Tiere und Fabelwesen
Bamberger Perspektiven

Tiere und Fabelwesen

Viele Gebäude in Bambergs Altstadt sind mit Bunten Figuren und schmuckvollen Aushängern ausgestattet. Um sie zu sehen muss man nur kurz inne halten.

In der Eile des alltäglichen Lebens heute werden diese Schmuckstücke jedoch oft gar nicht mehr wahrgenommen – obwohl sie mitunter sehr alt sind. Ich bin in Bamberg aufgewachsen und gehe selbst meist achtlos an ihnen vorbei. Das habe ich entschlossen zu ändern.

Zu Anfang des Mittelalters wuchs die Bevölkerung in den Städten. Immer mehr Menschen zog es vom Land in die sicheren Mauern – auch in Bamberg. Schon bald stellte es sich als schwierig heraus jemanden in solch einer Stadt zu finden. Es gab aber zu dieser Zeit weder gut befestigte Straßen noch Straßennamen. Man musste sich also etwas einfallen lassen. Da bis auf hochgestellte Persönlichkeiten und Würdenträger der Kirche , niemand des Lesens mächtig war, entstanden die sogenannten Hausnamen. Die Curienhäuser waren, ab ca. 1261, die Ersten, die ihren Gebäuden Namen gaben, um sie unterscheiden zu können. Es folgten Pfründ- und Vikarienhäuser, sowie auch die ersten Hausnamen des „gemeinen“ Volkes.

Auf meinem Spaziergang durch die Altstadt bin ich auf viele dieser alten Häuser gestoßen. Sehr oft wurden die Häuser nach Tieren benannt und erhielten auch entsprechende Abbildungen in der Fassade. Ein sehr gut erhaltenes Abbild eines Hausnamens ist zum Beispiel am Pfahlpätzchen zu finden. Das Haus zum Krebs zeigt noch heute einen blaues Krustentier auf seiner Hauswand. Bei vielen Häuser erinnern heute leider nur noch Tafeln an die alten Hausnamen: Haus zur Trommel in der Judenstrasse, Haus zum Greiff in der Sandstrasse, um nur einige zu erwähnen.

Tiere vor Brauereien und Gaststätten

Auch viele Brauereien und Gaststätten besaßen früher Ausleger mit Tieren, welche aus ihrer Hauswand herausragten. Viele dieser Dekorationen sind heute noch vorhanden, auch wenn sich die Namen der Wirtschaften geändert haben. Das Schlenkerla war früher zum Beispiel bekannt als „ Das Gasthaus zum Blauen Löwen“. Dieser befindet sich noch heute im Ausleger des Wirtshauses .  Ein weitere Beispiele sind „ Das Haus zum Schwan“, welches heute dem Studentenwerks Platz bietet und früher als Wirtshaus zum Schwanwar bekannt war, oder der der Polarbär in der Judenstraße. Früher Sinnbilder und Namen traditioneller Bamberger Wirtschaften, sind sie heute lediglich blasse Erinnerungen an vergangene Tage.

Ähnlich wie den Gaststätten ging es auch den Apotheken oder Handwerken. Beispiele hierfür sind der Ausleger der früheren Einhornapotheke am Gabelmann und der Sandsteinochse des alten Schlachthofs am Kranen. Auch diese Gebäude besitzen heute nicht mehr ihre ursprüngliche Funktion.

Aushänger kein Zeichen des Untergangs

Es ist jedoch keinesfalls so, als stünden die Fassadenverzierungen  lediglich für ein Sterben der Wirtschaften und Betriebein Bamberg, denn mit der Zeit kamen auch immer wieder neue hinzu. Beispiele hierfür sind die Bäckerei Fuchs am Hauptwacheck oder die Pizzeria Quatro Gatos. Mit ihren modernen Auslegern schmücken sie das Stadtbild und führen die Tradition fort.

Lassen sie sich von der Vergangenheit inspirieren und begeben Sie sich selbst auf Entdeckertour durch Bambergs Altstadt. Ich wünsche Ihnen viel Spaß dabei.