Es war weit mehr als nur ein weiterer Sieg in der Tabelle der easyCredit Basketball Bundesliga.
Für die 5.700 Zuschauerinnen und Zuschauer in der restlos ausverkauften BROSE ARENA fühlte sich dieser Abend wie ein Statement an. Die BMA365 Bamberg Baskets bezwangen im emotional aufgeladenen Frankenderby die Fitness First Würzburg Baskets mit 92:86 und setzten damit ein deutliches Ausrufezeichen im Kampf um Konstanz und Selbstvertrauen. Nach zuletzt zwei Niederlagen in Serie zeigte das Team von Head Coach Anton Gavel eine leidenschaftliche, mutige und vor allem geschlossene Leistung gegen den Tabellenzweiten. Angeführt von starken Individualleistungen und getragen von einer elektrisierenden Atmosphäre feierten die Bamberger ihren achten Saisonsieg – einen, der sportlich wie emotional besonders schwer wog.
Furioser Start: Bamberg von Beginn an im Angriffsmodus
Vor ausverkauftem Haus legten die Hausherren los, als gäbe es kein Morgen. Gerade einmal etwas mehr als eine Minute war gespielt, da hatten Richard Balint und Cobe Williams bereits zwei Dreier versenkt – 6:0 Bamberg. Wenig später erhöhte Ibi Watson ebenfalls von jenseits der 6,75-Meter-Linie auf 9:2. Die Marschroute war klar: Tempo, Mut und Distanzwürfe. Die ersten sieben Bamberger Abschlüsse kamen allesamt von außen, vier davon fanden ihr Ziel. Gleichzeitig präsentierte sich die Defensive hellwach. Gleich zweimal scheiterten die Würzburger in den ersten drei Minuten daran, überhaupt einen Wurf innerhalb der 24-Sekunden-Uhr abzugeben. Trotz kleiner Unsauberkeiten – darunter ein missglücktes Alley-Oop-Anspiel – zwang der aggressive Start Würzburgs Coach Sasa Filipovski früh zur Auszeit. Der erste Viertelabschnitt entwickelte sich anschließend zu einem offenen Schlagabtausch, in dem sich beide Teams nichts schenkten. Beim Stand von 24:24 ging es schließlich in die erste Pause.
Das Spiel der Läufe: Zweites Viertel voller Wendungen
Auch im zweiten Abschnitt blieb das Derby ein Spiel der schnellen Momentumwechsel. Bamberg startete mit einem 7:0-Lauf, gekrönt von einem Dunk von EJ Onu, und setzte sich zunächst auf 31:24 ab. Doch Würzburg antwortete prompt – ebenfalls mit einem 7:0-Run. Die Partie nahm nun Fahrt auf. Aus einem ausgeglichenen 36:36 formten Watson, Demarcus Demonia und Co. eine 9:0-Serie, die Bamberg wieder Luft verschaffte. Doch auch diesmal fanden die Gäste die passende Antwort. Dreier von Christian Skladanowski und Brae Ivey sowie ein Korbleger von Charles Thompson hielten die Unterfranken im Spiel. Erst in den letzten Sekunden vor der Pause konnten sich die Bamberger leicht absetzen. Zach Ensminger erzielte fünf wichtige Punkte, sodass es mit einer 50:44-Führung für die Gastgeber in die Kabinen ging.
Würzburg kommt mit Wucht aus der Pause
Die zweite Halbzeit begann aus Bamberger Sicht alles andere als ideal. Jonathan Stove erzielte sieben Punkte in Serie und drehte das Spiel binnen weniger als zwei Minuten. Plötzlich lag Würzburg wieder vorne. Hinzu kam, dass Demarcus Demonia früh sein viertes Foul kassierte – eine zusätzliche Herausforderung für die Rotation. Dennoch blieb die Stimmung in der BROSE ARENA auf höchstem Niveau, und das Derby entwickelte sich weiter zu einem intensiven Kräftemessen auf Augenhöhe. Bis zum 60:60 ging es Punkt um Punkt. Dann schalteten die Gäste noch einmal einen Gang höher. Ein schneller 7:0-Run innerhalb von 50 Sekunden brachte Würzburg eine 67:60-Führung ein. Bamberg wirkte kurzzeitig unter Druck, konnte aber vor dem letzten Viertel zumindest auf 62:67 verkürzen.
