Der Jugendkreistag Bamberg setzt sich für einen unkomplizierten Zugang zu Menstruationsartikeln ein.
Dafür wurden im Landratsamt Bamberg am 20. Oktober 2026 symbolisch 30 Menstruationsartikelspender übergeben. Sie sollen künftig an weiterführenden Schulen und in Jugendzentren der Bildungsregion Bamberg zum Einsatz kommen. Ziel der Initiative ist es, Binden und Tampons kostenfrei und niedrigschwellig zugänglich zu machen. Damit sollen insbesondere Mädchen und junge Frauen unterstützt werden, die sich Menstruationsprodukte nicht ohne Weiteres leisten können oder bislang nur eingeschränkten Zugang dazu haben.
Initiative geht auf das Jahr 2023 zurück
Die Idee für das Projekt entstand bereits 2023 im Jugendkreistag Bamberg. Mit der Bereitstellung der ersten 30 Spender ist nun ein wichtiger Schritt zur Umsetzung gelungen. Alle Spender werden zunächst mit Binden und Tampons ausgestattet. Zehn der Spender sind für Real- und Mittelschulen im Landkreis Bamberg vorgesehen. Die Finanzierung übernehmen der Jugendkreistag, die beteiligten Gemeinden und die Soroptimistinnen. Weitere 20 Spender sollen in Jugendzentren der Bildungsregion aufgestellt werden. Für diese übernehmen der Jugendkreistag, der Landkreis Bamberg und die Gesundheitsregion Plus die Finanzierung.
Menstruation soll kein Hindernis sein
Bettina Hensel, ehemalige Sprecherin des Jugendkreistags und Initiatorin des Projekts, betonte bei der Übergabe die Bedeutung des Vorhabens. Menstruation sei ein normaler Bestandteil des Lebens. Niemand sollte wegen fehlender Produkte vom Unterricht, von Freizeitangeboten oder vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden. Mit den frei zugänglichen Menstruationsartikeln wolle der Jugendkreistag konkrete Unterstützung leisten, finanzielle Hürden abbauen und zugleich dazu beitragen, das Thema Menstruation zu enttabuisieren. Auch Landrat Johannes Maciejonczyk lobte das Engagement der Jugendlichen. Er hob hervor, dass der Jugendkreistag ein wichtiges gesellschaftliches Thema aufgegriffen habe und sich mit dem Projekt wirksam für mehr Gleichberechtigung und Chancengleichheit einsetze.
Viele Einrichtungen stellen bislang keine Periodenprodukte bereit
Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigen die vorliegenden Erhebungen zur Bildungsregion Bamberg. Demnach werden an 73 Prozent der Schulen und Jugendzentren bislang keine Periodenprodukte bereitgestellt oder sie sind nur auf Nachfrage erhältlich. Der Jugendkreistag möchte diesen Zustand verändern. Wenn Menstruationsartikel direkt und unkompliziert verfügbar sind, können Betroffene sie nutzen, ohne sich zunächst an eine Ansprechperson wenden zu müssen. Das soll den Zugang erleichtern und mögliche Hemmschwellen reduzieren. Für viele Mädchen und junge Frauen kann das eine wichtige Unterstützung im Schul- und Freizeitalltag sein. Die Spender sollen dazu beitragen, dass fehlende Menstruationsprodukte nicht zum Grund werden, Unterricht oder andere Aktivitäten zu verpassen.
Gleichberechtigung und Gesundheit im Blick
Kostenfreie Menstruationsartikel können dazu beitragen, bestehende Benachteiligungen abzubauen. Besonders für Mädchen und junge Frauen aus einkommensschwachen Familien kann die regelmäßige Anschaffung von Binden und Tampons eine finanzielle Belastung darstellen. Nach den genannten Erhebungen empfinden 23 Prozent der Frauen und Mädchen Periodenprodukte als finanzielle Belastung. Wenn Produkte aus Kostengründen zu sparsam oder nicht sachgerecht verwendet werden, kann das gesundheitliche Risiken und zusätzliche psychische Belastungen mit sich bringen. Die Initiative unterstützt damit auch das Nachhaltigkeitsziel 5 der Vereinten Nationen, das sich für Geschlechtergleichheit einsetzt. Ein kostenfreier Zugang zu Menstruationsartikeln soll gleiche Chancen schaffen und verhindern, dass finanzielle Umstände die Teilhabe am Bildungs- und Gesellschaftsleben beeinträchtigen.
Offener Umgang mit Menstruation fördern
Neben der praktischen Hilfe verfolgt das Projekt ein weiteres Ziel: Menstruation soll selbstverständlicher und offener thematisiert werden können. Frei zugängliche Produkte in Schulen und Jugendzentren können dazu beitragen, Unsicherheiten und Scham abzubauen. Die Erhebungen zeigen zudem eine breite Unterstützung für solche Angebote. Demnach sprechen sich 80 Prozent der Frauen und Mädchen für kostenfreie Menstruationsprodukte in öffentlichen Gebäuden aus. Insgesamt befürworten 66 Prozent der Bevölkerung ein entsprechendes Angebot. Bei der symbolischen Übergabe im Landratsamt waren neben Landrat Johannes Maciejonczyk und Bettina Hensel auch Markus Bria, Koordinator des Jugendkreistags, Dr. Ingrid Stöhr, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte am Landratsamt Bamberg, Alexandra Hölzlein von der Fachstelle Prävention sowie Dr. Susanne Nick, Fachbereichsleitung Gesundheitswesen, anwesend. Der Jugendkreistag bedankte sich außerdem bei den Soroptimistinnen des Clubs Bamberg Wilde Rose, die durch Sonja Pelz und Dr. Elisabeth Barth-Söder vertreten waren, für ihre Unterstützung.
Das Angebot soll weiter wachsen
Mit den ersten 30 Spendern ist ein Anfang gemacht. Langfristig möchte der Jugendkreistag erreichen, dass alle weiterführenden Schulen und Jugendzentren in der Bildungsregion Bamberg kostenfreie Menstruationsartikel anbieten. Die Initiative verbindet damit konkrete Unterstützung im Alltag mit einem gesellschaftlichen Anliegen: Alle Mädchen und jungen Frauen sollen unabhängig von ihrer finanziellen Situation Zugang zu notwendigen Menstruationsprodukten haben. Zugleich soll das Projekt dazu beitragen, Gleichberechtigung zu stärken und einen offenen Umgang mit dem Thema Menstruation zu fördern.













