Die Lagarde-Kaserne
Bambergs Geisterstadt

Die Lagarde-Kaserne

Verlassene Häuser sind ein klassisches Motiv von guten Schauermärchen.

Bamberg besitzt eine ganze Menge solcher Immobilien – die Lagarde-Kaserne. Die damit verbundene Geschichte kommt jedoch vollkommen ohne Mörder oder Monster aus. Letzten Freitag konnten sich viele Bamberger selbst ein Bild von Bambergs Geisterstadt in der Stadt machen.

Fast 70 Jahre lebten Amerikaner und Franken Seite an Seite in Bamberg – die Amis waren ein fester Bestanteil der Domstadt. Viele Bamberger fühlten sich tief mit der Lagarde-Kaserne verbunden. Einige arbeiteten dort, andere pflegten Freundschaften zu den Bewohnern der “Stadt in der Stadt”. Selbstverständlich gab es auch Konflikte – im Großen und Ganzen war das Miteinander aber friedlich. Mit dem Abzug der Amerikaner 2014 änderte sich diese Idylle.

Das Kasernengelände fiel an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und das Unheil – in Form von städtischem und staatlichen Amtsschimmel – brach über den Stadtteil herein. Das halbherzige Feilschen um die ehemalige Kaserne mit ihren teils historischen Gebäuden sorgte dafür, dass das Gebiet zu einer Geisterstadt wurde. Nach gut drei Jahren sieht das einst lebhafte Gelände jetzt aus, wie das Set eines Endzeit- oder Zombiefilms. Viele Gebäude sind in einem jämmerlichen Zustand – hier wirkt ein Abriss mitunter bereits verlockender als eine Restaurierung.

Wie aus einem Filmset

Zwar wurden mittlerweile Teile des Geländes an die Bundespolizei und das Bundesamt für Migration übertragen und gelegentlich dürfen Kulturschaffende hier feiern, die breite Masse der Bürgerschaft wartet jedoch noch immer auf ihren Anteil. Stattdessen erobert sich die Natur das Gebiet nach und nach zurück. Der Bedarf an bezahlbarem Wohn-, Arbeits- und Kulturraum in Bamberg hingegen steigt weiterhin. Viele Stadtbewohner empfinden dies schlicht als Schande.

Nun lud die Stadt ihre Bürger ein, um sich selbst ein Bild vom Ausmaß der Vernachlässigung zu machen. Anlass war der große Plan der Stadt, was mit dem Kasernengelände in bester Bamberger Lage geschehen soll – endlich. Um das zu feiern, erhielten die Besucher verschiedene Aufkleber. Diese sollten sie nutzen, um Gebäude zu markieren, welche sie für erhaltenswert, sanierungsbedürftig oder abrissbereit hielten. So sieht offenbar Bürgerbeteiligung in den Augen von Bambergs Stadtoberen aus. Es bleibt zu hoffen, dass dieses symbolische Votum am Ende tatsächlich ernst genommen wird.

Hier sind unsere Eindrücke von der Tour: