Brose Baskets behaupten sich gegen kämpferische Ludwigsburger

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Vor 6800 Zuschauern setzten sich die Brose Baskets am 27. Spieltag der BEKO BBL zuhause mit 79:64 gegen die MHP RIESEN Ludwigsburg durch. In einem hart umkämpften Spiel konnten die Schwaben lange mit dem Meister mithalten. Doch am Ende fehlte die Kraft – und das Glück im Abschluss. Für die Brose Baskets war es der 17. Bundesliga-Triumph in Folge.

Nach dem Euroleague-Sensationssieg gegen Basketbolny Klub Khimki vergangenen Donnerstag stand die Frage im Raum, wie frisch die Brose Baskets sich gegen die offensivstarken Ludwigsburger präsentieren würden. In der Tat sollten die Bamberger am Sonntagnachmittag gegen den Tabellenvierten einen schweren Stand haben. MHP RIESEN-Trainer John Patrick hatte seine Mannschaft gut eingestellt, die sehr aggressiv verteidigte. Wettbewerbsübergreifend (BEKO BBL und Eurocup) mit acht Siegen aus den letzten zehn Spielen und drei Bundesligaerfolgen in Serie waren die MHP RIESEN mit breiter Brust angereist. Den Anfang machte eine Fan-Choreo der „Sektion Südblock“ zu Ehren des 60-jährigen Bestehens des Bamberger Basketballs. In monatelanger Arbeit hatte die Fangruppierung handbemalte Banner mit Spielerhelden vergangener Tage hergestellt.

 

brose-ludeigsburg-2016

Aggressive Ludwigsburger bieten dem Meister Paroli

Bambergs Headcoach Andrea Trinchieri startete mit Brad Wanamaker, Nicolo Melli, Elias Harris, Janis Strelnieks und Patrick Heckmann. Es ging gut los für die Franken. Janis Strelnieks sah den frei stehenden Patrick Heckmann, der kompromisslos von außen einnetzte (3:0). Postwendend kam die Antwort von Ludwigsburgs Jon Brockman (3:2), ehe Elias Harris für Bamberg nachlegte (5:2). Ludwigsburg erzielte das 4:5 und bekam aufgrund eines Fouls einen Bonus-Freiwurf (5:5). Die Schwaben boten dem Meister die Stirn. Sie verteidigten unter dem Korb sehr forciert und gaben dem Gegner wenig Raum. Zwar konnten sich die Bamberger Mitte des ersten Viertels etwas absetzen – bis hierhin zeigten sie ein solides, unaufgeregtes Spiel: nach einer Passstaffette erzielte Janis Strelnieks einen Dreier zur 10:5-Führung. Doch die Ludwigsburger Antwort kam in Form von sechs Punkten in Folge prompt (10:11). Es entwickelt sich eine enge Partie mit leichten optischen Vorteilen für die Gäste. Bamberg wirkte etwas leichtfertig und handelte sich unnötige Ballverluste ein, sodass die Gäste in Person von Jon Brockman und Roderick Tryce immer besser ins Spiel kamen (14:18). Sinnbildlich: Der für Janis Strelnieks eingewechselte Lucca Staiger warf den Ball von jenseits der Dreipunktelinie weit am Korb vorbei. Erst mit der Einwechslung von Nikos Zisis konnte Andrea Trinchieris Mannschaft den Anschluss wiederherstellen. Der erfahrene Guard brachte den Meister wieder heran. Doch Ludwigsburg fackelte nie lange, suchte den schnellen Abschluss und kam zu einfachen Körben (16:22). Mit Ablauf des ersten Viertels Zisis erzielte Nikos Zisis einen Dreier zum zwischenzeitlichen 19:22-Rückstand aus Bamberg Sicht.

Ein körperbetonter Fight

Zu Beginn des zweiten Viertels wurde Brad Wanamaker bei einem Layupversuch nach einem Coast-to-Coast-Lauf (von Korb zu Korb) von Alvaro Muñoz hart zu Fall gebracht. Dafür erntete der Ludwigsburger bei seiner Auswechslung kurze Zeit später Pfiffe vom Publikum. Generell war das Spiel von diversen Fouls und Nickligkeiten geprägt. Ein häufiges Szenario: Bamberger Spieler, die auf dem Weg zum Korbleger gefoult wurden. Nach etwas mehr als 13 Spielminuten hatten bereits fünf Ludwigsburger zwei Fouls auf dem Konto. So kamen die Hausherren über Freiwürfe wieder ins Spiel und gingen wieder in Führung (27:25). An sich leisteten die Ludwigsburger gute Offensivrebound-Arbeit, konnten aber selten Kapital daraus schlagen. So konnten die Brose Baskets ihre Führung ausbauen (33:25). Bei einem Offensivrebound rannten sich zwei Spieler der MHP RIESEN gegenseitig um. Nutznießer war Darius Miller, der den Gegenangriff einleitete (40:30). In den letzten Minuten des zweiten Viertels konnte sich Bamberg dann entscheidend absetzen. Abermals wurde ein Bamberger beim Layup gefoult. Janis Strelnieks verwandelte beide Freiwürfe, Ludwigsburgs Jon Brockman stellte im Gegenzug den 43:32-Pausenstand her.

