Odeon und Lichtspiel – Eine Liebe für immer

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Die Alternativkinos Odeon und Lichtspiel gelten als Bastion der Kultur in Bamberg. Doch welche Menschen stecken eigentlich hinter den beiden Einrichtungen? Unsere Redakteurin Silvia Krappmann hat diese Menschen in ihrer Bastion besucht. Ein Portrait von Gerrit Zachrich und Diana Linz.

Ein Großteil der Menschen denkt bei dem Stichwort „Kino in Bamberg“ meist zuerst an das Cinestar am Bahnhof. Erst beim zweiten Gedanken fallen Lichtspiel und Odeon – häufig als „die alten Kinos“ oder nicht „das normale Kino“ beschrieben ein. Dennoch – oder gerade deswegen? – sind beide Kinos bereits mehrfach ausgezeichnet worden, auch dieses Jahr erhielten beide wieder Auszeichnungen des Bundeskulturministeriums.

Aber wer sind die Menschen hinter der Kinotheke? Was genau macht das Lichtspiel und das Odeon aus? Um diesen und weiteren Fragen nachzugehen, habe ich mich am Freitag, den 18.12. zusammen mit den Inhabern Gerrit Zachrich und Diana Linz zu einem Gespräch im Café des Odeons getroffen. Empfangen vom typischen Popcorngeruch und der einladenden und nostsalgisch angehauchten Einrichtung nehmen wir an einem Tisch im Café Platz.

Von Stuttgart nach Oberfranken

Gerrit Zachrich wurde 1962 in Stuttgart geboren und kam durchs Studium nach Bamberg. 1989 begann er ein Studium der Kommunikationswissenschaft in Bamberg, schloss daraufhin ein Studium der Neueren deutschen Literaturwissenschaften und Film- und Theaterwissenschaften in Erlangen an. Als er damals nach Bamberg kam, gab es weder Programmkinos noch Filmkunst-theater, weshalb die Frage aufkam, wo man gute Filme schauen könnte. Zusammen mit Freunden gründete er dann den Filmclub „Filmriss“, der an der Uni unterschiedliche Filme zeigte. Sie schlossen sich mit weiteren Filmclubs aus Bamberg zusammen und gründeten gemeinsam die Bamberger Kurzfilmtage. Diese finden im Januar 2016 bereits zum 26. Mal statt.

Aus der Idee des „Zusammen Filme zeigen“ entstand dann auch der Wunsch, professioneller Kino zu machen. Da die Stadt ein kommunales Kino ablehnte, machten sich Zachrich und die weiteren Mitglieder selbst auf die Suche nach Standorten alter Kinos. Der Standort des jetzigen Lichtspiels (ehemahliges Residenzkino, dann Rex-Kino) ergab sich dann. Dies wurde dann am 31. Mai 1995 eröffnet. Am 31. Januar 2002 folgte dann die Eröffnung des Odeon.

Diana Linz wurde 1980 geboren und kommt, anders als ihr Kollege, schon gebürtig aus Bamberg. Nachdem sie zuerst am Theater gearbeitet und Kunstgeschichte studiert hatte, wollte sie sie eigentlich an die Kunstakademie wechseln. Diesen Plan verwarf sie dann aber. Seit 2000 arbeitet sie beim Lichtspiel. Dies sei auch eigentlich ein lustiger Zufall gewesen, meint Diana Linz. Zusammen mit Nora Gomringer, der Leiterin des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia, wirkte sie damals an einem englischen Theaterstück mit, welches im Lichtspiel aufgeführt wurde. Gerrit Zachrich fragte sie dann damals, ob sie denn nicht im Lichtspiel mitarbeiten wolle. Sie sagte zu und dachte eigentlich, es sei nur von kurzer Dauer. „Aber es war eine Liebe für immer.“

Persönlichkeit im Vordergrund

Das Besondere an Lichtspiel wie Odeon sei vor allem die Programmauswahl, so Linz. Dies zeige sich vor allem am Lichtspiel wesentlich. Hier werden ganz kleine Produktionen gezeigt, Dokumentationen zu unterschiedlichen Themen, Länderschwerpunkten und Themenreihen. Beim Odeon überschneide es sich schon hin und wieder mit dem typischen Kinoprogramm, das man auch in anderen Kinos sehe. Jedoch nur, wenn es auch für ihr Publikum interessant ist.

Aber im Allgemeinen gestaltet sich das Odeon wie auch das Lichtspiel wesentlich persönlicher. Es sind auch in beiden Kinos Cafés integriert, um so einen Treffpunkt für das Publikum zu schaffen. „Es sind Begegnungsorte“, sagt Zachrich. „Es geht nicht nur ums Filme zeigen und dass die Zuschauer rein und raus gehen, sondern dass sich Leute aus unterschiedlichen Anlässen treffen.“ Die beiden Kinos sollen eine Art Kulturzentrum sein, in denen die Leute miteinander ins Gespräch kommen und der Film nur als Aufhänger dienen soll, um vor und nach dem Film in den Cafés über die Filme zu reden. „Beide Kinos sind Orte, an denen ganz unterschiedliche Leute hingehen und sich treffen und ins Gespräch kommen“, meint Zachrich.

Warum ausgerechnet Alternativkino?

