Der Brauereistern
Fränkisch für Zugereiste

Der Brauereistern

An einigen Häusern in Bamberg und Franken hängt ein Symbol, welches die Fantasie vieler Leute beflügelt – der sogenannte Brauereistern.

Dieser sechskantige Stern weist Orte aus, an welchen Reisenden und Stadtbewohnern früher Bier ausgeschenkt wurde. Manchmal können Freunde der fränkischen Kultur an solchen Orten auch heute noch ein frisches Seidla genießen.

Der Brauereistern ist traditionell das Zunft- und Ausschankzeichen der fränkischen Brauer und lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Warum sich die alten Braumeister aber ausgerechnet für ein Hexagramm als Zunftzeichen entschieden, ist für uns moderne Menschen jedoch leider ein Mysterium – wenngleich es bereits die eine oder andere Theorie hierzu gibt.

Das Geheimnis hinter dem Brauereistern

Tatsächlich hat das Symbol auf den ersten Blick wenig mit der Arbeit der Brauereien zu tun. Kein Werkzeug, welches im Mittelalter verwendet wurde besaß die Form eines solchen Sterns. Dies ist jedoch keineswegs ungewöhnlich, denn auch die traditionellen Zeichen anderer Berufsgruppen sind für unsere Augen heute oftmals nicht besonders intuitiv. Um sie zu verstehen, müssen wir versuchen, uns in unsere Vorfahren hineinzuversetzen.

Die Menschen des europäischen Mittelalters konnten oftmals nicht lesen oder schreiben. Sie waren jedoch fähig, sich in ihrer Welt anhand von Symbolen zurechtzufinden. Bilder, Wappen und Statuenensembles dienten diesen Menschen als Wegweiser. Oftmals besaßen Symbole sogar mehrere Bedeutungen, welche die Zeitgenossen anhand vom Kontext klar unterscheiden konnten.

Das Hexagramm ist beispielsweise bereits seit der Antike als alchemistisches Zeichen bekannt. Auch wenn die Brauer eine Kunst daraus machten, aus nur wenigen Zutaten eines der wichtigsten Genussmittel ihrer Zeit zu machen, waren sie jedoch vermutlich nicht so arrogant, ein alchemistisches Symbol für ihre Zunft zu wählen. Alchemie war im katholischen Europa schließlich streng verboten.

Das Hexagramm und die Religion

Eine weitere Verwendung des sechseckigen Sterns finden wir in der Religion. So dient er etwa im Judentum als Symbol der Beziehung zwischen den Menschen und Gott – auch wenn viele Leute den Davidstern heute eher als stigmatisierende Markierung unter der Naziherrschaft kennen. Zwar werden sich die mittelalterlichen Zunftmeister auch nicht aus Sympathie zu den Juden für das Hexagramm entschieden haben, jedoch verwandeten auch andere Religionen es als Zeichen ihres Glaubens.

Tatsächlich finden wir die Verwendung des Hexagramms auch im Christentum. Hier gilt es als Schutzsymbol gegen Feuer. Damit bietet sich auf unserer Suche erstmals eine Verbindung zwischen dem Symbol und dem Handwerk. Brauer gehörten im Mittelalter nämlich zu den Berufsgruppen, welche mit offenem Feuer arbeiteten und wanden sich daher dem heiligen Laurentius zu, um Schutz zu erlangen. Folglich entschieden sich die fränkischen Brauer möglicherweise für das Feuerschutzzeichen, um ihrem Schutzpatron eine besondere Ehre zu erweisen.