Trunks Kritik an Bamberg ist löchrig

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Am 1. Juni 2014 sprach der Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth, Heribert Trunk, mit dem Fränkischen Tag über die wirtschaftliche Entwicklung in der Region Bamberg. Er lobte den Landkreis und kritisierte die Stadt. Doch einige Punkte bleiben unklar.

Auf die Frage, welche Schulnote die Region Bamberg seiner Einschätzung nach verdient habe, antwortet er: „Wenn man in Regionen denkt, dann ist der Primus in Oberfranken sicher die Region Bamberg. Wenn man die Region differenziert betrachtet, wenn man sich anschaut, wer eigentlich diese Primus-Region zieht, dann muss man sehr froh sein, dass es in den letzten zehn Jahren den Landkreis Bamberg gab. Und die Stadt Bamberg hat da sicherlich noch Nachholbedarf.“

Unzulänglicher Vergleich

Wie kommt Wirtschaftsvertreter Trunk auf diese Einschätzung? Die Prozente scheinen eine klare Sprache zu sprechen. Seit 1983 ist im Landkreis ein Zuwachs von 87 Prozent an Beschäftigten zu verzeichnen, in der Stadt Bamberg hingegen ist es lediglich ein Zuwachs von 18,3 Prozent. Eindeutige Zahlen – mag man meinen.

Doch vergisst man dann, dass die Stadt Bamberg im Jahr 1983 schon ein sehr hohes Beschäftigungsniveau hatte, während der Landkreis in Bamberg unter starkem Zugzwang stand, seine Defizite aufzubessern. Wo noch viel Luft nach oben ist, fällt der Sprung leichter, als wenn die Luft schon dünn wird.

Am Beispiel von Schulnoten dürfte jedem klar sein, dass es für einen mit der Note fünf vorzensierten Schüler leichter ist, sich im Hinblick auf seine Schulnote zu verbessern, als einem Schüler, der schon auf dem Niveau einer konstanten Zwei steht. Diese Noten dienen natürlich lediglich als Beispiel und können nicht direkt auf das Verhältnis zwischen Stadt und Landkreis zur damaligen Zeit übertragen werden.

Das Problem des freien Raumes

Zudem hat die Stadt Bamberg mit einer Herausforderung zu kämpfen, mit der sich auch die größten deutschen Städte wie München, Hamburg oder Berlin auseinandersetzen müssen: Dem vorhandenen Raum. Während der Landkreis viele zur Bebauung freigegebene Flächen vorweisen kann, wird es in der Stadt Bamberg schon seit Jahren immer enger. Die Mieten schießen in die Höhe und der Bodenpreis steigt stetig an. Um aber mehr Beschäftigte vorweisen zu können, müssen a) die bereits ansässigen Firmen expandieren und in aller Regel ihr Areal erweitern oder b) müssen sich neue Unternehmen in der Stadt Bamberg ansiedeln.

Flächenknappheit geht mit hohen Grundstückspreisen einher und somit wird eine Expansion innerhalb der Stadtgrenzen zu teuer. Kein Wunder also, dass einige Firmen sich für eine Expansion im Landkreis Bamberg entscheiden. Der Grundstückspreis ist außerhalb der Stadtrandgemeinden deutlich geringer, als in der Stadt. Überhaupt stehen im Landkreis weit mehr Großflächen zur Verfügung, als in der Stadt Bamberg, deren mögliche Ausdehnung zugunsten von mehr Wohn- und Wirtschaftsraum stark beschränkt ist.

Mittelfristig scheint sich zumindest teilweise eine Lösung hinsichtlich des knapp gewordenen Gewerbeflächen abzuzeichnen. Die Ausweisung von zusätzlichen Gewerbeflächen auf dem Konversionsareal soll helfen.

Stadt als Zugpferd für den Landkreis

Auch lässt sich noch ein dritter Punkt nennen, welcher der mutmaßlich oberflächlichen Einschätzung, die Stadt Bamberg habe gegenüber dem Landkreis erheblichen Nachholbedarf, nur zu deutlich widerspricht. Die Stadt Bamberg darf nicht als Konkurrent, sondern muss als Zugpferd für den Landkreis gesehen werden.

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Bamberg wird gerne als das „Fränkische Rom“ bezeichnet. Zu Recht. Abertausende Touristen haben die Stadt schon bereist und abertausende sollen und werden noch kommen. Das kleine Bamberg zählt zu den schönsten und kulturreichsten Städten der Welt und ist nicht umsonst Weltkulturerbe.

Die Nähe zu dieser Stadt trägt erheblich dazu bei, dass auch der Landkreis floriert. Geschäftsführer wissen, dass es neben einem gerechten Lohn auch andere Faktoren braucht, um einen erfolgreichen Betrieb aufzubauen oder zu halten. Ein gutes Arbeitsklima gehört genauso dazu, wie eine familien- und freizeitfreundliche Umgebung mit einem hohen Naherholungswert und den entsprechenden kulturellen Angeboten. Qualifizierte Arbeitskräfte, auf die jedes Unternehmen angewiesen ist, lassen sich nicht in eine triste Gegend pferchen.

Die Nähe zu Bamberg lockt von den niedrig, über die hochqualifizierten Arbeiter, bis zu den Unternehmern oder Geschäftsführer Menschen an, die sich aus Kosten- oder Raumgründen eher für einen Standort im Landkreis entscheiden, aber erst durch die Stadt auf eben diesen Landkreis aufmerksam gemacht wurden.

Diese drei Punkte gilt es als Faktoren ebenso zu bedenken wie die Zahlen Herrn Trunks, auch wenn sie sich nicht in die Enge von Prozentrechnungen zwängen lassen. Die Stadt Bamberg hinkt keinesfalls ihrem Landkreis nach. Vielmehr unterstützt Bamberg den Landkreis durch Kultur, Lebensqualität und Attraktivität.

Hier finden Sie den Text von Michael Wehner, vom 1. Juni 2014, auf den in diesem Artikel Bezug genommen wird.