Fränkisch für Zugereiste

Seidla

Der Begriff Seidla beschreibt sowohl eine Maßeinheit, als auch ein Trinkgefäß. Diese Doppelbedeutung macht ihn wichtig für die fränkischen Kultur.

Ursprünglich stammt das Wort Seidla offenbar von dem lateinischen Begriff Situla (Eimer) ab. Diese antiken Gefäße waren meist konisch geformt, verziert und dienten bereits damals zur Aufbewahrung von Getränken. Im Gegensatz zum heutigen Seidla waren sie in der Regel jedoch aus Metall gefertigt und es wurde nicht direkt aus ihnen getrunken. Damit sind sie offenbar lediglich Namenspaten für die heutigen Humpen aus Keramik.

Der heute in Franken als Seidla bekannte Bierkrug kam im deutschsprachigen Raum erstmals im 16. Jahrhundert auf und trägt in verschiedenen Regionen andere Namen. So wird er mancherorts auch Bierbembel, Steinkrug oder Halber genannt. In Berlin ist die Bezeichnung Henkel üblich. Die Ausführung dieser Krüge kann hierbei stark variieren und ist auch vom Zeitgeist der jeweiligen Epoche, der Region oder dem Geschmack des Besitzers abhängig. Während in der Gastronomie eher schlichte Keramik- oder Glasseidla üblich sind, verfügen historische oder persönliche Krüge oft über reiche Verzierungen, Scharnierdeckel und gelegentlich sogar über eine Daumenrast. Dies macht sie zu beliebten Sammlerobjekten und Mitbringseln für Touristen.

Die Maßeinheit

Der fränkische Bierkrug verfügt im Gegensatz zu anderen Trinkgefäßen über die Besonderheit streng genormt zu sein. Damit eignete er sich in der Vergangenheit nicht nur als Volumenmaß für Flüssigkeiten, sondern auch im Getreidehandel. Ein ursprüngliches Seidla verfügte damals übrigens noch über ein Volumen von etwa 0,535 l. Mit der Einführung des metrischen Systems als internationaler Handelsstandard im Laufe des 19. Jahrhunderts erwies sich diese Maßeinheit jedoch als umständlich zur Umrechnung. Aus diesem Grund entschloss man sich schließlich dazu sie neu zu normieren. Das Volumen eines echten Seidlas beträgt daher heute exakt 0,5 l.

Bestellt man als Franke übrigens in Österreich ein Seidla, so erlebt man mitunter eine Enttäuschung. Der hier übliche Seidel beträgt nämlich in der Regel 0,3 l. Wer hier ein fränkisches Seidla haben will, der sollte sich lieber eine Halbe bestellen.