Videoüberwachung im Sand
Sicherheit

Videoüberwachung im Sand

Lösung oder Nebelkerze?

CSU Innenminister Joachim Herrmann fordert eine Videoüberwachung in der Bamberger Altstadt. So soll die Stadt sicherer werden. Aber geht dieser Plan auf? Betrachtet man die Erfahrungen anderer Städte mit Videoüberwachung, setzt schnell Ernüchterung ein – auch abseits von den üblichen Datenschutz- und Kontrollängsten. Ein erfolgreiches Sicherheitskonzept fordert mehr als Lippenbekenntnisse und plakative Handlungen.

Viele Bamberger fühlen sich offenbar in ihrer eigenen Stadt nicht mehr so sicher wie früher. Medienberichte über Straftaten und die AEO führen bei ihnen zunehmend zu einem Gefühl der Unsicherheit. Dass auf dieses Gefühl angemessen reagiert werden muss, ist spätestens seit dem Wahlerfolg der AFD jedem klar. So kommt es immer wieder zu neuen Sicherheitskonzepten und -forderungen, welche bei näherer Betrachtung vollkommen unsinnig wirken. Die Forderung nach Videoüberwachung ist hierbei ein Klassiker und hat bereits vielerorts für Ernüchterung gesorgt – beispielsweise in Großbritannien.

Videoüberwachung teuer und ineffizient

Mitte der 90er Jahre gab es im Vereinten Königreich eine Sicherheitsdebatte, welche schließlich dazu führte, dass nach Angaben der britischen Sicherheitsindustrie im Jahr 2013 ca. 5,9 Millionen Kameras das Land überwachen – eine Kamera je elf Einwohner. Verantwortlich für diese Überwachung sind sowohl staatliche Institutionen als auch private Träger. Immer mehr Gemeinden entscheiden sich mittlerweile jedoch dazu die Kamerasysteme wieder abzuschaffen, denn der Aufwand zum Betreiben der Massenüberwachung ist hoch.

Wenn die Systeme effektiv sein sollen, müssen Verantwortliche sie durchgehend besetzen, regelmäßig warten und stets auf dem neuesten Stand der Technik halten. Trotz all dieses Aufwands sind Kameras laut einem Bericht der britischen Polizei von 2008 lediglich für die Aufklärung von drei Prozent aller Straftaten in Großbritannien verantwortlich. Verteidiger der Überwachungssysteme antworten auf diesen Vorwurf, dass die Kameras zumindest abschreckend auf Kriminelle wirken. Betrunkenen und irrational handelnden Tätern pfeifen oftmals jedoch auf Zeugen oder Kameras und Profis wissen, wie sie Sicherheitssysteme ausschalten oder umgehen. Zusächlich sind Sicherheitszentralen oftmals schlecht besetzt oder Aufnahmen nicht brauchbar, um Täter im Nachhinein zu identifizieren.

Eine ähnliche Erfahrung machten auch deutsche Ermittler nach der Silvesternacht von Köln 2016. Diese versuchten vergeblich die Kameraaufnahmen rund um den Kölner Hauptbahnhof auszuwerten. Insgesamt kam es damals trotz Videoüberwachung und 1.200 Strafanzeigen zu lediglich sechs Verurteilungen. Um Neujahr 2017 jeden Menschen auf dem Bahnhofsvorplatz identifizieren zu können, entschieden sich die Behörden unter anderem dazu 25 neue hochauflösende Kameras zu installieren und das Gebiet vollständig auszuleuchten. Dieses Sicherheitskonzept lässt sich vermutlich schwer auf den Alltag in der Bamberger Sandstraße, am ZOB oder am Gabelmann übertragen.

Kameras kein Ersatz für Polizisten

Nach all dieser Kritik stellt sich nun offensichtlich die Frage, warum Leute wie der Bayrische Innenminister trotzdem Kameras fordern. Die Antwort hierauf ist einfach: Allein die Anwesenheit von Sicherheitskameras erzeugt bei vielen Menschen und Verantwortlichen ein Gefühl von Sicherheit. Dieses soll in Bamberg dem Gefühl von Unsicherheit aufgrund der Vielzahl von AEO-Migranten entgegenwirken – wie das Feuer, welches Feuer bekämpft. Einen Beitrag zur Kriminalitätsbekämpfung leisten die Kameras jedenfalls nicht wirklich.

Wenn die Regierung des Freistaats tatsächlich für mehr Sicherheit im Bamberg sorgen will, sollte sie mehr Polizisten, Staatsanwälte und Richter einstellen. Ausgaben in diesen Bereichen können nicht durch die Anschaffung teurer High-Tech-Systeme vermieden werden. Außerdem müssten Täter, insbesondere bei Gewalttaten, konsequenter und zu härteren Strafen verurteilt werden. Hierfür braucht es keine neuen Gesetze, sondern lediglich ein Umdenken im Justizapparat.

Als Reaktion auf die diffuse Angst vor Fremden sollten die Regierenden den Dialog zwischen Stadtbevölkerung und Migranten in Bamberg besser fördern. Vorbehalte gegen die Vielzahl der friedfertigen und gesetzestreuen Einwanderer würden sich so verringern. Zu guter Letzt müssen sich auch die Medien – insbesondere Lokalmedien – mit ihrer Rolle bei der Schaffung von Ängsten auseinandersetzen. Reißerische Schlagzeilen erhöhen zwar die Zugriffe – moralisch und handwerklich sind sie jedoch oftmals äußerst fragwürdig.