Der Kunstverein Bamberg e. V. präsentiert mit der Ausstellung ‚Heike Baranowsky – Soliloquio‘ eine umfassende Überblicksschau über das Werk einer der prägnantesten deutschen Videokünstlerinnen der Gegenwart.
In der Villa Dessauer sind Arbeiten aus drei Jahrzehnten künstlerischen Schaffens zu sehen – noch bis zum 18. Januar 2026.
Drei Jahrzehnte künstlerische Forschung
Die Ausstellung vereint Videoarbeiten, Skulpturen, Cyanotypien sowie fotografische Bildserien von Heike Baranowsky. Die gezeigten Werke geben einen tiefen Einblick in eine künstlerische Praxis, die sich durch kontinuierliche Recherche, Präzision und poetische Bildfindung auszeichnet. Begleitend zur Ausstellung wird erstmals Baranowskys neues Buch ‚At the Still Point‘ vorgestellt. Die Publikation bündelt ihre künstlerischen und methodischen Ansätze und macht diese in ihrer Gesamtheit zugänglich.
Wahrnehmung, Zeit und Bewegung als künstlerischer Kern
Heike Baranowskys Arbeiten entstehen häufig aus langjährigen Beobachtungsprozessen. Mit beinahe wissenschaftlicher Geduld untersucht sie Lichtphänomene, Bewegungsabläufe, räumliche Konstellationen und architektonische Strukturen. Ihre Filme und Animationen basieren oft auf seriellen Verfahren, Loops und Zeitdehnungen, die alltägliche Abläufe sichtbar machen, welche dem menschlichen Auge normalerweise entgehen. So entstehen Bildräume, die gleichermaßen analytisch wie poetisch sind.
‚Soliloquio‘: Das Licht als Zeitmesser
Im Zentrum der Ausstellung steht das titelgebende Werk ‚Soliloquio‘ (2023). Die Stop-Motion-Animation entstand über den Zeitraum eines ganzen Jahres und verfolgt die Bewegung des Sonnenlichts in der römischen Kirche Santa Maria degli Angeli. Baranowsky fotografierte an allen astronomisch bedeutsamen Tagen den Lichtfleck, der entlang der berühmten Meridianlinie durch den Kirchenraum wandert. In einem aufwendigen Prozess wurden die Einzelbilder zu einer animierten Sequenz zusammengeführt, die den Fluss der Zeit sichtbar macht, ohne ihn direkt abzubilden.
Weitere Schlüsselwerke der Künstlerin
Neben ‚Soliloquio‘ zeigt die Ausstellung weitere zentrale Arbeiten aus Baranowskys Œuvre. Gemeinsam verdeutlichen sie ihre konsequente Auseinandersetzung mit Zeit, Wahrnehmung und Raum sowie ihre Fähigkeit, komplexe Natur- und Bewegungsphänomene in eine reduzierte, visuelle Sprache zu übersetzen. Die Ausstellung lädt dazu ein, sich auf entschleunigte Bildwelten einzulassen und alltägliche Phänomene neu zu betrachten.
















