Am Eichendorff-Gymnasium Bamberg wird soziales Engagement ganz praktisch gelebt: Im Rahmen des bundesweiten Mentoringprogramms ‚Balu und Du‘ begleiten Schülerinnen der 11. Jahrgangsstufe seit diesem Schuljahr regelmäßig Grundschulkinder der Rupprechtschule.
Das gemeinsame Pilotprojekt soll jungen Kindern mehr Unterstützung, Stabilität und persönliche Zuwendung im Alltag bieten. Die Jugendlichen übernehmen dabei die Rolle der sogenannten „Balus“, während die Grundschulkinder als „Moglis“ begleitet werden – inspiriert von den Figuren aus dem Dschungelbuch.
Verlässliche Begleitung auf Augenhöhe
Im Mittelpunkt des Projekts stehen regelmäßige Treffen zwischen den Tandems. Die Oberstufenschülerinnen verbringen Zeit mit den Kindern, unternehmen gemeinsam Aktivitäten und schaffen eine vertrauensvolle Beziehung außerhalb von Schule und Familie. Für die jüngeren Kinder bedeutet das zusätzliche Aufmerksamkeit, Stabilität und neue Erfahrungen im Alltag. Gleichzeitig entstehen oft enge Bindungen zwischen den Tandempartnern. „Dieses Projekt zeigt, was möglich ist, wenn Schülerinnen echte Verantwortung übernehmen dürfen. Wir sind stolz auf das, was hier entstanden ist“, erklärt Schulleiter Ansgar Lennartz.
Wissenschaftlich belegte positive Wirkung
Das Mentoringprogramm ‚Balu und Du‘ wird bundesweit bereits an zahlreichen Schulen umgesetzt und wissenschaftlich begleitet. Studien zeigen, dass teilnehmende Kinder häufig selbstbewusster werden, sich wohler in der Schule fühlen und ein stärkeres Zugehörigkeitsgefühl entwickeln. Doch auch die älteren Schülerinnen profitieren von ihrer Rolle als Mentorinnen. Sie übernehmen Verantwortung, stärken ihre sozialen Kompetenzen und sammeln wichtige Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen. Wie intensiv die Beziehungen innerhalb der Tandems werden können, beschreibt „Balu“ Mira aus der 11. Klasse: „Bei Balu und Du geht es darum, zu sehen, wie ein Kind sich Schritt für Schritt öffnet und immer mutiger wird. Man merkt mit der Zeit, wie eine vertrauensvolle Verbindung entsteht.“ Besonders emotional wurde es, als eine neunjährige „Mogli“ zu ihrer Mentorin sagte: „Ich wünschte, du wärst meine große Schwester.“
Bamberg wird zum Pilotstandort
Das Eichendorff-Gymnasium hat das Programm gemeinsam mit der Rupprechtschule Bamberg eingeführt. Pädagogisch begleitet werden die Schülerinnen und Schüler von Lehrerin und Projektleiterin Katrin Kaiser sowie den Schulsozialarbeiterinnen Lena Hecht-Wiechert und Tatjana Djukanovic. Unterstützt wurde die Einführung außerdem vom Bamberger Psychologen Dr. Michael Svitak, der das Konzept von ‚Balu und Du e.V.‘ nach Bamberg brachte und die Umsetzung vor Ort begleitete. Bambergs Zweiter Bürgermeister und Sozialreferent Jonas Glüsenkamp zeigte sich beeindruckt von der Professionalität des Projekts: „Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden bestens fachlich begleitet. Balu und Du trägt dazu bei, dass die jüngeren Mitglieder unserer Stadtgesellschaft sich zusammentun und gemeinsam durch bereichernde Erfahrungen wachsen.“
Elf Tandems treffen sich seit Oktober regelmäßig
Der Pilotversuch startete im Schuljahr 2025/26 mit insgesamt elf Balu-Mogli-Tandems. Seit Oktober 2025 treffen sich die Beteiligten regelmäßig und gestalten gemeinsam ihre Freizeit. Die offizielle Auftaktveranstaltung im April markierte nun den öffentlichen Abschluss der ersten Projektphase – gleichzeitig aber auch den Beginn weiterer Planungen und Entwicklungen.
Neue ‚Baghira-Erweiterung‘ soll Projekt ausbauen
Im Rahmen des sozialen Bamberger Hackathons ‚Mach halt!‘ entstand bereits eine Weiterentwicklung des Projekts: die sogenannte ‚Baghira-Erweiterung‘. Dabei sollen ältere Schülerinnen und Schüler künftig zusätzliche Verantwortung übernehmen und das Projekt organisatorisch begleiten. Geplant ist unter anderem, dass sie Sponsoren gewinnen, Veranstaltungen organisieren und das Projekt öffentlich vertreten. Ab dem kommenden Schuljahr soll dieses Konzept im zweiten P-Seminar-Durchgang am Eichendorff-Gymnasium umgesetzt werden. Projektleiterin Katrin Kaiser sieht darin ein besonders wertvolles Lernfeld: „Für mich als Lehrerin ist die Umsetzung und Weiterentwicklung der Mentoring-Idee von Balu und Du ein wertvolles und wirkungsvolles Lern- und Handlungsfeld.“
Vorbild für weitere Schulen
Auch Bambergs Schulreferentin Gabriele Kepic hofft auf eine Ausweitung des Projekts: „Es wäre in der Tat schön, wenn auch weitere Schulen sich für dieses Tandem-Projekt begeistern würden.“ Das erfolgreiche Pilotprojekt zeigt bereits jetzt, wie junge Menschen Verantwortung übernehmen und gleichzeitig andere Kinder stärken können – ein Modell, das künftig möglicherweise auch an weiteren Schulen umgesetzt wird.















