Mit dieser Frage beschäftigen sich Stadt und Landkreis Bamberg künftig gemeinsam mit zahlreichen Organisationen aus der Region. Im Herbst 2026 startet das Pilotprojekt ‚Resiliente Region Bamberg‘. Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit der Region zu stärken und dafür zu sorgen, dass wichtige Strukturen auch in schwierigen Situationen funktionieren. Verwaltung, Einsatzorganisationen, Wirtschaft, Wissenschaft sowie Vereine und Verbände sollen dabei enger zusammenarbeiten.
Stromausfall, Cyberangriff oder gestörte Kommunikation
Wie wichtig eine gute Krisenvorsorge ist, zeigen Entwicklungen der vergangenen Jahre. Sabotageakte an Stromnetzen, Cyberangriffe und weitere Bedrohungen kritischer Infrastruktur machen deutlich, dass auch deutsche Regionen mit außergewöhnlichen Situationen rechnen müssen. Was passiert, wenn Strom oder Kommunikationsverbindungen über längere Zeit ausfallen? Wie kann die Bevölkerung informiert und versorgt werden, wenn Verkehrswege beeinträchtigt sind? Und was geschieht, wenn wichtige Einrichtungen nicht mehr wie gewohnt arbeiten können? Genau auf solche Szenarien soll sich die Region Bamberg besser vorbereiten.
Viele Akteure müssen im Ernstfall zusammenarbeiten
Krisenvorsorge, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung gehören bereits heute zu den Aufgaben von Stadt und Landkreis. Im Ernstfall müssen die Verantwortlichen dafür sorgen, dass die Bevölkerung informiert, versorgt und geschützt werden kann und wichtige öffentliche Leistungen möglichst aufrechterhalten bleiben. Dabei können Stadtverwaltung und Landratsamt die Herausforderungen nicht alleine bewältigen. Entscheidend ist vielmehr, dass zahlreiche Stellen miteinander funktionieren und im Ernstfall wissen, was zu tun ist. Deshalb sollen im Projekt unter anderem Feuerwehren, Rettungs- und Hilfsorganisationen, Behörden, Unternehmen und Versorgungsbetriebe eingebunden werden. Auch Einrichtungen aus Gesundheitswesen, Bildung und Wissenschaft sowie Vereine, Verbände und weitere Organisationen der Zivilgesellschaft sind beteiligt.
Abhängigkeiten und Kommunikationswege im Fokus
Gemeinsam wollen die Beteiligten zunächst untersuchen, was in der Region bereits gut funktioniert und wo Verbesserungsbedarf besteht. Ein wichtiger Punkt sind dabei gegenseitige Abhängigkeiten. Welche Einrichtungen sind aufeinander angewiesen? Welche Kommunikationswege stehen im Krisenfall zur Verfügung? Und funktionieren Entscheidungsprozesse auch dann zuverlässig, wenn gewohnte Strukturen teilweise ausfallen? Durch die gemeinsame Analyse soll ein möglichst umfassendes Bild entstehen. Dabei geht es nicht darum, bereits bestehende Strukturen infrage zu stellen, sondern sie gezielt weiterzuentwickeln und mögliche Schwachstellen frühzeitig zu erkennen.
„Krisenvorsorge gelingt nur gemeinsam“
Oberbürgermeister Sebastian M. Niedermaier sieht in dem Projekt eine wichtige Möglichkeit, die Region langfristig besser auf Krisen vorzubereiten. Die Anforderungen an Städte und Gemeinden würden sich stetig verändern. Deshalb sei es wichtig, sich diesen Herausforderungen zu stellen. Besonders wertvoll sei dabei das Wissen der regionalen Experten, das im Rahmen des Projekts zusammengeführt werden soll. Auch Landrat Johannes Maciejonczyk betont die Bedeutung der Zusammenarbeit. ‚Krisenvorsorge gelingt nur gemeinsam‘, erklärt er. Das Projekt ermögliche es Stadt und Landkreis, bestehende Strukturen mit fachlicher Unterstützung weiterzuentwickeln und die eigene Handlungsfähigkeit auch in schweren Krisen nachhaltig zu stärken.
