammenarbeit und den europäischen Gedanken ein. Ein besonderes Projekt war die Initiative ‚Cisterscapes‘, die 17 zisterziensische Klosterlandschaften in fünf Ländern verbindet und mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet wurde. Damit habe Kalb einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Identität Europas geleistet.
Wirtschaft, Kultur und Lebensqualität im Fokus
In den Reden wurde deutlich, dass Kalb stets die Balance zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und kultureller Vielfalt im Blick hatte. „Ohne Kultur ist eine Gesellschaft tot“, sagte er selbst und warb auch bei seinem Abschied für deren Bedeutung. Sein Engagement für regionale Identität zeigte sich unter anderem im ’36 Kreisla‘, das als Symbol für Heimatverbundenheit und wirtschaftliche Stärke gilt.
Anerkennung von Weggefährten
Auch weitere Wegbegleiter würdigten Kalbs Verdienste. Henry Schramm lobte seine Bodenständigkeit und Verlässlichkeit. Der Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner hob die enge Zusammenarbeit der oberfränkischen Landräte hervor. In einer Videobotschaft betonte Ministerpräsident Markus Söder, Kalb habe „nicht groß geredet, sondern gemacht“ – und dabei viel für die Region erreicht.
Persönliche Worte zum Abschied
Für einen besonders emotionalen Moment sorgte Kalbs Ehefrau Monika. Mit einem Augenzwinkern erklärte sie, dass nun ein neuer Lebensabschnitt beginne: als „Vollzeitmann, -vater und -opa“. Diese Worte spiegelten die persönliche Seite eines Mannes wider, der über Jahrzehnte hinweg Verantwortung getragen hat und nun mehr Zeit für Familie und Freunde haben wird.
Ein Vermächtnis für die Region
Auch stellvertretender Landrat Bruno Kellner betonte in seiner Ansprache die nachhaltigen Erfolge Kalbs. Der Landkreis Bamberg sei wirtschaftlich stark aufgestellt, wachse kontinuierlich und biete hervorragende Bildungs- und Lebensbedingungen. Der aktive Umgang mit Strukturwandel, insbesondere in der Automobilzulieferindustrie, zeige, dass die Region gut für die Zukunft gerüstet sei.
Ein Abschied, der zugleich ein Neubeginn ist
Mit dem Ende seiner Amtszeit geht eine Ära zu Ende. Johann Kalb hinterlässt einen Landkreis, der sich durch wirtschaftliche Stärke, kulturelle Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt auszeichnet. Sein Abschied ist jedoch nicht nur ein Rückblick, sondern auch ein Ausblick – auf neue Wege, neue Aufgaben und mehr Zeit für das Private. Die Spuren seines Wirkens werden in der Region jedoch noch lange sichtbar bleiben.
















