Plastikbecher und Konfettiregen – Das Kraftklub Konzert am 16.01.2016 in Bamberg

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Kraftklub in Bamberg. Endlich. Das Warten hat ein Ende. Nachdem sie bereits 2011 schon einmal als Vorgruppe der Band Beatsteaks Bamberg die Ehre gaben, kehrten sie am letzten Wochenende wieder zu uns zurück. Diesmal als Hauptakt. Anlässlich dieser Möglichkeit haben wir uns in das Gewimmel rund um das Konzert am 16.01.2016 in die BroseArena gewagt …

Gespanntes Warten

Begleitet von viel Schnee und Verkehrschaos rund im die BroseArena kommen wir eineihalb Stunden vor dem offiziellen Konzertbeginn an. Da der Andrang ziemlich groß ist, verpassen wir beim Anstehen an der Garderobe leider die Vorband „Drangsal“. Ein Newcomer, wie wir später erfahren – aber wir können schon einmal einen ersten Blick auf das Publikum erhaschen.
Das Publikum ist bunt gemischt. Hauptsächlich Jugendliche, jedoch auch einige ältere Besucher, die teils sogar ihre Kinder mitgebracht haben. Ausgestattet mit Fanartikeln wie Jutebeutel und Bandshirts machen sich die Besucher auf die Suche nach Flüssignahrung: „Ey Leute, da wo’s Pizza gab … gibt’s da auch Bier oder so?“ Das feucht-fröhliche Feiern kann also beginnen.
In der Halle angekommen suchen wir uns einen Platz hinter der Licht- und Ton-Technik. Die Bühne ist seicht belichtet, an den Seiten stehen zwei überdimensional große Hände. Beide formen jeweils ein „K“. Zusammen mit den anderen Fans warten wir gespannt, dass es endlich los geht.
Um Punkt halb neun wird es dunkel in der Halle und die ersten Töne erklingen.

Von 0 auf 100 in drei Gitarrenriffs

Von Anfang an steigt die Stimmung in die Höhe. Alles tanzt, durch die Luft fliegen aufgeblasene Kondome und Klamotten. Der Boden bebt. Leadsänger Felix Brummer fängt eines der Kleidungsstücke, eine Unterhose, auf und lacht: „Also in anderen Städten bekommt man immer hübsche Spitzenunterwäsche zugeworfen … aber hey, Bamberg ist wenigstens ehrlich!“
Ein großer Teil der Fans ist von weit her angereist, einige von ihnen waren bereits beim Konzert in Mannheim zum Tourauftakt dabei. Sie hätten sich extra dafür Urlaub genommen und reisen ihren Idolen die ganze Tour lang hinterher, wie sie uns verraten. Aber sie würden ja fast jeden Abend mit einem genialen Konzert dafür belohnt werden. Auch Felix Brummer erkennt einige von ihnen wieder in der Menge. Als passenderweise das Lied „Unsere Fans“ angestimmt wird, hebt sich die Stimmung im Saal noch einmal. Kraftklub ist beeindruckt von den Bambergern: „Ihr seid die ganze Zeit so übertrieben laut!“

Je später der Abend, umso ausgelassener

Weitere Highlights zeichnen sich im Verlauf der Show ab. So wird ein Geburtstagskind auf die Bühne geholt. Standesgemäß singt die ganze Halle ihm ein Ständchen, bevor er am Glücksrad drehen darf. Hierauf sind drei Lieder der Band und eine Niete (eine Minute Stille) aufgezeichnet.
Anlässlich der Location findet Felix Brummer hier einpaar – wie er denkt – lobende Worte und vergleicht den FC Bayern München mit den Brose Baskets. Dass er damit in ein Fettnäpfchen getreten ist, merkt er an den vielen Buhrufen. Doch ist dieser kleine Faupax mit den nächsten Liedern komplett vergeben und vergessen.
Während zum Ende des ersten großen Abschnitts des Abends das Medley „Krieg der Welten … Mit K“ eher ruhigere Töne erklingen und die Fans mit Feuerzeugen die Stimmung unterstreichen, schleichen sich die Bandmitglieder von der Bühne. Zunächst denken einige, es wäre eine Pause und verlassen den Raum. Doch falsch gedacht: Plötzlich stehen sie auf einer kleine B-Stage und fahren durch den Stehplatzbereich. Einmal durch den Raum gefahren, bleibt der kleine „Bus“ vor der Licht- und Ton-Technik stehen und kündigen ihre Sportart an: das Wett-Crowd-Surfing. Sie springen von der B-Stage und lassen sich von ihren Fans zurück zur Bühne tragen.

Plastikbecher- und Konfettiregen

Kaum sind sie wieder an der an der großen Bühne angekommen, geht die Party weiter. Während die ersten Klänge des Liedes „ScheissInDieDisco“ erklingt, zieht der Frontmann blank und fordert die Fans auf, es ihm gleich zu tun. Alle schwingen T-Shirts, Schals etc. über ihren Köpfen im Takt des Liedes. Kaum davon erholt, kommt das nächste Highlight.Felix Brummer bittet die Fans, sich in die Hocke zu setzen und gegebenenfalls Müll vom Boden zu nehmen. Alle springen nach oben und es ergießt sich ein Regen aus Plastikbechern über dem Publikum. Auch zum letzten Lied regnet es Konfetti, die Band verabschiedet sich und werden mit tosendem Applaus verabschiedet.
Mit glücklichen Gesichtern, halbvollen Bierbechern – sofern noch nicht zum Finale hin über die anderen vergossen – und mit Konfetti bestreut verlassen die Besucher am Ende den Saal. Es waren ausgelassene, feierwütige Stunden, die man nicht bereut.
Einen bitteren Beigeschmack erhält das Konzert leider: Krafklub kündigte an, nach dem Ende der Tournee erst einmal eine Pause einzulegen. Hoffen wir, dass diese nicht allzu lange dauert und die Fans bald wieder in den Genuss einer solch ausgelassenen Show kommen können.
Fotos: Anja Heder