Ludwigsburg steckt nicht auf

Der dritte Spielabschnitt war von Kuriositäten geprägt: Janis Strelnieks verlegte ein Layup, Leon Radošević ging nach und versuchte einen Tip-In, drückte den Ball dabei aber gegen den Ring. Ludwigsburg legte noch einmal einen Gang zu und kam Mitte des Viertels wieder näher heran (49:45), machte sich das Leben aber durch erneute Fouls, darunter ein technisches und ein unsportliches, selbst schwer. Bamberg konnte durch die daraus resultierenden Freiwürfe wieder davonziehen (55:47). Durch die vielen Unterbrechungen kam selten ein Spielfluss zustande. Einige Highlights gab es für die „Freaks“ in der brose ARENA dann aber doch zu bestaunen. Nikos Zisis dribbelte um die Dreipunktelinie herum und fand im Rücken der Ludwigsburger Abwehr Daniel Theis, der es ihm mit einem Alley-Oop dankte (57:47). Der „Tarzan“-Theis war jetzt heiß: Gegen Ende des dritten Viertels warf er noch einen Dreier hinterher (60:47).

Ein Kraftakt geht zu Ende

Der Widerstand der MHP RIESEN war endgültig gebrochen. Das große Manko der Gäste: die Chancenverwertung bei Distanzwürfen. Lediglich 22 % (5 von 23) der Dreipunktwürfe fanden ihr Ziel. Die Bamberger bekamen noch einmal richtig Lust und Elias Harris ließ mit einem krachenden Slamdunk die Korbanlage erzittern (67:52) und die Fans jubeln. Die Hausherren mussten den Vorsprung im letzten Viertel nur noch verwalten. Sie leisteten sich noch einige Unkonzentriertheiten im Aufbau, doch Luwigsburg fehlte am Ende die Durchschlagskraft. Letztendlich gewannen die Brose Baskets 79:64, in dieser Deutlichkeit vielleicht etwas zu hoch. Dennoch hat sich der Tabellenvierte aus Ludwigsburg, bei dem drei Spieler verletzungsbedingt ausfielen, teuer verkauft. Publikumsliebling Andi Obst durfte noch einmal Siegerluft schnuppern, er wurde in der letzten Minute eingewechselt. Entscheidend für den Sieg war die Ballbewegung. Bamberg hatte 21 Assists zu verzeichnen, die MHP RIESEN 11. Topscorer wurden Janis Strelnieks und Daniel Theis (jeweils 13 Punkte) bei den Bambergern und auf Seiten Ludwigsburgs Alvaro Muñoz mit 14 Punkten. Kommenden Donnerstag steht für die Brose Baskets das nächste Do-Or-Die-Spiel in der Euroleague an. Zu Gast in der brose ARENA ist ZSKA Moskau.

MHP RIESEN Ludwigsburg-Trainer John Patrick bei der anschließenden Pressekonferenz:

Wir wollten eine gewisse Defensivstrategie gegen bestimmte Spielsysteme haben. Leider haben wir diese Strategien nicht immer umgesetzt, sodass die [Anm. d. Red.: gemeint sind die Brose Baskets] die offenen Dreier getroffen haben. Insgesamt bin ich aber stolz, dass wir hier gekämpft haben und uns insbesondere im ersten Viertel gut präsentiert haben. Ich wünsche Bamberg für die Euroleague und den Rest der Saison viel Glück.

Brose Baskets-Spieler Nikos Zisis nach dem Spiel:

Ich habe wirklich Respekt vor Ludwigsburg. Sie sind ein Team, das immer alles versucht. Sie sind ein sehr ein gut organisiertes Team. Für uns war es nicht einfach, nach diesem großen Euroleague-Spiel [Anm. d. Red.: gemeint ist das Spiel gegen Khimki] physisch zu spielen. Wir waren müde. Dennoch denke ich, dass wir einen tollen Job gemacht haben. Wir haben viele Spielzüge kontrolliert, ohne zu viel zu riskieren.

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