Fitnessbewusst: Neujahrsvorsatz in der Praxis

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Die Welt innerhalb eines Fitnessstudios ist eine eigene für sich. Zumindest für unsere Autorin. Frisch motiviert durch die gerade erst gefassten Neujahrsvorsätze, wagt sie sich in ein Areal, in dem sich beißender Schweiß und parfümierter Rosenduft mischen.

Vor dem Eingang stehen. Durchatmen. Du machst das! Warst ja schon einmal hier! Du willst heute wirklich Sport machen, sitzt ja sonst nur rum! Beweg deinen Hintern da jetzt rein!

Hm. Also gut. Die automatischen Türen öffnen sich und geben den Weg in eine andere Welt frei. Schon die Luft ist anders: Jedes Molekül scheint mit Testosteron angereichert, Motivationsschwaben wabern durch die Räumlichkeiten und infizieren jeden, der den Raum nicht rechtzeitig wieder verlässt. So beschleunigt sich auch mein Gang, ich möchte möglichst schnell genauso fit und produktiv sein, wie die bereits schwitzenden Adonis- und Aphroditenkörper um mich herum. Wo also beginnen? Vielleicht wäre umziehen sinnvoll — in Jeans und Spitzen-BH haben die Muskeln schließlich kaum Raum zum wachsen.

In wild gemusterten Yogapants und neonfarbenem Top verlasse ich beinahe schwebend vor Motivation die Umkleide und sehe mich nach etwas Bekanntem um. So doof es auch klingt — man will sich ungern verwirrt neben ein Gerät stellen, mit dem man sich nicht auskennt. Schon entdecke ich einen Apparat, den mir eine Freundin bei meinem allerersten Besuch erklärt hatte: Man kann damit Treppen steigen. Aber halt auf der Stelle, was sowieso viel mehr Sinn macht und mich deshalb außerordentlich fasziniert.

Das Schwitzen beginnt

Also drauf gehopst. Ich stelle in der Software des Trainingsprogramms ein, dass ich 100 Kalorien verbrennen will — das sollte ja locker zu machen sein.Es macht auch überraschenderweise wirklich Spaß: Ich steige in Gedanken Stockwerk um Stockwerk in die Höhe, spüre schon förmlich die immer dünner werdende Luft, die mir kühl um die Nase streicht. Versinke in Gedanken und vergesse dabei sogar, auf das Display zu schauen.

Plötzlich wird das Gerät schneller. Ein panisches Gefühl steigt in mir auf: Irgendwie wird das gerade anstrengend. Soll ich absteigen? Kurz überlege ich. Aber klein beigeben? Nein! Dieses Gerät wird nicht gewinnen! Also mache ich weiter. Der Blick wandert nach rechts, wo ein Mann auf der anderen Treppensteigmaschine läuft. Er keucht und stiert auf das Display vor ihm. Sein Gerät bewegt sich noch viel schneller als meines. Aber er scheint irgendwie glücklich zu sein. Auf eine verbissene Art und Weise. Aber dennoch glücklich.

Ich merke, wie dieses Gefühl auf mich abfärbt. Das Display sagt mir, wie viele Stockwerke ich schon hochgestiegen, welche weltweiten Sehenswürdigkeiten ich bereits erklommen habe. Das macht irgendwie süchtig. Ich will immer weiter hochsteigen. Mehr Erfolge sehen. Nur noch fünf Stockwerke. Gut, vielleicht sieben. Oder acht? Mir ist selbst nicht ganz klar, warum das so viel mehr Spaß macht, als kostenlos an öffentlichen Plätzen Treppen zu steigen.

Nach der Treppe geht es weiter

So ein Fitnessstudio ist schon ein wunderbarer Ort: Um mich herum unzählige Menschen, die das Gleiche — oder zumindest Ähnliches — wollen: nämlich Sport machen. Manche, so wie ich, um einen Ausgleich zum energiearmen Alltag zu finden und so auch gesünder zu leben. Andere hauptsächlich, um Muskeln aufzubauen. Diese Vorsätze stecken an und so fällt es mir leicht, mich nach dem Treppensteigen sogar noch zu einer Runde Krafttraining zu motivieren. Während meine Beine mit dem Gewicht kämpfen, das ich mir bis gerade noch eingebildet habe, ihnen zumuten zu können, spüre ich die Muskeln praktisch auf die doppelte Größe anwachsen, das Fettgewebe dahinschmelzen. Ich fühle mich unglaublich athletisch.

Nachdem ich eine ausgiebige Runde von Kraftgerät zu Kraftgerät gedreht habe, hilft eine halbe Stunde auf dem Laufband, um wieder herunter zu kommen. In der Umkleide kann ich schon an nichts anderes mehr denken als an die kommende ausgiebige Dusche. Und diese ist meiner Meinung auch mehr als verdient. Oder?