Missverständnisse entstehen im Alltag oft schneller, als man denkt. Ein Blick, eine Geste oder ein höflich gemeintes Verhalten können in unterschiedlichen Kulturen ganz verschieden interpretiert werden.
Genau hier setzt der Workshop ‚Kulturunterschiede erleben!‘ an, der im Rahmen der 14. Internationalen Wochen gegen Rassismus in Bamberg stattfindet. Die Malteser in Bamberg laden gemeinsam mit der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), der Initiative Freund statt Fremd sowie dem Migrantinnen- und Migrantenbeirat der Stadt Bamberg zu einer besonderen Begegnung ein. Ziel ist es, kulturelle Unterschiede verständlich zu machen und den offenen Dialog zu fördern. Die Veranstaltung findet am Samstag, 28. März 2026, von 17.30 bis 19.30 Uhr in der Blauen Frieda (Schützenstraße 2a) statt. Interessierte sind herzlich eingeladen, sich auf eine interaktive Reise durch verschiedene Alltagskulturen einzulassen.
Interaktive Stationen machen Kultur erlebbar
Der Workshop ist bewusst praxisnah gestaltet. Die Teilnehmenden bewegen sich durch vier bis fünf interaktive Stationen, die jeweils unterschiedliche kulturelle Perspektiven auf alltägliche Situationen zeigen. Menschen aus verschiedenen Herkunftsregionen gestalten diese Stationen persönlich und authentisch. Sie berichten aus ihrem eigenen Leben und erklären, wie bestimmte Gewohnheiten in ihren Kulturen verstanden werden. Anhand konkreter Beispiele wird schnell deutlich: Viele Missverständnisse entstehen nicht aus böser Absicht, sondern schlicht aus unterschiedlichen kulturellen Prägungen. Was in einer Kultur als höflich gilt, kann in einer anderen irritierend wirken – und umgekehrt. Der Stationenlauf ermöglicht es den Besucherinnen und Besuchern, Fragen zu stellen, zuzuhören und neue Sichtweisen kennenzulernen.
Händedruck, Blickkontakt und Gastfreundschaft
Ein Schwerpunkt des Workshops liegt auf alltäglichen Situationen, die in verschiedenen Kulturen unterschiedlich interpretiert werden. So kann es beispielsweise in manchen Ländern als unhöflich gelten, ein angebotenes Getränk sofort anzunehmen. Erst wenn der Gastgeber mehrmals nachfragt, gilt die Annahme als Zeichen echten Respekts und Wertschätzung. In Deutschland hingegen wird häufig erwartet, dass man ein Angebot direkt annimmt. Auch der Händedruck spielt hier eine wichtige Rolle: Ein fester Händedruck wird oft als Ausdruck von Offenheit, Ehrlichkeit und Respekt verstanden. In vielen muslimisch geprägten Ländern ist ein Händedruck zwischen Männern und Frauen dagegen nicht üblich. Was in Deutschland als freundliche Geste gemeint ist, kann daher anders wahrgenommen werden. Ähnlich verhält es sich mit Blickkontakt. Während intensiver Blickkontakt im westlichen Kulturkreis Aufmerksamkeit und Ehrlichkeit signalisiert, kann er in Teilen Asiens oder auch in Russland als unangenehm oder sogar respektlos empfunden werden. Solche Unterschiede stehen im Mittelpunkt des Workshops und werden anhand praktischer Beispiele erlebbar gemacht.
Einblicke in den afghanisch-persischen Kulturraum
Eine besondere Station widmet sich dem afghanisch-persischen Kulturraum. Hier bringt sich der ehrenamtliche Malteser Mansour ein, der vielen bereits aus dem Projekt ‚Frag Mansour‘ bekannt ist. Mit viel Offenheit und persönlicher Erfahrung gibt er Einblicke in kulturelle Hintergründe und gesellschaftliche Gewohnheiten. Dabei geht es nicht nur um theoretisches Wissen, sondern vor allem um den direkten Austausch. Die Teilnehmenden können Fragen stellen, eigene Erfahrungen teilen und gemeinsam darüber sprechen, wie kulturelle Unterschiede den Alltag beeinflussen.
Austausch auf Augenhöhe
Nach dem Stationenlauf sind alle Teilnehmenden zu einem moderierten Gespräch eingeladen. Hier können persönliche Eindrücke, überraschende Erkenntnisse und sogenannte Aha-Momente miteinander geteilt werden. Ziel ist es, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und voneinander zu lernen. Gerade der offene Dialog soll helfen, Vorurteile abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu stärken.
Vielfalt als Chance für die Stadtgesellschaft
Für die Veranstalter steht fest: Kulturelle Vielfalt ist eine Bereicherung. „Gerade in einer vielfältigen Stadtgesellschaft wie Bamberg ist es wichtig, einander zuzuhören und voneinander zu lernen. Kulturelle Unterschiede sind keine Barrieren, sondern Chancen für Begegnung und gegenseitiges Wachstum“, betont Felix Krautwurst, Leiter der Integrationsdienste bei den Maltesern in Bamberg. Der Workshop soll deshalb nicht nur informieren, sondern vor allem Menschen miteinander ins Gespräch bringen.
Offen für alle Interessierten
Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierten – unabhängig von Herkunft, Alter oder Vorerfahrung. Besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Was jedoch mitgebracht werden sollte, ist Neugier, Offenheit und die Bereitschaft, neue Perspektiven kennenzulernen. Denn genau darin liegt der Kern der Veranstaltung: Begegnungen schaffen, Verständnis fördern und gemeinsam entdecken, wie vielfältig Alltag und Kultur sein können.
