„Mit diesen Filmen kommt man einfach eher ins Gespräch“, sagt Zachrich. „Sie bewegen die Leute und geben ihnen etwas mit. Der Film soll nicht nur als bloße Unterhaltung dienen, sondern auch zum Denken anregen.“ Auch Diana Linz sieht das so. Es sei wichtig, dass die Leute rausgehen und Zuhause etwas mit dem Film machen. Beide interessieren sich für die Filmkunst und engagierte Filme. Daher sei es nie eine Frage gewesen, sich anders zu entscheiden. „Es hängt einfach unser Herz daran.“, so Linz. Nur sind es ja nicht nur kleine Filme, die in den Kinos gezeigt werden, sondern vor allem Filme mit vielen Auszeichnungen, wie etwa dem Europäischen Filmpreis, den Oscars, den Golden Globes. „Die wichtigsten Filme des Jahres laufen alle bei uns“, merkt Zachrich an. Außerdem organisieren sie auch viele Veranstaltungen außerhalb der Kinos. Etwa das Open Air Kino, das Sommerkino, Veranstaltungen in Kirchen oder in anderen Festsälen im Rahmen eines bestimmten Themas.

Aber ist so eine Art Kinoleben überhaupt lohnend oder eher eine kostspielige Angelegenheit? Man müsse hier einen Unterschied zwischen Lichtspiel und Odeon machen, so Zachrich. Das Lichtspiel ist eben ein kleineres, spezielleres Kino mit diversen Länderthemen, Genres und Sprachenschwerpunkten. Es könnte sich selbst nicht ganz so gut tragen, in schlechten Jahren würde das Preisgeld benötigt, die das Lichtspiel bekommt. Das Odeon hingegen könne aus sich selbst heraus leben, da hier ja auch Filme laufen, an denen man etwas verdient und Geld zurücklegen kann.

„Wir versuchen nicht nur Liebe in die Kinos zu stecken. Sondern wenn wir Geld einnehmen, wird dies auch wieder für die Kinos verwendet“, sagt Linz. Beispielsweise für Renovierungsarbeiten und neue Investitionen: wie letztes Jahr im Odeon für Kinostühle, eine neue Leinwand und eine neue Digitalisierung. „Häufig kommt das Vorurteil, das seien ja ‘die alten Kinos’ und ‘Ihr seid ja nicht das normale Kino’. Doch wir empfinden uns schon als normale Kinos. Wir haben trotzdem sehr große Säle mit immer über hundert Plätzen und legen sehr viel Wert auf Renovierungen. Häufig denken die Leute, die Bestuhlung sei noch von 1980, aber das ist definitiv nicht so“, sagt Linz.

Typischer Büroalltag

Morgens treffen sich die beiden im Büro, das im Lichtspiel untergebracht ist und erledigen Organisatorisches, beantworten E-Mails, telefonieren und treffen sich mit Kooperationspartnern. Es gebe auch immer mehr Anfragen für private Feiern, zum Beispiel Geburtstage. Des Weiteren findet im Lichtspiel alle sechs Wochen eine neue Ausstellung statt, wofür man sich immer mit dem jeweiligen Künstler vorab treffen müsse. Am Freitag spielt immer ein DJ in der Bar des Lichtspiels. „Eigentlich ist immer was los. Nicht nur im Kino selbst und um den Film herum, sondern auch in den Bars und den Cafés“, erzählt Linz. Abends sind sie dann im Kino. Ein Tag habe häufig zwölf Stunden oder gar mehr. Es sei selten, dass man zwei Tage am Stück frei hat. „Aber man ist auch sehr flexibel.“

Und das langfristige Ziel der beiden? Ihr Wunsch, als Kulturort bekannt zu sein, habe sich bereits erfüllt. Jedoch sei es noch ein recht eingegrenztes Publikum, da die Filme eben doch meist etwas anspruchsvoller seien. „Manchmal ist man etwas traurig, wenn nur wenige Besucher kommen oder man ganz viel Herz in eine Sache gesteckt hat und es erreicht nur wenige.“ Dennoch möchten er und seine Kollegin sich durch solche Rückschläge nicht entmutigen lassen: „Wir glauben daran und werden auch weiterhin unsere ganze Power hineinstecken.“

Große Experimentierfreude

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Auch Anerkennung von außen bestärke beide in ihren Tun. Die Kinos wurden bereits mehrfach mit unterschiedlichen Preisen bedacht und sind immer unter den zehn besten Kinos Deutschlands zu finden. „Ich wünsche mir mehr Neugierde, auch bei kleineren Filmen. Dass die Leute über ihren Schatten springen und sich die Filme auch mal ansehen. Einfach ein bisschen mehr Neugierde, auch in einer kleineren Stadt wie Bamberg“, sagt Zachrich.

Auch die beiden Betreiber wären gerne noch etwas experimentier- und risikofreudiger. Doch dies ginge nur, wenn auch die Resonanz dementsprechend hoch sei. „Letztendlich können wir auch nur so gut sein, wie unser Publikum ist.“ Ein abschließendes Wort? „Wir wünschen uns auch noch einen guten Ort und einen guten Zeitraum für unser Sommerkino“, sagt Linz.

Na, dann wünschen wir den beiden damit weiterhin viel Erfolg!