Planspiel soll den Ernstfall simulieren
Das Projekt startet im Herbst 2026 und ist in mehrere aufeinander aufbauende Schritte gegliedert. Zunächst werden Organisationen und Einrichtungen aus der Region persönlich angesprochen und zur Mitarbeit eingeladen. Anschließend analysieren die Beteiligten gemeinsam die bestehende Krisenvorsorge. In einem weiteren Schritt werden Kommunikationswege und Abhängigkeiten sichtbar gemacht. Daraus soll sich ein gemeinsames Bild ergeben, wo die Region bereits gut aufgestellt ist und an welchen Stellen Verbesserungen sinnvoll sind. Anschließend folgt ein moderiertes Planspiel. Ausgewählte Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen dabei ein realistisches Krisenszenario durchspielen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Kommunikation, Entscheidungsprozesse und die Zusammenarbeit verschiedener Stellen auch unter außergewöhnlichen Bedingungen funktionieren.
Keine Einschränkungen für die Bevölkerung
Für die Bevölkerung sind mit dem Projekt keine Einschränkungen verbunden. Eine öffentliche Großübung oder eine praktische Einsatzübung im Stadtgebiet oder Landkreis ist nicht vorgesehen. Stattdessen findet die Erprobung im Rahmen des moderierten Planspiels statt. Anschließend werden die Erkenntnisse aus den Gesprächen und der Simulation ausgewertet. Bis zum Herbst 2027 sollen daraus konkrete Handlungsempfehlungen für Stadt und Landkreis Bamberg entstehen.
Erkenntnisse sollen anderen Kommunen helfen
Das Projekt soll nicht nur der Region Bamberg zugutekommen. Die gewonnenen Erfahrungen werden anschließend so aufbereitet, dass auch andere Kommunen in Deutschland davon profitieren können. Damit könnte das Pilotprojekt über die Region hinaus eine Bedeutung bekommen. Erfolgreiche Ansätze und Erkenntnisse aus Bamberg sollen als Orientierung für andere Städte und Landkreise dienen, die ihre Krisenfestigkeit ebenfalls verbessern wollen.
Externe Fachleute unterstützen das Projekt
Geleitet wird das Projekt von Stadt und Landkreis Bamberg gemeinsam mit den beteiligten Organisationen aus der Region. Unterstützt werden sie von externen Fachleuten. Unter anderem begleitet BwConsulting die strukturierte Analyse. Das Unternehmen bringt zusätzlich Fachwissen zur Krisenvorsorge sowie zum Zusammenspiel von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft ein. Aufseiten von Stadt und Landkreis begleiten Christian Hinterstein, Referent für Öffentliche Sicherheit, Recht und Ordnung, sowie Florian Wendel, Fachbereichsleiter für Öffentliche Sicherheit und Ordnung, und ihre Teams das Projekt fachlich.
Gemeinsam vorbereitet für außergewöhnliche Situationen
Mit ‚Resiliente Region Bamberg‘ wollen Stadt und Landkreis einen umfassenden Blick auf die Krisenvorsorge werfen. Im Mittelpunkt steht dabei weniger ein einzelnes Szenario als vielmehr die Frage, wie gut die Region als Ganzes funktioniert, wenn gewohnte Abläufe plötzlich nicht mehr möglich sind. Die Beteiligung zahlreicher Akteure soll dabei helfen, Erfahrungen und Wissen zusammenzuführen. Am Ende sollen konkrete Maßnahmen stehen, die die Handlungsfähigkeit der Region verbessern – und damit auch die Sicherheit und Versorgung der Bevölkerung in außergewöhnlichen Situationen stärken.















