Mit ‚Ungeheuerlichkeiten‘, dem Musical-Podcast-Konzert des TiG (Theater im Gärtnerviertel), ist ein Abend gelungen, der ebenso unterhaltsam wie überraschend tiefgründig daherkommt.
In Kooperation mit dem Rock- und Popchor ‚KlangArt‘ des Gesangvereins Liederhort Gaustadt entfaltet sich im Kultur im Alten Kino ein facettenreiches Spiel mit den Monstern der Literatur- und Musicalgeschichte – und mit den Abgründen des Menschlichen selbst.
Ein originelles Konzept mit langer Geschichte
Die Wurzeln des Projekts reichen bis ins Jahr 2010 zurück, als Patrick L. Schmitz erstmals die Idee entwickelte, die ‚Ungeheuer‘ der Musicalwelt in einem gemeinsamen Programm zu vereinen. Was damals begann, ist nun – gemeinsam mit Laura Mann – zu einem ausgefeilten Bühnenformat herangereift, das klassische Musicalnummern mit einem modernen Podcast-Konzept verknüpft.
Gerade diese Mischung erweist sich als kluger Kunstgriff: Vorproduzierte Podcast-Einspieler strukturieren den Abend, liefern Hintergrundinformationen, kommentieren augenzwinkernd das Geschehen und eröffnen immer wieder neue gedankliche Perspektiven. Gleichzeitig ermöglichen sie schnelle Kostümwechsel und Rollenwechsel hinter der Bühne, ohne den Spielfluss zu unterbrechen. So entsteht ein dynamisches Wechselspiel zwischen Erzählung, Reflexion und musikalischer Darbietung.
Monster als Spiegel menschlicher Abgründe
Inhaltlich bewegt sich der Abend auf zwei Ebenen: Zum einen begegnet das Publikum den klassischen ‚äußeren‘ Monstern – Figuren wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Graf Dracula, Hexen oder andere schaurige Gestalten der Musicalwelt. Zum anderen werden ‚Ungeheuerlichkeiten‘ im übertragenen Sinn thematisiert: menschliche Grausamkeit, moralische Abgründe und die Frage danach, wer eigentlich bestimmt, was ‚monströs‘ ist. Gerade diese zweite Ebene verleiht dem Abend seine bemerkenswerte Tiefe. Hinter der humorvollen Oberfläche blitzen immer wieder nachdenkliche Momente auf, die das Publikum dazu einladen, die gezeigten Figuren neu zu betrachten – nicht als bloße Schreckgestalten, sondern als tragische, oft zutiefst menschliche Charaktere.
Darstellerische Glanzleistungen und musikalische Präzision
Besonders hervorzuheben ist Patrick L. Schmitz, der in der Darstellung von Dr. Jekyll und Mr. Hyde die innere Zerrissenheit der Figur eindrucksvoll verkörpert. Mit nuancierter Mimik und großer Bühnenpräsenz gelingt es ihm, den Wechsel zwischen den beiden Persönlichkeiten glaubhaft und fesselnd darzustellen. Laura Mann überzeugt nicht nur durch ihre stimmliche Brillanz, sondern auch durch ihre Vielseitigkeit. Insbesondere in einer Szene aus ‚Les Miserables‘ oder als Christine aus ‚Das Phantom der Oper‘ entfaltet sie eine beeindruckende emotionale Intensität, die das Publikum hörbar bewegt. Ihr Gesang sticht insgesamt durch Klarheit, Ausdruckskraft und technische Souveränität hervor. Unterstützt werden die beiden von den Live-Musikern Stephan Goldbach und Franz Tröger, die dem Abend eine besondere Atmosphäre verleiht, sowie vom Chor ‚KlangArt‘, der dem Klangbild zusätzliche Fülle und Dynamik schenkt.
Wandelbare Kostüme und ein stimmiger Spielort
Humor, Tiefgang und begeistertes Publikum
Trotz der stellenweise thematischen Schwere dominiert ein spielerischer, oft humorvoller Ton den Theaterabend. Das Publikum wird nicht nur zum Nachdenken angeregt, sondern auch immer wieder zum Lachen gebracht. Diese Balance zwischen Unterhaltung und Reflexion gelingt bemerkenswert gut. Der langanhaltende Applaus und die Standing Ovations am Premierenabend sprechen eine deutliche Sprache: ‚Ungeheuerlichkeiten‘ trifft den Nerv des Publikums – als klug konzipierter, musikalisch hochwertiger und emotional vielschichtiger Theaterabend.
Weitere Termine und praktische Informationen
Nach der Premiere am 8. April 2026 wird das Stück an mehreren Abenden im Kultur im Alten Kino (Aufbaustraße 16) gezeigt: 10., 11., 15., 16., 17., 23., 25., 28., 29. und 30. April sowie am 2. Mai 2026. Beginn ist jeweils um 19:30 Uhr, Einlass ab 18:45 Uhr. Die Dauer beträgt etwa zwei Stunden inklusive Pause. Tickets sind im Vorverkauf sowie an der Abendkasse erhältlich (ermäßigte Preise für Studierende und Schüler*innen). Zu beachten ist zudem, dass in einer Szene Stroboskopeffekte eingesetzt werden.
‚Ungeheuerlichkeiten-‚ ist weit mehr als eine bloße Aneinanderreihung bekannter Musicalnummern. Die Produktion verbindet auf originelle Weise Musik, Theater und modernes Storytelling und schafft dabei einen Abend, der gleichermaßen unterhält, berührt und zum Nachdenken anregt. Ein gelungenes Beispiel dafür, wie kreativ und zeitgemäß Musiktheater heute sein kann.
