Ein letztes Viertel für die Geschichtsbücher
Was dann folgte, war ein Schlussabschnitt, der Derby-Charakter hatte. Zwei Dreier – von Demonia und Watson – brachten Bamberg wieder in Führung. Die Antwort Würzburgs ließ nicht lange auf sich warten, doch ein entscheidender Moment folgte wenig später. Nach einem Foul von Jonathan Stove an EJ Onu, das nach Coaches Challenge als unsportlich gewertet wurde, kippte das Momentum endgültig. Onu verwandelte die Freiwürfe, ehe Cobe Williams einen spektakulären Dreier nachlegte. Williams übernahm nun die Verantwortung. 11 seiner 22 Punkte erzielte der Spielmacher im Schlussviertel. Immer dann, wenn Würzburg näherkam, hatte Bamberg die passende Antwort. Ein weiterer Dreier zum 88:81 und zwei sichere Freiwürfe kurz vor Schluss besiegelten schließlich den 92:86-Heimsieg.
Starke Einzelkönner und geschlossene Teamleistung
Topscorer der Partie waren Ibi Watson (26 Punkte) und Cobe Williams (22 Punkte, 6 Assists). Beide prägten das Spiel nicht nur durch ihre Trefferquote, sondern auch durch ihre Präsenz in den entscheidenden Momenten. Auf Würzburger Seite überzeugte Marcus Carr mit 20 Punkten, während David Muenkat nach seiner Einwechslung wichtige Impulse setzte. Am Ende jedoch war es die manntschaftliche Geschlossenheit der Bamberger, die den Ausschlag gab.
Stimmen zum Spiel: Respekt auf beiden Seiten
Würzburgs Head Coach Sasa Filipovski zeigte sich nach der Partie fair:
„Glückwunsch an Bamberg zum Sieg. Sie haben heute immer wieder in letzter Sekunde ihre Dreier getroffen, während wir diese Würfe nicht getroffen haben. Mit dem, wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, bin ich nicht zufrieden. Auch mit dem Start bin ich unzufrieden, als wir gleich drei Dreier in Folge kassiert haben und dann insgesamt 50 Punkte in der ersten Halbzeit zugelassen haben. Nochmals Gratulation an Bamberg. Es war ein tolles Spiel für die Zuschauer hier in der Arena mit vielen Punkten und mit viel Intensität bis zum Ende.“
Anton Gavel hob besonders die Ruhe seiner Mannschaft hervor:
„Defensiv haben wir heute einen guten Job gemacht. Vor allem in der ersten Halbzeit konnten wir ihre Guards vor uns halten. Nach der Pause ist Marcus Carr dann besser ins Spiel gekommen und hat uns Probleme bereitet. Wichtig war, als wir sieben Punkte zurück lagen, dass wir hier nicht in Panik verfallen sind, sondern dann wichtige Würfe getroffen und auch weitere Stopps bekommen haben. Am Ende müssen wir einfach schlauer agieren, aber wir sind natürlich froh über den Sieg.“
Der Blick nach vorn: Anspruchsvolle Wochen stehen bevor
Viel Zeit zum Durchatmen bleibt den BMA365 Bamberg Baskets nicht. Bereits am 25. Januar wartet mit ALBA BERLIN in der Max-Schmeling-Halle die nächste schwere Aufgabe. Anschließend folgt das Nachholspiel gegen RASTA Vechta am 28. Januar in der BROSE ARENA. Und dann kommt es schon bald zur Neuauflage des Frankenderbys: Am 1. Februar treffen Bamberg und Würzburg erneut aufeinander – diesmal auswärts. Spätestens nach diesem intensiven Duell ist klar: Dieses Derby hat Playoff-Charakter – und Bamberg ist bereit.
















