Eine Oase in der alltäglichen Stresswüste: „Spindler Tabakwaren“ am ZOB

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Ein guter Start in den Tag beginnt bei vielen mit einem Frühstückskaffee oder einer Morgenlektüre. “Spindler Tabakwaren” versorgt die Bamberger jeden Tag mit dem Nötigen, um das hektische Treiben am ZOB ein Stückchen angenehmer zu machen. Go-Bamberg-Redaktionsmitglied Tamara Pruchnow auf der Suche nach dem Besonderen im Alltäglichen. – FOTOS: Manuel Stark

 

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Ein Freitagmorgen in Bamberg, halb acht. Die Temperaturen liegen nicht in den Minusgraden, doch der Wind ist eisig. Passanten auf dem Weg zur Arbeit tummeln sich am ZOB. Eingemummelt in warme Kleidung vergraben sie ihre Nasen zum Schutz vor den kalten Böhen im Schal. Die Geschäfte sind noch zu, nur eine Bäckerei und ein Kiosk haben geöffnet. Vor dem Kiosk erstreckt sich ein regelrechtes Zeitschriftenparadies: Von „Bild der Frau“ über „Motorrad & Reisen“ bis hin zu allerlei Rätselvariationen ist alles da. Ein Meer voll bunter Schmökerangebote. Betreten die Kunden klamm von den unwirtlichen Morgentemperaturen den Laden, werden sie herzlich begrüßt. Heute von Frau Karaca, die bereits seit Stunden auf den Beinen ist. Die Tageszeitungen werden nämlich vor sieben Uhr geliefert und bis dahin soll das Meiste an Organisatorischem geschafft sein, bevor die Türen um sieben Uhr offiziell öffnen. Das bedeutet für Frau Karaca unglaublich früh aufstehen zu müssen. Trotzdem mag sie die Frühschicht am liebsten. Dann ist sie mittags wieder Zuhause, wenn die Kinder von der Schule kommen.

 

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Die Stammkunden freuen sich über eine freundliche Unterhaltung so früh am Morgen. Für viele ist der Kiosk eine Oase im gehetzten Berufsalltag: Kurz rein, Tabak, Snacks, Unterhaltungslektüre gekauft, aber auch einen netter Plausch zwischendurch gehalten. Frau Karaca weiß bei vielen schon genau, was sie immer kaufen. „Und wenn du höflich und nett bist, gewinnst du noch mehr Punkte“, lacht sie. Die Kundschaft ist gemischt: Erst die ältere Dame mit sorgfältig zurechtgeföhnten Locken, genervt aufgrund der Verspätung öffentlicher Verkehrsmittel. Dann direkt danach der gemütliche Busfahrer, der gutgelaunt grüßt. Beide werden mit derselben Herzlichkeit bedient. Der Innenraum des Kiosks ist an sich eher gräulich, aber der farbenfrohe Tabak und die vielen unterschiedlichen Zeitschriften machen ihn zu einem bunten und gemütlichen Ort. Die Kundschaft weiß sofort, welches Produkt sie aus der schier unendlichen Auswahl wollen. Malboro, LM, Pall Mall und Lucky Strike, das sind die Zigarettenmarken, die am häufigsten verkauft werden. Frau Karaca erklärt, dass die Zigaretten in den letzten Jahren immer teurer wurden. Die Kunden, die daran gewöhnt waren, die Schachtel JSP für fünft Euro zu bekommen, müssen jetzt tiefer in die Tasche greifen. Ändern kann das der Kioskbesitzer aber nicht, den Preis bestimmen schließlich Hersteller, Steuer und Nachfrage.

 

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Bald wird der kleine Raum voller: Kurz nach neun Uhr strömt die Kundschaft beinahe unablässig in den Kiosk. Frau Karaca ist beschäftigt, aber immer freundlich und gut gelaunt. Viele Menschen legen die Zeitschriften nach dem Stöbern nicht mehr dorthin zurück, wo sie eigentlich lagen. Das ist ärgerlich und bedeutet Extraarbeit für Frau Karaca, die dann regelmäßig nach draußen muss, um die Hefte wieder zu ordnen. Aber sie hat alles im Griff. Langsam wird es wieder ruhiger im kleinen Laden. Eine in die Jahre gekommene, schon etwas zittrige Kundin, betritt den Kiosk. Ihr Gesicht hellt sich sichtbar auf, als sie Frau Karaca begrüßt. Geduldig hilft die Verkäuferin ihr, die Werbung aus der Fernsehzeitung auszusortieren, bevor sie ihr das Heft verkauft. Dann muss man nicht so viel Gewicht nach Hause tragen. „Auf Wiedersehen“, verabschiedet sich die Dame. Nächste Woche wird sie wiederkommen, hier bekommt man eben nicht nur die Zeitschrift, sondern auch ein freundliches Lächeln.