Canalissimo gerettet – Krise jedoch nicht abgewendet

Canalissimo gerettet – Krise jedoch nicht abgewendet

Das Canalissimo 2017 ist gerettet. Allein dies scheint für viele Bamberger vermutlich ein Grund zum Feiern.

Aber ist es das wirklich? Immerhin wird hier lediglich ein weiteres mal offenbart, dass Bambergs Veranstaltungskultur in einer Krise steckt. Nach der Sandkerwa und dem Basketball-Public-Viewing auf dem Max Platz wäre das Canalissimo beinahe die dritte abgesagte Großveranstaltung im Jahr 2017 gewesen.

Nun kann zwar nicht gesagt werden, dass es in Bamberg an Möglichkeiten zum Feiern fehlt. Dafür sorgt alleine das Stadtmarketing mit seinen zahlreichen Events auf dem Maxplatz. Dennoch hat man das Gefühl, dass mit jedem abgesagten Fest ein Stück Seele Bambergs verloren geht. Feiern wie ein Tucher Jazz Festival, Bamberg Zaubert oder ein Weinfest ziehen zwar Gäste aus dem Bamberger Umland an, irritieren mitunter jedoch die Einheimischen.

Die Seele der Veranstaltungen

Obwohl der Maxplatz vermutlich für Großveranstaltungen in der Innenstadt den besten Veranstaltungsort bietet, wirkt er auf viele Einheimische nicht anziehend. Dies mag daran liegen, dass er die meiste Zeit des Jahres leer steht, wie ein lebloser Fremdkörper in einer Stadt, welche sonst vor Leben pulsiert. Das spiegelt sich mitunter auch in den dort stattfindenden Veranstaltungen wieder. Der Maxplatz als Veranstaltungsort allein besitzt wenig Identifikationspotential.

Veranstaltungen mit denen sich die Bamberger identifizieren funktionieren anders. Dies mag aufgrund der langen Tradition der Veranstaltung, wie im Fall der Sandkerwa, aus lokalpatriotischer Identifikation mit der Basketballmannschaft oder aufgrund des besonderen Veranstaltungsorts sein, wie bei Canalissimo. So entsteht eine Atmosphäre, welche die Einheimischen mit Heimatstolz erfüllt und Auswärtige aufgrund ihrer Authentizität anzieht.

Die Sicherheit

Diese große Beliebtheit der Bamberger Veranstaltungen führt jedoch auch zu einem Problem: Mit zunehmenden Besucherzahlen sind die Feste gezwungen zu wachsen. Und damit wachsen auch ihr Konflikt- und Gefahrenpotential. So ist das Bewusstsein der Bevölkerung für Gefahrensituationen im Laufe der letzten Jahre stark angestiegen. Dies führt unweigerlich zu wachsenden Auflagen, welche den Veranstaltern das Leben schwer machen.

Hier geht es neben der Haftbarkeit für mögliche Schäden nämlich in aller erster Linie um Menschenleben. Im Angesicht einer diffusen Terrorangst, welche tief in unserer Gesellschaft verwurzelt ist, genügt lediglich ein Funken oder ein dummer Scherz, um die Stimmung kippen zu lassen. Als Beweis hierfür kann die Massenpanik während einer Turiner Public Viewing im Juni angeführt werden. Hier genügte allein das Gerücht, es befänden sich Terroristen auf dem Platz, um ein Chaos mit über 1500 teils schwer Verletzten herbei zuführen.

Es ist verständlich, dass Veranstalter und Behörden sich auch mit dieser Problematik auseinander setzen müssen. Verhindern lässt sich solch ein Unglück jedoch kaum und auch die Wahrscheinlichkeit für ein solches Ereignis ist vermutlich ebenso gering, wie die Gefahr eines echten Anschlags. Nur aus Angst vor Idioten nicht vor die Tür zu gehen, grenzt jedoch an Paranoia.

Klagen, wie bei Canalissimo lediglich der Höhepunkt

Andererseits verbreiten sich Lärm und Unrat der Feiergesellschaft oftmals weit durch die Straßen und vergiften die Beziehung der Anwohner zu den Festen. Dies mag für Außenstehende schwer verständlich sein, aber nicht jeder Veranstaltungsgegner ist zwangsläufig auch ein Miesepeter oder Prozesshansel.

Wer Nachts aber kein Auge zu kriegt und in der Frühe Gefahr läuft vor seiner Haustür in eine Urin- oder Kotzlache zu treten, dessen Begeisterung für ein Fest sinkt zwangsläufig. Das heißt ja nicht unbedingt, dass die Betroffenen Veranstaltungen generell ablehnen, vor dem eigenen Haus aber hört der Spaß auf. Hier müssen die Veranstalter viel Überzeugungsarbeit leisten, um zu verhindern, dass ihre Feiern vor Gericht ein jähes Ende finden.

Fazit

Wie aber können wir Bamberger die Krise unserer Veranstaltungskultur überwinden? Die Antwort auf diese Frage klingt ebenso simpel, wie sie komplex ist: Nur zusammen! Vom Veranstalter, über die Anwohner, bis zu der Stadt und den Besuchern sind alle Betroffenen gefragt, um das Feiern möglich zu machen.

So müssen Anwohner und Veranstalter den Dialog suchen, um das Fest vor der Haustür erträglich zu machen. Auch seitens der Behörden, bzw. der Politik ist zunehmend Fingerspitzengefühl gefragt. Auflagen sollten sich auf das Nötigste beschränken und die Stadt sollte sich nach Möglichkeit daran beteiligen die Last für die oft privaten Veranstalter gering zu halten. Immerhin profitieren auch öffentliche Kassen und Stadtwerke von den Feiern. Außerdem kann eine abgesagte Veranstaltung ebenso zu städtischen Imageschäden führen, wie ein Unglück.

Wir Besucher hingegen sollten uns in unserer Stadt besser zu benehmen wissen. Wildpinkeln, Grölen, Vandalismus und Saufen bis der Arzt kommt sind Auswüchse auf die eine Veranstaltung verzichten kann. Außerdem sollten wir alle mehr auf einander achten. Wer bereits schwer wankend ein Bier bestellt, sollte kein weiteres mehr ausgeschenkt bekommen und wer im Knallsuff auf der Bierbank einpennt, sollte von seinen Freunden heimgebracht werden. Nur, wenn wir alle Rücksicht auf einander nehmen, können Veranstaltungen in unserer Stadt eine Zukunft haben.