Krippenbau in Bamberg: “Eine Sucht”

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„Das ist wie a Sucht!“, beschreibt Roland Haderlein seine Leidenschaft für das Krippenbauen. Der gelernte Werkzeugmacher ist seit einigen Jahren Mitglied bei den Bamberger Krippenfreunden e.V. und leitet Kurse, in denen die Teilnehmer ihre eigenen Krippen entwerfen und bauen können.goba krip tit 2

In eigens angemieteten Räumen nahe der Ottokirche werden Material gelagert, sowie Kurse abgehalten. Es gibt einen großen Raum, der dem eigentlichen Erbauen dient. In der Mitte befindet sich eine riesige Werkbank, an den Wänden sind die Werkzeuge zu finden und darüber finden sich Bretter mit fertig gebauten Krippen. Sie zeugen von Detailtreue und Realitätsnähe. Der Raum ist kühl, Kurse finden nur zwei Mal im Jahr statt daher ist er in den Tagen nach Weihnachten nicht beheizt.

Roland Haderlein ist ein bodenständiger Mann, der einen sofort offen und freundlich empfängt. Er trägt ein klassisches Karohemd und seine Augen funkeln freudig, wenn er von seinem größten Hobby, dem Krippenbauen erzählt: „Ich glaube die Liebe zum Holz liegt a weng in den Genen, denn mein Vater war Schreinermeister und mein Opa war Schreinermeister.“ Er selbst arbeitet nun zwar in einer Strickerei, doch seine Freizeit gilt den Krippen.

Vor fast 20 Jahren besuchte er selbst seinen ersten Kurs, der damals von der Volkshochschule in Breitengüßbach veranstaltet wurde und baute dort seine erste Krippe. Haderlein absolvierte insgesamt drei Kurse, fand großen Gefallen daran und konnte sogar seine eigenen Figuren modellieren. Jahre später trat er dann dem Bamberger Krippenverein bei: „man kann ja irgendwie in jedem Verein was lernen“ und gibt seitdem selbst Kurse.

Demographische Probleme

Wie überall gibt es auch im Krippenverein Bamberg zu wenig Nachwuchs. Die Leute sind meist 75 bis 80 Jahre alt und auch Roland Haderlein wird nächstes Jahr in Rente gehen. Kurse möchte er dann dennoch weiterhin geben. Momentan muss er sich für den Vollzeitkurs noch Urlaub nehmen, das wird dann nicht mehr nötig sein. Im kommenden Jahr wird es einen Kurs im Februar und einen weiteren im Herbst geben. Früher gab es noch vier jährlich, damals war die Nachfrage größer. „Doch aussterben wird es nie!“ Das jüngste Mitglied ist gerade ein Jahr alt, sie wurde direkt zur Geburt von ihrem Vater angemeldet.

Die Kursteilnehmer kommen aus allen gesellschaftlichen Ebenen: Lehrer und Arbeiter, bis zum Bänker, egal ob Mann oder Frau. Sie kommen um sich ihre eigene Krippe zu bauen, teils sind sie schon zum sechsten Mal dabei, manche reisen extra aus der Schweiz an. Sie bauen immer wieder etwas anderes, um unterschiedliche Personen, wie die eigenen Kinder, zu beschenken. Mal sind die Krippen aber auch für sich selbst und stellen das eigene Haus dar. Sie fotografieren es und kommen, um es nachzubauen. „Einer hat zum Beispiel seinen Hof aus Stegaurach nachgebaut. So tun sich die Leute auch Erinnerungsstücke bauen. Wobei man den Sinn von ‘ner Krippe eigentlich nicht verkennen sollte. Wir sind keine Modellbauer.“

Christlicher Glaube ist wichtig

Der Glaube spiele eine wichtige Rolle, Roland Haderlein hat auch noch niemanden getroffen, der sich dafür begeistert hat und nicht Christ war. „Man hat ja eigentlich früher nur Krippen gebaut, um den Leuten die Bibel beizubringen. Die konnten ja weder lesen noch schreiben. Um denen die Geschichten in der Bibel klar zu machen, hat man die Szenen aufgebaut, um sie zu erklären. Es gibt ja nicht nur die weihnachtliche Krippe, sondern es gibt ganze Bibelgeschichten die gebaut und ausgestellt werden.“

So zum Beispiel auch die Passionskrippenausstellung zu Ostern in der Maternkapelle. Weitere Bauten des Vereins und seiner Kursteilnehmer kann man jedes Jahr auf dem Bamberger Weihnachtsmarkt auf dem Maxplatz bestaunen. Denn Bamberg ist schließlich Krippenstadt!

Außerhalb Deutschlands gibt es zum Beispiel in Italien, sowie in Israel große Krippenszenen. Auch Haderlein hat schon eine Bibelreise dorthin unternommen. Ursprünglich gab es dort nur die Geburtsgrotte, keine aufwändigeren Bauten, wie man sie heute kennt.

In den Wald für die Sucht

Hier in Bamberg, kommen manche Teilnehmer mit einem Bild, andere stöbern erst in Büchern, und überlegen sich, was ihren Vorstellungen entspricht. Dann fertigt man Skizzen an, schneidet Zubehörteile, wie zum Beispiel Balken für Fachwerk. Die Dächer werden teils mit Mundspachteln gedeckt, die Biberschwänze darstellen. Zum Schluss werden die Krippen mit Mörtel verputzt und die Farbe aufgetragen.

Durch eine spezielle Schwammtechnik entstehen realistische Strukturen. Die Kursleiter geben gerne Hilfestellung, doch die Teilnehmer sollen größtenteils eigenverantwortlich arbeiten, denn so erhöht sich auch der persönliche Wert ihrer Krippen. Das abschließende Feedback, welches sie erhalten, fällt durchweg positiv aus.

Und auch Roland Haderlein liebt seine Arbeit: „Ein Krippler, der ist immer ein Krippler. Wenn der im Wald rumläuft, findet der immer irgendwas. Ob das jetzt ‘ne Wurzel ist, die man als Baum nehmen kann, oder eine für eine Höhlenkrippe, man findet immer was.“

Das Krippenbauen ist eine Sucht, und die hat Roland Haderlein ergriffen.